Schausteller in Hoffnungsthal
9. August 2010Schausteller in Hoffnungsthal , Pioniere in Ingolstadt
S.22 Ein Handlungsreisender hatte dem Autor von Liebe als Passion das Buch zusammen mit einem wütenden Brief zurückgeschickt, da er sich unter dem Titel was anderes vorgestellt hatte und sich getäuscht fühlte. Luhmann gab zu, daß der Titel einigermaßen hot sei, dafür aber doch der Untertitel cool: Zur Codierung von Intimität. (Hier irrte Luhmann: mindestens genauso hot, wenn nicht noch mehr)
Ich überlegte, was so einer wie Luhmann mit hot genau meint, als draußen die Kirmesleute gegenüber vom Bahnhof Hoffnungsthal am Wohnwagen ein Fenster reparierten und ich mechanisch vier Fotos machte.
Wie lange die Welt nun schon eine auseinandergefallene und selbstverständlich keine ganze mehr ist und die Schausteller hält man selbstverständlich für die noch im Mythos Lebenden, das unterstellt man ihnen. (Was sie sich unter hot vorstellen, meint man auch zu wissen. Man spekuliert und könnte auch fragen, ich tue es auch bei Gelegenheit, sie geben meistens weltliche Antworten, kommunikative; man kann ja schlecht sagen, daß sie das alles weglassen könnten. Sondern nimmt natürlich, was kommt.)
anderntags dann
Mitglieder des HochstraßenOrganisationsTeams bei einem ihrer Auftritte auf der Hochzeitsfeier im Dorfhaus Hunstig. Schlachtruf: zicke zacke zicke zacke hot hot hot
Behind the scenes: New artist-casting google-magazines on their way
Zu Gast in den Redaktionen von YIELD, SHIELD und GILT
Inlet: Why Uhutrust became a real shame
Spezial: Wille (intention) und Wirkung (effect) revisited
Reportage

Müllkippe, Altenwohnheim, Siedlung kleiner Angestellter
Ich will es doch für ein Glück halten.
Neulich in Spandau
3. August 2010Es darf wirklich nicht wahr sein, aber ich habe den ganzen Tag nichts gemacht, außer an einem lächerlichen Eintrag rumzuschnitzen, rumgeochst, der immer blöder und uninteressanter wurde, gleichzeitig weinerlicher, dann auch noch ehrgeizig und schließlich habe ich aufgegeben. Jetzt Kopf- Zahn- und Ohrenschmerzen vor Wut und Ungenügen. Zur Strafe will ich ihn einstellen. Die Zeiten, wo Schwächeeingeständnisse erlösend wirkten, sind leider irgendwie vorbei. Alles wirkt nur kurz, dann muß einem wieder was einfallen, was man aber wirklich ernst nehmen müssen kann. Das ist das Schwierige. Dann dachte ich z.B. an Rudolf Heß und an die Zeit, als er ab und zu in den Nachrichten vorkam, oder die DDR ganz normal, KFC – gefangen in der BRD, als alles vollkommen anders als jetzt war, aber schwer zu sagen, wie, gegenüber Jüngeren, die gerne eine anschauliche Beschreibung hätten, als man selbst noch ganz jung war, z.B. irgendein Gesuch auf vorzeitige Freilassung des Heß erneut von den Russen abgelehnt worden war, das kam relativ oft im Fernsehen, eigentlich täglich, oder gemeldet wurde, daß er wieder krank sei und vielleicht jeden Moment stirbt, dann sich aber stets erholte und man sich wunderte, daß das wehleidige, unheimliche und schrecklich aussehende Gespenst so ein Vorbild für die nachgewachsenen Nazis abgab und anscheinend immer noch. Den fand doch eigentlich keiner gut. Vollkommen entfallen war mir aber z.B., daß er sich zum Schluß im August 1987 ja auch noch umgebracht hat, 93jährig, aufgehängt mit einem Verlängerungskabel. Die Familie bzw. Verschwörungsorganisationen warten auf die Freigabe der britischen Heßakten im Jahre 2017 und hofft zu beweisen, daß Heß vom britischen Geheimdienst ermordet worden ist.
