Weiche Handewitt

28. September 2010

auf die Frage wie ich zum konzeptuellen Schreiben stünde,

(ich weiß ja gar nicht, was das ist. Heißt: man muß ja nicht an- und hinnehmen, was behauptet wird. W schrieb, damit hätte man viel in UK und USA zu tun und will es mit ihren Schülern – durchnehmen.)

Ich schreibe vor dem Hintergrund dessen, was ich bis jetzt gemacht habe. Je öfter ich gefragt werde, was ich mache oder Überlegungen von außen da mit reinnehmen soll, desto blöder wird es zu sagen. Warum wenn man etwas erklären soll die Sprache oft so häßlich zu werden droht, weiß ich auch nicht. Vielleicht Spreizdünkel.

Ich hatte gerade auch ein Gespräch darüber versucht zu führen, nicht genau darüber, aber in die Richtung und fand, daß es nicht geht, vor jedem der es meint einfordern zu können, Rechenschaft über sein Tun abzulegen. Es gab Zeiten, da war ich von dem grundsätzlichen Rechenschaft ablegen vor mir selbst 10 Jahre oder mehr so gequält, daß ich mir fast gar nichts erlaubt habe, außer dieser Quälerei.
Aber was für mich gilt, gilt nicht für andere.

Vielleicht sind auch alle Fälle Sonderfälle?           (glaube nicht).

auf englisch, noch schlimmer.
I wanted to ask if you could describe the nature of your writing work? Or maybe beyond that – maybe offer a few specifics about them? Unfortunately I can’t read German (yet), well enough to understand them.. but I can see from your CV that you wrote on other artists work, but that there were also contributions/interventions to certain projects, that were a bit more „experimental“ – and with your background in philosophy, maybe more philosophical than academic?

It doesn’t relate so heavily to this show at the ARF, as, as far as I know there will be no text works in it, but maybe my text. – I’d really like to establish how your writing and sculptural/painting practices can be linked. This question is mostly for my research. (…)

And one more question, (if there’s time) can you tell me a little bit about collaborating with Mario on this show? Did you have much communication or back and forth about what you’d show? (…)

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Mario and I haven t talked much about ideas for this show. There is no concept. He told me what he wants to show and I thought about the works I have at the storage in London and sorted out. Now it will be more or less a sitespecific decision, what to show and how and what will function good together by combining it. [we have to SEE it]

I don t know much about the nature of my writing work. Experimental more than academic, yes, I guess so. How it is linked to the sculptural or paintwork I don t know either. I refuse to have a technique, I am handicapped and just try and let come, let the materials react and decide, step after step.

When I begin to work I have no idea.

I like when what comes out feels strange and new to me, but also hitting a point, but I don t know which. – By writing this I don t feel sure.

Best wishes

M

(wie unfrei ich bin. auch etwas trutschig.)
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Ich kenne niemand, der sich conceptual writer nennt, sowas könnte man ja auch nur als Witz verstehen, oder? Wie frikassiert muß einer sein um von sich zu sagen, er sei das und das und so und so gehe das Konzept dazu. Das könnte vielleicht jemand ganz Junges machen, um da kurz einen kleinen Anker zu haben im Leben. – Ich könnte mir vorstellen, daß du Bram Pulver fragen kannst dazu, die hat so eine theoretische Seite (die mir aber irgendwie nicht gefällt, es ist immer wie unter Beweis stellen müssen, daß man bei aller (ausgestellten) Frei- und Wildheit natürlich nicht umnachtet ist. Es ist letztlich, wie ich mich anscheinend gerade hier hineinsteigern will, eine Bravheit, eigentlich unerträglich, ein Fleiß, eine Beflissenheit anzukommen, als klug zu gelten und es recht Vielen recht Recht zu machen. Andererseits nicht gut, zuviel auf Witzchen, Slapstick und Nonsens zu setzen, selbst wenn es gekonnt ist. Die jetzt regierende Lustigkeit ist ja leider eine harmlose, versöhnlerische, eingemeindende, conditio humana mäßig wir sind alles kleine Sünderlein. Es kommt den Mitläufern und Geschäftemachern sehr entgegen und gelegen, das, was kompliziert ist, alles, was sie nicht verstehen als Pathos verhöhnt und lächerlich gemacht zu sehen.

ich will hier eigentlich nur, daß ein Beitrag entsteht, der so gut ist, gut genug, daß ich ihn mit ausreichend gutem Gefühl hinstellen kann, der aus sich irgendeinen Grund ergibt, den ich nicht bis ins Letzte verstehen muß. Mehr Rechenschaft abzulegen ist nicht nötig, im Unterschied zu Lehrinhalt, vielleicht

auch meine ich den Unterschied verteidigen zu müssen. Daß es reichen muß, wenn der entscheidet wie etwas sein soll, der es zu verantworten hat, auch unbegründet. Und er nicht gezwungen werden soll, alles zu — verbalisieren, wo er es eigentlich nicht kann. Denn ich bin ja leider auch ein ganz liebes Mädchen und sage vielleicht nicht: ich weiß es nicht zu sagen und will es auch nicht, was ungefähr der Wahrheit entspräche, sondern breche vielleicht ein und fange einen Stuß zu reden an, wenn ich mich erklären soll, vor mehreren oder, ganz schlimm, vor Höhergestellten.

[5 in der mündlichen Prüfung in Deutsch. Das vergesse ich nie. In der schriftlichen auch.]

I-robot1.jpg       ritter.jpg     Foto: Ritter

30.9.10

schwer, schlechte Texte stehen zu lassen.

Ungelungenheit in Kauf nehmen.

Befreiungsarmee.

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Beim Lesen einer Ausgabe von Kultur im Heim, DDR 1986, weitergelacht über meine Wohnung.

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Zur Ebay-Verkäuferin Schnucki aus Ketzin habe ich Vertrauen.
She closes the distance between the work of art and how we talk about it.
Was will man mehr.