Die Spandauer Tagebücher von Speer wg. FSK gelesen, mehrmals und gerne, auf die Idee wäre man wahrscheinlich von alleine auch nicht gekommen. Viele der in Lesezirkelmelodie vorkommenden Prominenten sind schon tot. So viele auch nicht? Ich habe den Text nur im Kopf und nicht vollständig.
Joseph Beuys (mit Studenten diskutiert), Josef Neckermann (vorbeigaloppiert), Rex Gildo (sein Zimmer möbliert), der Bhagwan (sein Rheuma auskuriert), Rudolf Heß (in seiner Zelle musiziert) —
Romy Haag, Andre Heller, Nina Hagen leben wahrscheinlich noch.
„Heß blieb [innerhalb der Gruppe der Spandauer Gefangenen] ein Außenseiter, da seine Persönlichkeit unsoziale Züge trug und er erkennbar geistig instabil war. Er mied außerdem im Gefängnis jede Art von Arbeit, wodurch er bei seinen Mitgefangenen Unmut erregte. (…) glaubte fortwährend, dass man ihn vergiften wolle (…). Er schrie und stöhnte oft Tag und Nacht wegen Schmerzen, deren Echtheit aber sowohl von seinen Mitgefangenen als auch von der Gefängnisleitung angezweifelt wurden (…).“
2:03
jetzt war ich wenigstens noch an der Post. Es kam noch ein junger Mann, der auch Marken ziehen wollte und etwas abseits wartete, der so hübsch war, daß ich ihn nur einmal kurz ankuckte und dann nicht mehr. (Damit er nicht denkt ich sei irgendeine zudringliche Alte die nachts raus muß, restless legs und so. Restless mind.) Ich hatte irgendwie bei der Eingabe des Wunschwertes einen Fehler gemacht, überbezahlt und bekam lauter Marken zu 10 und 5 Cent und hatte im Grunde keine Spucke im Mund, um sie richtig! naß zu machen! und aufzukleben!
Immer mußte ich erst umständlich sammeln, bis es reichte, daß ich fast selbst vor mir dachte, ich machte es extra. (um Mitleid zu schinden?)
Vor der Trinkhalle saßen zwei Buben, höchstens 15 und besoffen und ein älterer ganz Besoffener. Die Jungens sagten, der wäre besoffen und ich sollte mich nicht von dem anquatschen lassen und duzten mich dabei. Als ich wieder rauskam, waren sie aufgestanden und siezten mich. Als ich letztens in der Volksbank auf der Friedrichstraße Geld holte waren da auch zwei Jungens, die aussahen wie Realschüler und so, als würde sie niemand irgendwo vermissen, praktisch durchsichtig, die waren mit zwei jungen Frauen da, die typische Prostituiertenmode trugen, weiße glänzende Kunstlacklederstiefel bis oben hin zum schnüren, stählern glänzende Strumpfhosen usw., sie warteten und die Jungen zogen Geld und der eine sagte, er habe leider lauter 5 Euro Scheine vom Automaten erhalten und die junge Frau, kaum älter als er, redete mit ihm so als wenn sie wirklich ein bißchen befreundet wären und eigentlich alles ganz normal, normale Situation. Das sei okay, Fünfer könnten sie immer gut brauchen.
Im Soag an Schas losen
29. Juli 2010Tonausfall
Zum Glück bin ich nicht in psychologischer Behandlung. Die Psychologen würden mich die ganze Zeit ausschimpfen.
Erst HAPPY DAY in die Luft sprengen, danach Vattenfall. Oder umgekehrt! Mir egal!
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Charakter-Darsteller, Mime.
1. August
Die Psychologen fragten, warum man sich lieber fortwährend quält und lahmlegen läßt, statt liebevolle Angebote anzunehmen. Gehen Sie zu den Menschen, die es gut mit Ihnen meinen!
Aber das ist ja wohl echter Quatsch. Esoterik.
Die haben ja keine Ahnung.
Worum es geht.
Nämlich: das größte aller größtmöglichen Versprechen die uns halten und über den Tod hinaus verpflichten. Was ist denn „Leben“ gemessen am unsterblichen und sauberen Geistesgeist unsara großen Geistesgrößen? – Fliegendreck, Frauenkitsch.
(D. Kehlmann, Lob – über Litaratur)
Welt am Draht
19. Juli 2010Auf der Rückfahrt sah ich Ensemble komplett, und dann ein bißchen Welt am Draht von Rainer Werner Faßbinder, – wer?? Rai-ner Wer-ner Faß-bin-der (Running Gag aus .. Dings) , dann war ich so müde und sah nur aus dem Fenster und dachte an das lustige Ruckzuck Künstler(miß)raten im Georgenhof. Nach der gelungenen Aufführung zur Jahresausstellung. Der Klasse.
Das lustige Künstlerraten geht so. Einer klopft seinem zunächst abgewandten Vordermann, der so tut, als hörte er bis dahin nichts, auf die Schulter und gibt diesem eine möglichst blumige Beschreibung einer Kunst, die eine KünstlerIN macht, möglicherweise auch Hinweise ihr/sein Verhalten und Aussehen betreffend und der Angeredete versucht zu erraten, um wen es sich handelt. Der Erklärende erfindet so verrückt er kann und der Ratende rät einen Namen, der mit dem Beschriebenen idealerweise überhaupt nicht in Verbindung zu bringen ist. Jedweder genannte Name ist für eine richtige Antwort zu halten, außer man will den Ratenden ein bißchen quälen. Hat der Ratende den Namen genannt ist er selbst dran mit beschreiben. –
Ich war bei dem Spiel so aufgeregt, daß mir vor Originalitätssucht und Angst vor der eigenen Stimme überhaupt kein einziger Künstler mehr einfiel. Schon 4 oder 5 Stationen bevor ich dran war. Lukas Cranach! Ernst Barlach!
Herausragend gut schnitt in dieser Disziplin übrigens Herr Max Schmidtlein ab.
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Bis Nürnberg saß ich zusammen mit einer älteren Dame im Ruhebereich-Abteil, die ihre ersten 20 Jahre in Berlin verbracht hat, dann hatte ihr Mann eine Anstellung in Freiburg erhalten, nach dem Tod ihres Mannes ist sie nach Hamburg gezogen und besucht nun regelmäßig ihren Sohn, der Ende Juli 61 geboren in München arbeitet. Eine Schwester hat sie in Berlin noch wohnen, die übrige Verwandtschaft sei auch in Berlin geblieben und nun hätten sie und ihre Schwester dort viele Gräber zu pflegen. Auch von der Partei aus sei sie öfter nach Berlin eingeladen. (die Partei? dachte ich, welche wohl? sie war so nett und klug, die CDU wollte ich ihr nicht zutrauen, fragte aber nicht aus Angst, sie verabscheuen zu müssen. Dann sprach sie so kundig und verständnisvoll über die DDR und das Transitwesen, daß es zwar bösartige Grenzer gegeben habe, sie aber im allgemeinen gute Erfahrungen mit den Leuten gemacht habe, daß ich doch meinte, sie müsse von der SPD sein. Einmal habe ein Grenzer ihr und ihrem Mann bei Einfahrt auf die Transitstrecke ein Kind auf den Passierschein eingetragen, was gar nicht vorhanden war und bei Ausfahrt aus der DDR hatte ein Grenzbeamter gefragt, wo das Kind abgeblieben sei. „Zu Hause“ ulkten noch die Westdeutschen, aber der Beamte lachte nicht. Er mußte annehmen, daß die Eheleute ihr Kind in der DDR gelassen hatten und dann wurde festgestellt, daß auch das Autokennzeichen falsch war. Eine Verwechslung wahrscheinlich. Jetzt mußten sie warten, bis das KFZ auftauchte, mit dem sie verwechselt worden waren, das mit einem Kind unterwegs sein mußte, was nicht eingetragen worden sei usw., aber das andere Auto kam nicht. Sie warteten 1 1/2 Stunden und das Auto kam noch immer nicht. Nach 2 Stunden durften sie weiterfahren, niemand weiß, was geworden ist. Eigentlich ist die Geschichte langweilig, die Frau erzählte aber so nett und mitgenommen davon, als sei es gerade erst passiert und nicht vor 40 Jahren, ich hätte ewig zuhören können. Fast hätte sie den Zug verpaßt, weil sie ihren Becher nicht gefunden hat, einen normalen Pappbecher. Sie könne nicht aus der Flasche trinken, es nie gekonnt. ~ Wie gibts denn das! rief ich. Aber es sei wahr. Dann mußte ich leider aussteigen und war überzeugt, daß mein Anschlußzug auf Gleis 7 einfährt, wo dieser hier noch stand, aber weil der nicht wegfahren wollte und nur noch 2 Minuten Zeit war, bis der andere Zug kommen sollte, schaute ich nach. Da stand Gleis 5 und ich rannte los mit meinem sperrigen Koffer und der Schaffner hatte schon gepfiffen.