Kirche der Heiligen der letzten Tage

23. September 2010

Nachdem ich mich so beeilt hatte die 8 Kilometer zur Schaubühne zu fahren, fiel Dath („Deutschland macht dicht“) aus, Deutschland verreckte.

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Weiter unten am Kurfürstendamm zeitgleich Pause in „Die Perle Anna“ mit Anita Kupsch und „Die Hochzeitsreise“ mit Herbert Hermann im Theater bzw. Komödie am Kurfürstendamm. Herbert Herrmann, dem der Durchbruch mit „Fleisch“ gelang, heißt im wirklichen Leben Günther Waran. Er gewann 1977 den Bravo Otto in der Kategorie und wird nächstes Jahr 70 Jahre alt. Anita Kupsch ist bereits am 18.5.2010 70 geworden, bekannt als in Dr. Pfitzmann verliebte Arzthelferin Gabi Köhler aus der Schöneberger Praxis Bülowbogen (1987 – 1996).

Ich kann sie irgendwie gut leiden.

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Das sehenswerte Pausenpublikum traute ich mich nicht zu fotografieren und schämte mich zu denken, daß die 50 bis 60jährigen Freundinnen, bevor sie abends zum 70jährigen Herbert Herrmann gehen, nachmittags einen Friseurtermin wahrnehmen, sich die Haare toupieren lassen, sich eine Glitzerstola umhängen und spitze hohe Schuhe anziehen. Aber warum? diese Tatsache, die ganze Situation hier, inbegriffen mir, die Worte in der Umgebung, die alten Werbekästen – alles fantastisch gut, wenn man so will zugleich natürlich furchtbar, schwer, also sehr, erhaltenswert. Darüber zerrinnt einem das Leben zwischen den Fingern.

(womit soll man sich aufhalten, womit nicht?)inflatable.JPG.jpg

Dann sind die Leute wieder reingegangen.

Gegenüber der Schwestern-Theater ist das Hotel California. Unten ein BREE-Laden. Wenn ich eine Tasche sehe auf der BREE steht, muß ich das Wort sofort aussprechen: BREE. Das rührt von einem Katz u. Goldt Comic, wo einer einen Rucksack von BREE hat. BREE. Dann Gourmet-Coffee Caras, gut besucht ein Restaurant-Café Petrocelli, Maredo im Bristol.
Da sitzense.

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Zwischen Theater und Komödie am Kurfürstendamm ist ein Karl Lagerfeld Geschäft und ein Kaisers. Über dem Namen Lagerfeld steht Q-Damm 208, auf der Glastür nochmal und: Schuhe von Fratelli und Rosetti. (komisch doch, daß eine Firma die z.B. Bruno Banani heißt und hauptsächlich Unterwäsche führt überhaupt irgendeinen Umsatz macht. – Die Leute sind vor nichts fies.)

Die Wellensittiche Franz und Hansi. Der Papagei von Steiff hat keinen Namen.
Vorschlag: Ingo.

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Das Haus der CDU am Wittenbergplatz ist schön.

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Die halbesoterischen Veranstaltungen in der Urania, lebensweltlich orientiert.

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Aus der Urania heraus kamen meistens ältere einzelne Frauen oder Frauen in kleinen Gruppen, die alle eine große rosa Rose mit dickem Kopf und langem Stiel in der Hand trugen. Sie waren wahrscheinlich bei „Der erfahrbare Atem wird 100“, Festveranstaltung zu Ehren von Prof. Ilse Middendorf gewesen. Drei von ihnen, in hellen Steppjacken und Halstüchern, beeilten sich die Kreuzung Kleiststraße zu überqueren und waren eigentlich trotz ihres fortgeschrittenen Alters recht flott, aber die Grünphase so kurz, daß es eine richtige Unverschämtheit von den Verkehrsplanern ist. Ich empörte mich als engagierte Mitbürgerin, daß sie gezwungen wurden mit ängstlichen Gesichtern ihre klapperigen Knochen da rüber zu retten und die dicken dummen Landrover ihnen fast in die Kniekehlen fuhren, wollte mich solidarisieren und etwa sagen: wer soll das denn schaffen? – aber sie waren gar nicht ansprechbar, ganz konsterniert starrten und schwiegen sie und beschwerten sich auch nicht untereinander, sondern suchten wahrscheinlich die Schuld allein bei sich selbst, jede für sich. Entschuldigung, es stimmt, wir sind alte Frauen und haben hier eigentlich aus mehreren Gründen seit Jahren nichts mehr verloren. Sind ungeil im Anblick, verursachen nur noch Kosten und behindern auch noch die Abläufe in eurem Brutalo-Verkehr.

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Dann kam die Kirche der Heiligen der letzten Tage, gegenüber die nordischen Botschaften, ist das die Mun- oder Moon-Sekte, Moonies, Munies, nein es sind Mormonen, die auch die großangelegte Family-Search.org Datenbank betreiben. „Pfahl Berlin“ stand auf dem Schild, dann Hofjägerstraße dann plötzlich querfeldein rumpelpumpel in den dunklen Tiergarten abgebogen, vor Bellevue die einsam patrollierenden Polizeibeamten, gut. Daß da der Wulff jetzt drin sein soll, aber schon den Köhler konnte ich mir nicht vorstellen, egal, keine Zeit, die Sonne lacht, man kann sich nicht beschweren über Berlin, es wird eine Menge geboten, die Infrastruktur ist da, Material zu Hauf. Die Probleme liegen woanders.