Es war 15:37 und ich rief deinen Namen laut und vor allen Leuten.
Koyaanisqatsi
13. Juli 201015.7.10, 8:41
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21:38
Gegen Ende der heutigen Probe kam eine Journalistin und Herr D erklärte, was hier entsteht. Ich hatte gemeint ergänzen zu müssen und hoffte im Sinne des Klassenverbundes zu sprechen, es ginge hier (Anlaß Jahresausstellung) auch um die bewußte Entscheidung für eine andere [offene und riskante] Form und eben nicht darum, einmal im Jahr ein Bildchen aufzuhängen usw., darum, einen wirklichen Prozeß abzubilden, bzw. zu zeigen daß man eben: wirklich miteinander arbeitet
Hoffentlich schreibt das die Frau von der Zeitung tief in die Zeitung hinein.
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Gestern nach dem Bad im Tegernsee aßen wir am Berg und fuhren ohne Bremse mit Standlicht nach Rottach zum Club Key Largo. Da erzählte einer, daß Marianne Strauß sich hier in der Nähe t otgefahren hatte.
(leider sieht man nicht, wie wahnsinnig gut es hier riecht!)
Marianne Strauß starb in der Nacht des 22. Juni 1984 gegen 22.30 Uhr bei einem Autounfall auf der B 307 zwischen Rottach-Egern und Wildbad Kreuth nahe des Weilers Scharling. In Rottach hatte sie eine Freundin besucht. Auf dem Heimweg zu der Wohnung im Seitenflügel des Schlosses der Hanns-Seidel-Stiftung in Wildbad Kreuth erlitt sie vermutlich eine Herzattacke. Ihr schwerer ockerfarbener Mercedes 230 E kam in einer leichten Linkskurve von der Fahrbahn ab, flog über einen Hohlweg und bohrte sich in eine Böschung. Marianne Strauß , 54 Jahre alt, war sofort tot — Genickbruch. Ein Busfahrer sah das Autowrack erst am nächsten Tag, es war zwischen Haselnussbüschen nur schwer zu entdecken.
natürlich nicht im Club Key Largo oder sonstwo drin gewesen, da kann man ja gleich zur Hölle fahren. 97% Pack, Untermenschen und Gesocks rund um den Tegernsee, in München (Schwabing) gefühlte 88%. Die Stimmung, die das Wort Ästhetische Chirurgie auslöst. Dräuend. Wie Männer Frauen anschauen, nacktscannen mit der größten Selbstverständlichkeit und wie doch sehr viele nachgewachsene Frauen, hier die Gebildeten aus dem Universitätsviertel!, sich selbstverständlichst danach ausrichten. Wie ältere Frauen voller Haß jüngere anschauen. Seuche, Grobheit, Grausen bis ins Grab, als wenn es sonst überhaupt nichts gäbe auf der Welt. In den U-Bahnhöfen dazu die öffentliche Belästigung durch Johann Strauß Walzer.
Nur vereinzelt mit irgendwelchen, schlimm, ja, aber wahr, ARBEITENDEN ORIGINALEN die in ihrer Tätigkeit aufgehen gibt es Trost. Oder natürlich in all dem unfreiwillig Ausgedrückten. oder so, daß man in der Vorstellung manipuliert. Damit die gesehenen Szenen anders ausgehen. Lebt man meistens parallel zurückgezogen, nein, splitscreenartig, nicht zurückgezogen in der Vorstellung. – Was? – Überlegt sich beim Laufen, wie man laufen soll. Das ist ja ganz normal, ach. Eben am besten nicht an den Straßencafés etc. vorbei, aber ganz Schwabing ist ja ein einziges Straßencafé voller Menschen die soviel Not und Elend über die Welt bringen, sie und Ihresgleichen, und sich so supergut fühlen dabei. Stört immer nur mich, peinlich.
Lacrimosa
10. Juli 2010Der Kapitalismus war abgeschafft. Trotzdem fuhren die Leute weiter morgens zur Arbeit, vielleicht weil sie die Rede auf dem Kongreß, an dessen Ende die Resolution zur Abschaffung des Kapitalismus verabschiedet wurde, nicht so richtig verstanden hatten und lieber nichts falsch machen wollten.
(Der Verdienst einer „schlechten“ Ausstellung: wenn sie es schafft darüber nachzudenken, was schlechte Ausstellung heißt, was Enttäuschung heißt, was das Ende heißt. Das ist ja viel mehr, als die meisten Austellungen auslösen, die einem einfach egal sind, die nichts treffen, was irgendwie wichtig ist. Wirklich grausam aber ist doch, sagte der sich betrogen fühlende Student, – wenn diese doofen Leute, die nie was begriffen haben und nie etwas wirklich woran gehangen haben, plötzlich begeistert sind und plötzlich meinen zu verstehen, worum es da geht.)
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Ich wundere mich, daß um halb 7 schon soviel los ist . Alles sieht im Morgenlicht viel schärfer aus und der Plötzensee ist ganz warm.
Da ich nicht geschlafen hatte, war ich ein bißchen komisch drauf und dachte, vielleicht merkt man gar nicht wenn man ertrinkt wenn man so in Gedanken ist, aber man würde es wahrscheinlich schon merken, an irgendeinem Detail.
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goncourt ist z.B. aufgefallen, daß Zizek jedes Buch 2 mal im Nachtschrank hat.
Das Wort „namenlos“ im Gedicht von Johannes R. Becher
und „Seibert“, der Regierungssprecher.
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Kleine Meinungen
Eine Galerie hatte geschrieben, daß die Ausstellung in Wien statt Pofalla in Wien Michael Eichwald heißt. Michaela Eichwald zeigt Michael Eichwald. Wahrscheinlich wegen der Hitze finde ich den Titel plötzlich so gut und meine, ich sollte ihn für irgendetwas verwenden.
Das einzelne Jahr 1979 hätte man von mir aus gerne auf ein ganzes Jahrzehnt ausdehnen können. Gerne immer noch, auch jetzt sofort.
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Verzweifelt verstreichelt mei Zeich
6. Juli 2010artfriends
Mätzchenkunst
Beschwichtigungskäufe
Ich möchte eine Kritik formulieren, mit wem seid ihr eigentlich nicht befreundet?, kann es aber nicht.
aloof
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Heute große Probleme. Ein echtes Problem die Aussage, daß man nicht mehr politisch handelt, wenn man nicht loyal ist. Ist dann politisch handeln prinzipiell immer lügen, oder nur manchmal? (Verbindlichkeit nimmt aber auch nur zu, wenn man willentlich so entscheidet. Man kann auch anders entscheiden. Aber was ist das für eine komische Sprache, ich bin ihrer nicht Herr.)
23:05 der gehirnamputierte Kahn spricht ja tatsächlich so, wie der Pocher ihn damals nachgemacht hat.