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  1. admin

    Ich fahre jetzt zu einem Drillingsvater im sogenannten Soldiner Kiez, der im Ubuntu-User-Forum Berlin als Supporter aufgeführt ist, es aber eigentlich nicht mehr macht, weil er jetzt Drillingsvater ist und als Portrait einen Grizzly-Bären hat. Ich habe schon Angst. Er soll mein Tagebuch vom Sommer retten. (Von Mitte Juni bis 20. September ist alles weg.) Er könne mir allerdings nicht viel Hoffnung machen und sei kein professioneller Datenretter. Mir ist schlecht. Gestern war ich erst am Teufelssee und dann auf dem Glockenturm im Olympia-Gelände. Sehr empfehlenswert.
    Erst war noch eine Reisegruppe oben, die so sprachen wie wenn Harald Schmidt seinen Heimat-Dialekt nachmacht, Esslingen, Nürtingen oder so, ganz ganz schlimm, sie sagten 300 Mal hintereinander: Desch iss die Siemensstadt do hinte, ned? isch des d Siemensstadt? jo, desch is d Siemensstadt do hinte, müßt d Siemensstadt sei? isch es des do, d Siemensstadt? ich dachte nur: haut endlich ab ihr Schweine. Dann hauten sie ab und es kam niemand mehr. Es war sehr schön alleine dort oben. Der Aufzug fährt so schnell hoch, daß man lacht. (Diese Nazis, krass.)

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Abends Zeughaus-Kino vollbesetzt, Beginn der Suffragetten-Filme, nettes Publikum, sehr sympathische Einführung, Filme ab 1901 glaube ich, Mütter der Klamotte, Nonstop Nonsens, Didi Hallervorden. Ich saß vorne neben dem Pianisten, der auch Schifferklavier und Querflöte spielte und dachte laufend: alle tot. Alles Tote. Die Kinder die 1904 in die Kamera lachen: alle alle tot, verwest.

Intolerance

18. September 2010

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(Ab einem bestimmten Alter sollte man sich nicht mehr herausreden können mit seiner Herkunft, habe ich schon mal gehört, hätte man ja längst aufholen können, man war ja schließlich auch auf der höheren Schule und kennt auch reiche Menschen usw. Ich glaube, daß die Grundeinstellungen so grundsätzlich anders sind, daß gar nichts aufgeholt werden kann, sondern man einfach auf ein ganz anderes Gleis gesetzt ist. Man muß sich alles irgendwie übersetzen, weiß aber nie ganz, ob es stimmt und hinkommt.)

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  1. admin

    Ich habe mich nicht zu Rumbalotte hingetraut, nahm an es sei voll und eng und war nur bei der Intoleranz-Eröffnung in der Neuen Nationalgalerie, da war es schön dunkel, und dann auf halbem Weg zur Metzer Straße zu den vielen blauen Lichtern abgebogen. Am Alexanderplatz war ein großer Einsatz. Die Polizisten sahen aus wie 20, 25. Es war kalt auf dem Fahrrad und die Freitagnachtstimmung machte mich traurig und immer sinnloser. Dann kaufte ich im Rewe Invalidenstraße ein Pizzar, buk ihm zu Hause braun, aß ihn im Ganzen auf und schlief sofort ein.

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unten

Im Flur

20.9.10

Das mit dem Kaffeetrinken und erzählen stammt wahrscheinlich aus der Zeit, als die Ossis noch kein Telefon hatten, jeder einfach vorbeikam, mit Ahoi an die Tür gekloppt hat und vertrauensselig eingelassen wurde. überhaupt Türen offen waren.

Heute

[Stichwort Ökonomisierung aller Lebensbereiche (muß man auch erstmal blicken, was damit gemeint ist, wenn das Geld…, das Geld)]

zuckt man schon zusammen,

wenn nur das Telefon schellt.

Könnte ja Stire Oberlin, Sloon Howenstine, Yacoub Pante, Eberhard Wieneke oder Zeldin Spannbauer dran sein.

(Im Kapitalismus wollen alle Liebe? Ich nicht, ich will Geld.

Liebe habe ich doch selbst.)

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21.9.10

wolfdietrichschnurre

fuckingklausschulze

Quelle

16. September 2010

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Gestern war ich zufällig in der Landesvertretung Niedersachsen beim Bund, Reden auf den mir nahezu unbekannten 70jährigen Künstler Giselher Schmidt anhören. Alles interessant, Ort, Abläufe, Rahmenhandlungen, der Anblick z.B. von feinen älteren Herrschaften in festlicher Kleidung, die trotzdem total knüsselig wirken usw. Jetzt kam schon eine blonde Frau zum Rednerpult heran, Staatssekretärin in gut sitzendem Kostüm, eher jung, begrüßt zuerst die Bundes- und Landtagsabgeordneten und gießt dann in freier Rede einen begeisterten, ferngesteuerten Sermon aus über die schöne Kunst als Intervention hier im Foyer der Landesvertretung und über die wunderbare Beglückung, die sie und die Kollegen empfunden hätten, jeden Morgen von diesem Skulpturenensemble begrüßt zu werden und anregende Gespräche darüber zu führen, und man sieht und hört sofort, daß diese Frau mit der Materie natürlich nichts, aber auch gar nichts zu tun hat und das ist ja wiederum gar nichts Besonderes oder Seltenes, sondern eher der quälende, schwer auszuhaltende Normalfall. – Ein Mann mit komisch schiefer halblanger Frisur kam von hinten und setzte sich in eine der vorderen Reihen; ich habe mir kurz heiß gewünscht, daß das ein Verrückter sei, der es nicht mehr aushält, es nicht mehr hinnehmen kann und eingreifen muß, die Kunst den Klauen der Widerrechtlichen entreißen muß.

Das hatte ich schon irgendwie eleganter im Kopf formuliert: Die Funktionsträger liefern verläßlich den Rahmen und garantieren durch eine automatisierte Verharmlosungs-, Einlullungs-, Einbettungstechnik, Freuen, Danken, Loben, Bonmot, daß innerhalb dieses Rahmens dann alles stattfinden kann, was Kunst genannt wird und selbst sein kann, was und wie es will, es bleibt garantiert absolut folgenlos.