Ich habe Sonntag, Montag und Dienstag nichts gemacht, außer nachgedacht und dabei überhaupt kein faßliches Ergebnis erzeugt. Auch was ich nicht direkt beeinflussen konnte, überzeugt nicht in seiner Art:
ich sollte für Isa Genzken etwas zum Anziehen nähen. Dann hatte jemand aus der Crew eine Pizza bestellt und der Pizza-Bote war schon hinter mir auf der Treppe. Ich stand vor einer Türe, an der außen eine Kette, dünn wie eine silberne Halskette mit Knoten drin, vorgelegt war und an der ich herumfummelte, um den Mann hereinzulassen. Da fühlte ich einen schweren stumpfen Schlag von hinten im Nacken. Ich taumelte herum und da stieß mir der Pizza-Bote schon ein Messer in die Brust. Ich dachte ganz überrascht: Er sticht mich einfach ins Herz! Warum? Ein scharfer kurzer Schmerz, da war ich auch schon tot und fiel um.
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7.7. Vielleicht fiel die Beichte zu leicht und es hängt nichts mehr daran.
8.7.
Es kann mir doch keiner erzählen, daß der dumme Teichrohrsänger nicht merkt, daß der dicke Vogel, den er da füttert, nicht sein lieber Angehöriger ist.
Die Kapitalismuskritik wird wirkungslos bleiben und keine fühlbaren Ergebnisse hervorbringen, solange sie nur allgemein und diffus auf „das Kapital“, „den Kapitalismus“ zielt und nicht auf dessen tatsächliche fleischliche Träger und Motoren. Das Problem ist, daß der Feind kein Gegenüber ist, sondern überall herumsteht und beim Dinner herumsitzt, total nett ist und von seinen irgendwie perfiden, kostenintensiven (aber doch auch irgendwie lustigen! ned? – nö) Begierden und seiner Zerrissenheit faselt.
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ich kriege selber so schlechte Laune davon
Das Problem ist, was Leute als einzelne Personen meinen für sich beanspruchen zu können, sich wert sind, selbstverständlich verdient zu haben glauben, – womit eigentlich?
und wie sie sich aufführen und was sie abstrahlen auf die nächsten Blöden, seelisch Verrotteten, die da dann auch hinwollen und damit alles in Gang halten.
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ach Gott, ist das langweilig.
Prada-Taschen sind wirklich sehr gut verarbeitet.
Kunstfälscherbande an der Bergmannschule
2. Juli 2010Wir gehen als Kriminalbeamte des Fälschungsdezernats Hinweisen aus der Bevölkerung nach, daß der Direktor der Grundschule Bergmannstraße Schüler in einer sogenannten Meisterklasse zu Kunstfälschungen anstiftet und sich dadurch persönlich bereichert.
Die Kinder versichern, von all dem nichts zu wissen. Wir nehmen aber an, daß sie lügen. Denn manche fangen an zu weinen oder fragen, ob sie jetzt ins Kinderheim kommen. Selbstverständlich! Und eure Eltern ins Gefängnis.
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Kein Geheimnis warum die Leute drauf sind wie sie drauf sind.
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Sofort muß man sein Leben gewinnen
sein vollständig irdisches Leben, in dem alles machbar ist.
Von der Kraft und der Stärke des Geistes kann man gar nicht genug erwarten.
[Antwort auf die Frage »Erleuchtet uns und unsere Handlungen das Denken mit derselben Gleichgültigkeit wie die Sonne, oder was ist unsere Hoffnung und welchen Wert hat sie?«]
St. Johanni
25. Juni 2010Raus aus dem Alltagstrott und die Sorgen vergessen, hieß es wieder einmal an St. Johanni. Der 24. Juni ist der Geburtstag von Johannes dem Täufer und markiert das Ende der Rhabarber- und Spargelernte. Der 2. Austrieb der Gehölze (Johannistrieb) beginnt nun.
Bei herrlichstem Ausflugswetter ging es gut gelaunt und bepackt mit Kartoffelsalat, Eiern und Schwendgurken früh um 7 los, zusammen mit Sven und uns beiden Cornelias. Witziges Detail: Auch die andere Cornelia stammte aus einer Opeldynastie und steuerte den roten Opel Attila sicher und flüssig durch den Stadtverkehr. Der kesse Sven spielte auf seine unnachahmliche Art den Navigator und bald hatten wir aufgeregt schnatternd den Kontrollpunkt Dreilinden passiert. Die beiden hatten mir noch nicht verraten, wohin die Reise ging und ich konnte die Spannung kaum noch aushalten.
…

Nachdem wir die Ausstellung gesehen und für unser leibliches Wohl gesorgt hatten, machten wir uns frohen Mutes in schönstem Sonnenschein auf zu den traditionellen Quellgängen, um alles Unglück des kommenden, wie auch des vergangenen Jahres ein für alle Mal abzuwaschen. Laut Becker-Huberti muß dazu fließendes Wasser aus Quellen oder Bächen verwendet werden, mit dem man die mit Johanniskränzen geschmückten Frauen besprengt. Die Kränze bestehen aus siebenerlei bzw. neunerlei Kräutern und Pflanzen, z.B. Bärlapp, Beifuß, Eichenlaub, Farnkraut, Johanniskraut, Klatschmohn, Kornblumen, Lilien, Rittersporn und Rosen. Lange Rede, kurzer Sinn: Eine Dusche aus dem Rasensprenger vor Sans-Souci („ohne Alles“) tat es schließlich auch, befanden die zwei Cornelias großzügig und kicherten vergnügt.
Außerdem: Potsdam sieht vielerorts aus wie die nachgebaute Straßen-Attrappe genannt „Alt-Berlin“ im Phantasialand Brühl. Sofort wollen wir in so einen Freizeitpark fahren, Heidepark Soltau oder irgendwo Goldnuggets diggen gehen.
bricht ab
und überlegt zur Kommunismus-Konferenz zu fahren, oder zur Biennale, oder beides, heute abend ist auch allerhand.
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Morgen: wie Cornelia in der Tür der Tier-Tafel und des Täter-Opfer-Ausgleichs von einem Berber gefragt wird, ob sie schon einmal in einem Ameisenhaufen geschlafen hat.
Bonus: Wie die eine Cornelia von der anderen gefragt wurde, ob sie „Beziehungen“ führe. Schrecklich.
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27.6.
Nach dem Tafelspitz im herrlichen Garten am Moritzplatz fuhr ich zur vom Kommunismus rot angeleuchteten Volksbühne und beobachtete die Kommunisten, die einen ganz guten Eindruck machten, junge, moderne Leute aus verschiedenen Ländern, eine Gruppe unterhielt sich links von mir in einer extrem seltsam klingenden Sprache. Bald dachte ich, das müsse ungarisch sein, bald dachte ich belarus. Das Christentum ist doch nicht aus der Tatsache entstanden, das es den historischen Jesus gegeben hat, der zum Märtyrer wurde. Zu der Zeit gab es hunderte Heilsprediger, die Märtyrer wurden. Das Christentum gibt es nur deswegen, weil mit Macht behauptet wurde, daß gerade dieser Jesus der Sohn Gottes, des einzigen Gottes ist und Gott ihn auf die Erde gesandt hat, damit er für die Sünden der Menschen stirbt, die, wenn sie das nur glauben und bekennen, nach ihrem Tode weiterleben werden. So eine grundabstruse, unlogische, unwahrscheinliche Geschichte hätte sich ohne penetrante Promo-Jünger niemals durchbringen lassen und auch nicht ohne Androhung von Strafe bei Unterlassung. Das gilt für alle Heilsverheißungen und am Christentum läßt sich so gut studieren, daß man den größten Blödsinn, der hinten und vorne nicht zusammenpaßt und auch mit der „Wirklichkeit“ nichts zu tun hat, trotzdem so durchsetzen kann, daß Menschen tatsächlich darin, davon vollkommen durchdrungen, leben.
Will ich damit sagen, was der extrem komplizierten Christentum-Idee gelungen ist, müßte doch der dem Menschentum viel näher liegenden Kommunismus-Idee erst Recht ein Leichtes sein, oder was?