Wir freuen uns so und sagen Dank, daß der Künstler uns mit seinem besonderen Blick auf die Welt bereichert, Dinge, die uns gar nicht mehr auffallen hinterfragt und sichtbar macht, – das was sie ungefähr immer sagen. Paßt auf alles, auch auf Literaten und Lyriker. Es kamen noch zwei andere Redner und dann der Hauptredner, eine Art Spezi vom Schmidt, schätze ich, der wollte es anders machen und wirklich was sagen und bringen und sagte dann so anthroposophisches Zeug, aber so vage, daß sich wahrscheinlich auch keiner irgendwie ernsthaft Sorgen machte, daß er gemeint sein könnte und speziell er irgendwas in Zukunft tun müßte oder fortan nicht mehr tun könnte.

Es war ein leicht unsicherer, sanfter Mann, ich hatte ihn gleich gern, hörte ihm auch gerne zu, plötzlich kippte was und ich hatte die Vorstellung, diese sanfte, liebe, an die Menschlichkeit der Menschheit appellierende Rede nähme niemals mehr ein Ende. Eutokraten oder Eukokraten, Eurokokken sollen alle werden. Ich habe das Wort nicht verstanden, Entschuldigung. In sich Kreativität, Askese und noch ein Drittes vereinigen, was ich ebenso vergessen habe, also so ähnlich wie die Kinder. So sollte man sein. Als Kinder wären wir noch so und so gewesen, offen und neugierig, hätten doch immer gefragt, warum? wieso? leider ginge es verloren. Laßt uns das bitte erhalten alle miteinander. – Na klar, kein Thema.

Nachher saßen wir dem Bundesfamilienministerium gegenüber vor einer Wein-Stube, ich meinte so sexuelle Status-Checker-Stimmung unter mittelalten Bessergestellten wahrzunehmen und wurde innerlich renitent, so blieben wir draußen auf einer Bank, es war dort kalt. Man merkte es aber erst beim Aufstehen, da war ich bereits steif wie ein Kerf.

Auf dem Weg nach Hause kam ich an dem Kiosk in der Chausseestraße vorbei, wo ich gerne halte weil da ein Kölscher bedient. Aber der war jetzt schon mehrere Male nicht da. Hoffentlich ist er nicht krank. Ich höre ab und zu ganz gern ein paar Worte warmes Rheinländisch.

MILF

11. September 2010

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Die Arbeits-Unterlage ist das Leintuch von der Auer Dult, aus der alten Mangel.
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Aufgabe: Es sollen aus einer von Kleinmut, Desorientiertheit und schlechter Selbstbehandlung gezeichneten Situation in letzter Minute Skulpturen gemacht werden und zwar natürlich gute, welche, die man gerne abgibt. Man muß immer was irgendwie Gutes hinkriegen, aber hierfür muß es nochmal besonders gut sein, dachte ich, ach Gott, die ganzen Namen.

Und dann machte ich es in der Nacht von Montag auf Dienstag, eher morgens zwischen 3 und 5 und dachte nicht, daß da irgendwas Brauchbares rauskommt. Aber ich hatte Glück. Und Dienstag machte ich die Endfertigung und ließ nochmal trocknen über Nacht.

Mittwoch morgen war ich richtig zufrieden, fotografierte und verpackte sie und brachte sie weg

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zur Abholung zur Galerie Spagorski für die Weiterfahrt nach Brüssel und schaute vor lauter guter Laune noch dort die Ausstellung an, bereit zu einem milden Urteil. Da war aber nur Interieur, nicht mehr. Vom Inhalt her etwas leer.

Etwas Gutes aus der Hand geben zu können zum Zeitpunkt da es fertig ist: Alle Sorgen fallen ab und stattdessen ein Gefühl, ungefähr, was man bei der Verkündigung von Hitzefrei hatte vor einer Doppelstunde Mathe. Fällt aus! Fällt aus! frei!
Ich fuhr herum und praktisch Jeder Anblick gefiel mir nun, vieles außerordentlich gut. Da kommt z.B. so ein rätselhafter Bogen:

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und dahinter ein verwilderter Innenhof in der Hand von Millionen kleiner Vögel.

Das ist wohl eine Art Studentenheim, stand jedenfalls an einer Türe dran.

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Und dann kommt ein blau eingezäuntes Areal, da wächst irgendwie … nachwachsender Rohstoff und es gibt eine Brücke. Ein kleiner Mann im braunen Anzug geht eilig an mir vorbei. Ich sage so dahin: Ich frage mich, was das ist, die Anlage hier, wissen Sie das? – Der Mann dreht sich um, schaut ängstlich und sagt: Ich weiß nicht.

Klingt osteuropäisch („habe nichts gemacht“) und ich: ah Danke! Da lacht er und scheint beruhigt. Er darf hier gehen. Ich bin anscheinend keine Hausmeisterin oder noch was Schlimmeres.
Aus der Anlage heraus Mülltonnen, und weitere Späße

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auf einmal riecht es unverkennbar nach Penatencreme, hier ist eine Kindertagesstätte namens „Traumbaum“, alles stimmt, dann weiter zu diesem gutartigen Haus.

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sieht auch gut aus und interessiert mich sehr. Ich betrachte die Plakate
Dann links einen Weg hinein, ah Hopfen, Hopfenzeit und Schmetterlingsflieder, herrlich.

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Beim Anhalterbahnhof bzw. Tempodrom kommt man raus. Zwei Jagdhunde bekommen Auslauf. Es ist vollkommen klar, denke ich voller Wohlwollen, daß diese Hunde, so wie sie gebaut sind, wenigstens einmal am Tag richtig rennen müssen. Ich entnehme es ihren Gliedmaßen und wie die Muskeln glänzen und nicke. Recht so. Lauft, Hunde. Es kommen Kinder aus der Schule, bzw. vielleicht sind sie auch unterwegs auf einem Ausflug, ich erkenne Aufsichtspersonen. Ein Lehrer (vermutlich) mit Pferdeschwanz geht neben einem asiatisch aussehenden Mädchen im rosa Anorak. Ob das Mädchen beliebt ist? ich sorge mich ein wenig. Die Kinder die unbeliebt sind machen sich durch ihre unheilvolle Nähe zu den Lehrern noch unbeliebter.

Umberto Tozzi tritt im Tempodrom auf, sein Programm heißt „Superstar“. Irre.

Im Aldi trägt später ein Mann, der einen weißen Motorradhelm auf dem Kopf hat, eine ganze Palette Sahne-Kefir zur Kasse. Fantastisch.

Duldungsstarre

6. September 2010

Klasse, Ordnung, Art, natürliche Schönheit

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ich dachte über die Massen der Jungberliner irgendwie auch nichts Neues. Sie wirken und sehen so aus, wie sie wahrscheinlich überhaupt nicht aussehen und wirken wollen, wie die unkonventionellen jungen Leute in der Werbung für junge konventionelle Leute, denen z.B. eine Versicherung angedreht werden soll. In ihrem Drang nach Individualismus ergeben sie einen einzigen Brei. Aber vielleicht wollen sie diesen Brei auch mehr ergeben und sich in diesem Brei ergehen, als sie selber sagen und wissen.

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Am Sonntag war im Mauerpark eine beträchtliche Anzahl zusammengekommen und ich wußte erst nicht, was sie so laut beschrien und beklatschten, das Aufgeführte selbst war nicht zu sehen und viel leiser, als sie selber, die Bühne ebenerdig, während sie am Hang saßen und den Eindruck machten, als könnte nichts schöner sein als eng zusammen in einer Riesenhorde wie aus einer Kehle einig, einträchtig einen der ihren hochleben zu lassen, der sich zum Karaoke gemeldet hatte und dann etwa Aint no sunshine when she s gone oder We are the world sang. Da man an diesem herrlichen Frühherbsttag mindestens soviel amerikanisches Englisch wie Deutsch hörte, die Leute an Maiskolben herumfraßen, jonglierten und sich gegenseitig selig die Haare flochten, wähnte ich mich in einer Art Jesus-People Camp im mittleren Westen, gefangen in einer wahnsinnigen Bereitschaft zur Eingliederung, unbedingt ein funktionierendes Teil der Schöpfung zu sein und zwar sicherheitshalber hier unter den Vielen als Ausweis, selbst nicht ganz falsch sein zu können.

Ich dachte dauernd nur ich fasses ned und stolperte über die Jesus-Freak Wiese wie ein vertrockneter Satanist mit Rückenschmerzen, der nichts auszurichten hat. Der lautlose Übergang von noch nicht bis nicht mehr. | Komisch komisch dachte er, da waren ihm auch schon alle | die Zähne ausgefalle. Man würde sich nicht wundern, wenn gleich der Guido da mit seinem Freund auftaucht oder der Guttenberg mit seiner Frau weiter hinten am Techno-Stand paar Takte tanzt und dann lachend abwinkt. Die Sonne stand so schräg, daß die Leute die tollsten Fratzen schnitten wenn sie dort hineinsahen. Das war das einzig Gute.

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Ich kaufte bei einem verbrecherischen Ausländer einen versilberten und schön angelaufenen Pokal für eine neue Hand, auf dem eingraviert steht:

Bester Vogel 1973

07195-71-754

Err. E. Obst

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und zwei Ausgaben von Das Magazin von 1976 mit Kurzgeschichten und typischer DDR-Erotik. Die laszive Darstellung von halbnackten Mädchen und jungen Frauen soll natürlich, beiläufig und selbstverständlich wirken, als sei gar nichts inszeniert, sondern die Abbildung so normal wie Rezepte für den Römertopf und der Bericht über die Singegruppe. Frei, gesund und selbstbestimmt, unaufdringlich und ohne Hochmut zeigt sich das Mädchen. Natürlich schön liegt Nadine verträumt mit freiem Oberkörper und den kleinen Himbeeren im Wald, weil es im Sozialismus ganz natürlich ist und natürlich keine Wichsvorlage.

Am Kamerun-Stück lassen sie kein gutes Haar und ich glaube alles.

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  1. admin
    Am 7. September 2010 um 13:31 Uhr |
    von 3 bis 6 ist nicht die beste Arbeitszeit. Ich habe mich angestellt wie der erste Mensch. Jetzt hätte ich gerne einen Film davon. Wie ich da hockte dachte ich immer: warum? warum? und dann: ZUM STEINERWEICHEN. Ich konnte nicht Herr werden über die Materie, überall hatte ich mich schon beschmiert, nur noch nicht im Mund und konnte mit dem Mundschutz auf und keine Hand frei das Klebeband nicht abkriegen. Mit glitschigen Händen in Handschuhen und glitschige Handschuhen, mit einer Hand hielt ich den Gießling fest und wollte ihn ans Tischbein binden, nachdem er im Eimer nicht gehalten hat und dann später nicht am Wasserhahn und nirgendwo! ein Handschuh voll mit flüssigem Harz, der schon übergelaufen war, das Klebeband ja auch gar nicht auf ihm hielt, d.h. man mußte es so hinkriegen, daß das Klebeband auf einer Schicht Klebeband zu kleben kam, wickeln und überlisten, keine Ahnung, oben reingesteckt der Vogelpokal, der mit festgehalten werden mußte. schließlich riß ich mir den Mundschutz ab und nahm die Zähne. Ich wußte nicht, wieviel Zeit schon vergangen war, aber die Chemie des Harzes sollte langsam mal das reagieren anfangen, mal aus dem Kram kommen, in die Pötte, nach 30 – 40 Minuten müßte es jedenfalls wärmer werden und verdicken, es blieb aber kalt und dünnflüssig. dabei hatte ich das Mischungsverhältnis genau ausgerechnet. Etwa wie der Pauli oder Dirk Hodl. Auf 100 Gramm Epoxidharz kommen 55 Gramm Härter, wieviel kommen dann auf 500? ich schrieb es lieber auf, in 5 Schritten. 100 bis 500 = 5
    200, 110
    300, 165
    400, schwer, 220
    500 hatte ich mich erst verrechnet, 285. 275.
    Dann addierte ich 500 + 275 gleich ungefähr 800. Dann schüttete ich es zusammen in den Meßbecher knapp unter der Markierung 800, dann schüttelte ich es, damit es sich verbindet. In der Zwischenzeit rieb ich Formen mit Formentrennmittel ein, das ist eine rosa Flüssigkeit. Zu Hause hatte ich schon vorgefertigte Kleinformen aus Plastilin hergestellt, sehr unehrgeizige, dann mit dunkelblauem BMW Ausbesserungs-Lack gestrichen oder in Seidenmalfarbe getränkt. Ich habe viele Farben die ich selbst nie kaufen würde aus der Sammlung meines Bruders überlassen gekriegt, die als Sondermüll am Schadstoffmobil abgegeben wurden, nachdem sie wer weiß wie lange in den Haushalten und Garagen der Mitbürger gelagert haben, sicher teilweise 30, 40 Jahre. Manches stinkt so krass, man wundert sich, daß das überhaupt mal zugelassen war. Carboleum z.B. Bzw. heißt es laut Wikipedia Carbolineum. „Carbolineum (auch Karbolineum) ist ein öliges, wasserunlösliches, brennbares, braunrotes, nach Teer riechendes Gemisch aus Steinkohlenteer-Bestandteilen. Es enthält u. a. Anthracen und Phenole. Wegen seiner fäulnishemmenden und desinfizierenden Wirkung wird Carbolineum zur Konservierung von Bahnschwellen, Telegrafenmasten, Pfählen usw. verwendet.[1] Carbolineum ist stark hautreizend und bei längerer Einwirkung krebserregend. Die Dämpfe reizen die Atemwege. Es gibt kein Holzschutzmittel, das die Schutzwirkung von Karbolineum annähernd erreicht.“ Ich habe gelacht, als ich gelesen habe, daß Houellebecq bei Wikipedia abgeschrieben und es nicht kenntlich gemacht hat. Das ist so ein lustiger Vorwurf. Heimlich bei Wikipedia abgeschrieben, als wäre es das Feinste. Es hat auch eine super Wirkung, wenn der Festredner in seiner sehr ausgefeilten, feinen und stilsicheren Festrede bei der Verleihung des hochpreisigsten Lyrikpreises in herrschaftlichem Ambiente vor der Literaturnobelpreisträgerin, der Verlegerin, Ministern, Kaisern usw. mehrfach aus Wikipedia zitiert. „Ich zitiere Wikipedia:“ Und zwar auch noch irgendeinen Allerweltsschmarrn, das weiß ich aber nicht mehr genau, vielleicht ist es Wunschdenken. Vielleicht war es so auch gar nicht gemeint. So war das. Ist mir das schöne Lob doch so unheimlich, daß ich es gleich zurückgeben muß? –   Ich drücke mich einfach davor nachsehen zu gehen, ob das von heute Nacht was geworden ist. Deshalb lalle ich hier noch was herum und kann mir kaum vorstellen, daß es was geworden ist, daß es überhaupt irgendwie HART geworden ist. Aber ich hoffe es doch, und zwar sehr sehr! stark! Der Galerist darf es auch nicht lesen. Ich entschuldige mich beim Galeristen, aber ich konnte nichts dafür. Das lange bestellte Harz kam erst gestern nachmittag. Es war bereits Freitag damit gerechnet worden. Ich habe auch noch ein paar gute Sachen auf Lager, wenn alle Stricke reizzen.Der Hermes-Bote der es brachte war ein echter Götterbote. Sicher über 60 mit schlotternden dünnen Beinen und langen dünnen Haaren. Er konnte gar nicht mehr sprechen, als er oben war. Jedesmal sage ich, es täte mir leid, daß ich hier oben wohne und gebe ca. 2 Euro mit den Worten: Hier, für Ihre Mühe. Und jedesmal denke ich, es klänge herablassend, irgendwie blöd. Aber vielleicht ist es auch nur die Situation, weil der Ausgeruhte dem Keuchenden gegenübersteht, der da mit Scanner und Zaubertafel wo man unterschreiben muß hantiert und ich da stehe mit meinem Geldstück. Aber besser 2 Euro als ohne alles da hochklettern, oder? Egal, welchen Spruch die Alte bringt. Die 2 Euro summieren sich auch ganz schön.Hier, haste

    Kauf dir ein Eis, Püppilein.

Die Tristheit der Schmunzelkunst

31. August 2010
  1. admin
    Ich hätte so gerne jemand zum schimpfen. Mit denen ich schimpfen könnte wissen nicht, worum es geht, bzw. sind an der Materie nicht so interessiert. Da macht es keinen Spaß.
  2. zwanzig
    materie jetzt als ruhemasse oder material oder arkanwissen? interessiere mich für diese konzepte und kriterien nur. schimpfe am liebsten allein und gar nicht zum spass. bestes ausser höhle.
  3. admin
    Mit Spaß meine ich daß ein anderer versteht, wovon die Rede ist, so daß man weiter kann.
  4. admin
    Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in im Bundesinstitut für Risikobewertung, Berlin
    – Entgeltgruppe 13 TVöD –
  5. zwanzig
    Der Pitch: Professionelle Vorbereitung und Erfolgsfaktoren – Seminar
    München, Akademie des Deutschen Buchhandels?
  6. admin
    Nein, nein. Es müßte auf einen Schlag keiner mehr an so etwas teilnehmen. Keiner geht da mehr hin. Das Erfolgstraining fällt aus, heute und für immer.
  7. zwanzig
    “Der Erfolg von Schuften lockt noch mehr Schufte an.” der Phaeder
  8. admin
    Der Fatzke Raddatz.

    [die Fatzkenhaftigkeit ist nicht so schlimm, es liest sich einfach nicht gut. Man begreift zu schnell das Elend. Das, was diese Leute beklagen – Kaiser, was tun wir uns da nur dauernd gegenseitig an!? – gibt es ja nur, weil sie es betreiben. So ist es mit allem Geschisse.]

  9. admin
    auch toll http://www.newyorksocialdiary.com/node/4184

    plötzlich denkt man: eigentlich sind alle Menschen häßlich.
    (Oder die, die sich so fotografieren lassen?)

    (ich hatte nachsehen wollen, was der KARSTADT-Retter für einer sei, ob er den Karstadt verhunzen will.)
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    Jetzt stehen wieder alle überall rum und fragen sich, was sie so machen und dann erzählen sie es sich. Und denken, oh nee, der schon wieder, die schon wieder.  “Party” ist, wenn man nicht weiß, wo man hinschauen soll. (und sich dafür geniert)

  10. Bebbs
    habe vor kurzem noch gedacht, daß ich gern mal wieder mit dir schimpfen würde. Aber am liebsten von angesicht zu angesicht.
    Hier bei uns im Westen schimpft keiner und daher muß ich all das Geschimpfe mit meinem Partner ausmachen, wir fühlen uns schon ganz vertrocknet weil wir an nichts ein gutes Haar lassen. Aber irgendeiner muß es ja machen, Gleichgewicht muß hergestellt werden.
  11. admin
    Ihr müßt mal kommen, du und dein Partner, Bebbs. Oder das Geschimpfe auch mal zu Papier bringen, würde ich gerne lesen. Oft ist es so, daß Viele Ähnliches beklagen, es aber irgendwie nichts nützt, nicht umgesetzt wird, oder nicht umgesetzt werden kann. (oder: Viele begreifen den gesellschaftlichen Anlaß des Zusammenkommens anläßlich einer Ausstellung o.ä. vielleicht viel mehr als ich als Teil des Jobs und es geht eigentlich weniger darum, sich eine gute Zeit zu machen, was Lustiges zu erleben, Einschätzungen zu hören von denen, die einen interessieren usw., sondern darum, eine gute Figur abzugeben, mit Haltung, abwehrbereit, gelenkt von Geschäftsinteressen möglichst wach einen Abend zu absolvieren. Wobei das “gute Zeit machen” aber zumindest imitiert wird und vielleicht dann auch umkippt in echte Freude, bzw. wer kann das noch unterscheiden. Die Handelnden vielleicht am wenigsten. – Das Grundproblem erscheint mir so: man kann nicht mit allen befreundet sein, möchte aber niemand vorsätzlich beleidigen, wie man selbst auch nicht von irgendwem vorsätzlich beleidigt werden will. Dafür muß man Formen finden. – Man braucht aber ganz sicher nicht Leute, die man verachtet mit einer Herzlichkeit anstrahlen, die dem Zuschauer die Füße weghaut. Perfidisten-Wettbewerbe.)

    Ich könnte nicht sagen, wie ich mir das ideale gesellschaftliche Leben wünsche. Wahrscheinlich ist es bereits ideal. Ich möchte da für immer von außen draufsehen. Stell dir vor, man hätte tatsächlich gesellschaftliche Repräsentationsaufgaben als Teil einer Dynastie, oder einer Familie von kleinem Industrieadel, Strick- und Wirkwaren und bekäme Einladungen von anderen solcher Familien und müßte dann zu Verlobungen und Taufen gehen, (fliegen), Patentante werden von dem Kind der Familie Alno und Allmilmö, Kiri, Scheibletten, Mitglied von Vereinigungen, Interessenverbänden, Clubs. Dann würde man sich mit seinem Partner darüber stundenlang zanken, was man zu- oder absagt und wie die Absagen formuliert werden müssen, um keinen zu verärgern. Das wäre ein Leben!

    (jetzt muß ich mal los)

  12. Bebbs
    Die regelmäßigen gesellschaftlichen Zusammenkünfte sind ja eigentlich potentiell etwas sehr schönes. Eigentlich könnte dadurch unser Beruf vervollkommnet werden zu dem perfekten, dem schönsten Beruf auf Erden.

    Nur leider hab ich immer mehr das Gefühl, daß sich inhaltlich und formal das Ganze nicht wesentlich unterscheidet von einem Zusammentreffen jeglicher anderer “Branche”, Betriebsfeier o.ä.. Ich erwarte nicht, daß es inhaltlich zur Sache geht (obwohl das ruhig auch mal passieren dürfte), vielmehr sollte alles in seinem Ablauf viel offener sein.

    Ich habe wohl die romantische Vorstellung vom Künstler als einem in jeder Hinsicht kreativen Menschen im Kopf, also einem Wesen, das ob aus purer Lust oder einem inneren Drang oder warum auch immer in ALLES gestalterisch eingreift und sein Leben, seine Umgebung usw zumindest mitbestimmt. Und natürlich gleichzeitig auch immerfort alles hinterfragt. Davon ist natürlich nichts zu sehen auf weiter Flur. Überall Einverstanden- und Zufriedensein mit dem Vorgefundenen, auf jeder Ebene. Wenns hoch kommt begegnet man dem gelebten Klischee, was dann als Gegenmodell herhalten muß.

    oh jetzt muß ich auch los. laters!

  13. admin
    Ich glaube, die Vorstellung teilen gar nicht so wenige und glauben es auch ähnlich zu machen, wo man ihnen die “Freiräume läßt”, aber mit denen hat man ja noch lange nicht gern zu tun. Die im Mauerpark unterschreiben es sicher. Und am Tisch des Verteilers verhalten die sich dann auch nochmal anders als zu Hause bei sich oder dir gegenüber.
  14. Bebbs
    Mauerpark, das sagt mir gar nichts?!
  15. admin
    ned?

    http://www.mauerpark.info/

  16. admin
    Sarrazin bei Stuckrad-Barre Testsendung ZDF neo Juni 2010

Maden in der FAZ-Skulptur

23. August 2010

On 23.08.2010 13:40, lucie stahl wrote:

hey michaela,
wir haben schon ein paarmal versucht, dich anzurufen:
aus der einen kleinen skulptur krauchen nämlich maden… pfui. aber
auch ein bisschen lustig. die mit der zeitung und ich glaub da ist ein
hirschkäfer drin, und dann hast du noch ein paar löcher reingemacht,
damit die madeneier besser rankommen, haha.
siehe foto.
wir haben sie jetzt einfach rauskriechen lassen und wissen aber nicht
wie weiter – sag bescheid wenn ideen.

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bogensee umgebung.jpg  anka-stahlherm.jpg
weißt du noch Näheres, als wir damals Goebbels Landhaus besucht haben? erinnere dich bitte, ich weiß gar nichts mehr. weder wann, noch wer genau dabei war, noch wo her wir kamen, ich weiß nur noch, daß ich Angst hatte vor NVA-Schußanlagen im Wald.
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ich weiß auch nur noch, wie wir mit dem auto davor standen, und das es wie ein 60er-bungalow aussah. alles andere ist weg.
aber das mit den maden ist sehr gut

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gola.jpg    sei mal eben ruhig.jpeg

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maden in der Faz-Skulptur.jpg

Beim Karstadt in der Stoffabteilung

19. August 2010

Auf daß aber wir sie nicht ärgern, so gehe hin an das Meer und wirf die Angel, und den ersten Fisch, der herauffährt, den nimm; und wenn du seinen Mund auftust, wirst du einen Stater finden; den nimm und gib ihnen für mich und dich.

Ich quäle mich mit dem Gedanken, eine Beschwerde führen zu müssen über den Text von Catrin Lorch zur Städelschule, gestern in der SZ, 18.8.[2010], der enthusiastisch und voller Namensnennungen ist und die Hochrangigkeit der Schule mit der Hochrangigkeit der Lehrer als Persönlichkeiten und erfolgreiche Künstler erklärt und preist, womöglich zu Recht, die nicht nur marktmäßig abgesegnet, sondern auch rein künstlerisch wertvoll seien und in der Frauen, weder als Professorinnen noch als Absolventinnen oder Studentinnen, absichtlich oder unabsichtlich und man weiß nicht, was schlimmer ist, praktisch nicht vorkommen.

Ich weiß ebenfalls nicht, wieviele weibliche Studenten die Städelschule hat, wenn die Verteilung so ist, wie an anderen Kunstschulen sind es mehr als 50 Prozent. Ich erinnere mich an einen Text von Jutta, mindestens 20 Jahre alt, in dem steht, sinngemäß: es ist nicht so schlimm, den Namen einer Frau zu vergessen, schlimmer ist, daß man es nicht mal registriert. Seitdem scheint es nur noch bergab zu gehen. Und die jungen Frauen versuchen zu beherzigen, was sich ihnen vermittelt: sie sollen gut aussehen und von Siegen berichten, wenn überhaupt reden, reden ist gar nicht so gut. Sie schaden sich jedenfalls nur selbst, wenn sie jammern über Ungerechtigkeit und kleinlich bezichtigen, sie beweisen damit, das Spiel nicht ausreichend begriffen zu haben, (schlecht erzogen zu sein, die Puffregeln nicht zu beherrschen, den Vorstadtschimmel oder Arme-Leute-Geruch nicht loszuwerden) denn nur die dem Druck standhalten und Gemeinheit elegant parieren können, werden einst Lohn einfahren, die anderen bleiben auf der Strecke.
– Und: so ist es ja auch.

Wie müßte formuliert werden, daß Kritik nicht kleinlich und unsouverän wirkt, sondern großartig, strahlend schön und siegreich, wie die Vorboten der Herbstsaison 2010, die raffinierten Schnitte, diese aufregenden neuen Farben, wie?

Beschwerden scheinen den Beschwerdeführer zu schwächen, so habe auch ich es von meinen Lehrern gelernt, man läßt es lieber und hofft heimlich, es täte jemand anderes, die ausgewiesenen Feministen sollen es doch machen! und kommen praktisch nicht vor an Orten, wo es auffällig und deswegen wirklich wichtig wäre. (in der taz-, Jungleworld-, Freitagsprache usw. kommt es natürlich dauernd vor, aber in der Art eines, würde ich sagen, mechanisierten Feminismus, leer drehend und wirkungslos zur Sprachregelung geworden (ich meine nicht he/she oder das Binnen-I o.ä., sondern … moralische Muster, Erwartbarkeit, Starre, Technokratie), der außerhalb von der Klientel sowieso keinen erreicht. Vielleicht nicht mal innerhalb.

Ich habe Catrin Lorch einmal kennengelernt, im Herbst 2008 in Shangrila, dem sagenhaften Todeszoo hoch im Himalaya, und fand sie richtig super, wirklich, deswegen kann ich keine Absicht unterstellen. Es ist so rätselhaft, daß ihr entgangen sein könnte, daß der Text nahelegt, daß der –  erfolgreichere sowieso, aber auch der irgendwie richtigere Künstler, der wahre Künstler, immer noch und immer wieder und auch in Zukunft selbstverständlich ein Mann ist. Auch die scheinbar aufgeklärten, neoliberalismusfeindlichen und herrschaftskritischsten Frauen der Jahrgänge um 1987 blicken verklärt den Herrn Professor an, fürchten ihn und nennen erstmal 20 männliche Künstler, bevor ihnen ein weiblicher einfällt und sie sollen es ja auch nicht lernen und aus Nettigkeit etwas aufsagen, was sie gar nicht empfinden. Jedenfalls scheint da was so tief und fest zu sitzen, daß es von den theoretischen Erklärmodellen, gender studies usw., überhaupt nicht erreicht wird und ich nicht weiß, mit welchem Operations-Besteck man da rankommen soll, um das mal hochholen und bei Licht besehen zu können. (Es bringt nichts so zu tun als wäre man weiter, als man wirklich ist.)

Lanrue unterschreibt mit Fantomas im Gästebuch der Versöhnungskapelle

16. August 2010

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