Lutterworth, der eigentlich das ausverkaufte Castorf-Brecht-Stück sehen wollte, wich auf ein anderes aus und berichtete enthusiastisch. Re-Enactment eines Theaterstücks einer fahrenden Bühne Ende der 60er in wo? Rumänien? („Das Stück Pupilja, Papa Pupilo and the Pupilceks – Reconstruction von Janez Janša ist das Reenactment einer neoavantgardistischen Performance von Dušan Jovanovi?, die 1969 im damals sozialistischen Slowenien stattfand.“) an dessen Ende das Publikum entscheiden sollte, ob auf der Bühne ein Huhn geschlachtet werden soll. Das Publikum war in der Mehrheit dafür. Dann sagte einer der Schauspieler, gut, dann soll es auch einer aus dem Publikum machen. Binnen 3 Sekunden war dann wohl ein Mann aufgestanden, zur Bühne gekommen und hatte das Huhn in einem Bottich in die Brust gestochen. Das wäre Wahnsinn gewesen, eine wahnsinnige Spannung. Auch andere erzählten davon jetzt ganz aufgeregt, jeder aus seiner Perspektive eine ziemlich andere Version, natürlich, und das ja die Schwierigkeit, die Frage interessant sei, was Re-Enactment eigentlich bedeute, bedeuten soll, bedeuten könne, konkret, vor Ort. Dann kam Fetzer und sagte, das Huhn lebe und sei bereits verbunden worden. Die anderen: NEIN! – Doch, tatsächlich. Re-Enactment. Und Lutterworth hatte nachher einen aus dem Ensemble gefragt, ob das nicht doch einer aus ihrer Truppe war, der das Huhn erstochen hatte. Ehrlich nicht, hatte der Schauspieler gesagt und das sei auch noch bei keiner Aufführung (in keinem anderen Land) passiert, daß das Publikum gefordert hat, das Huhn zu töten. Nur bei den gelangweilten Hauptstädtern der Bundesrepublik.
Um 23 Uhr gab es noch das Konzert vom Schwabinggrad-Ballet, wo ich erst dachte, au, lustig schrille Selbstentblößung mit menschlichem Augenzwinkern, dann wurde es besser bis teilweise richtig gut und als großer Ted Gaier Fan freue ich mich immer über den Anblick Ted Gaiers.
Jetzt tue ich zur Arbeitsstelle fahren. Der Zug wird hoffentlich leer sein, Deutschland gegen England.
Lied für aus dem Zug rauszukucken zwischen Saalfeld und Nürnberg, bei Sonnenschein
28.6.
Hey, Frank Rennicke kandidiert ja auch als Bundespräsident.
Das wäre ein Spaß.
29.6.
Uwe Lausen in der Villa Stuck: Ja!
(besonders 1962 – 1966)
U. Lausen hatte geraten, die Gruppe SPUR aus der Situationistischen Internationalen auszuschließen.
U. Stolterfoht im Literaturhaus München, heute 20 Uhr: Habe ich ein Glück!
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Heute morgen im Nordbad war unter der Dusche eine steinalte Frau mit erstaunlich, praktisch geisterhaft jugendlichen Brüsten, bei von mir ansonsten für normal gehaltenen, altersmäßig angepaßtem Bindegewebszustand. Der Busen war eher klein und nicht aufgefüllt, natürlich, ganz komisch. Dazu hatte sie ein schönes uraltes Gesicht mit hellrotem Mund. Ich muß von der nackten Frau so fasziniert gewesen sein, daß ich sie plötzlich anredete, bzw. hörte, wie ich sie anredete, damit sie etwas sage: Das wird bestimmt ein sehr heißer Tag, wo es jetzt bereits so heiß ist! Sie antwortete: Ja, am besten man macht alles in der Früh! — Das würde ich auch gern, ich brauche leider so lange, um wach zu werden. Aber naja (oder so). Dann verabschiedete ich mich.



























