nichts nichts nichts

1. April 2011

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ICE Berengar Pfahl

27. März 2011

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Britta und Neues von Britta

Jerusalem, Jerusalem

Die Stimme von Verena Plangger

(ungefähr morgen wollte ich auch ein neues Leben anfangen)

Bei Leverkusen-Schlebusch stehen zwei Männer auf einem Acker nah der Strecke mit halb heruntergelassenen Hosen eng beisammen. Ich drehe mich um und tue einen Ausruf des Erstaunens. – Ah! (Wahrscheinlich habe ich auch noch hingezeigt mit offenem Mund: da!)

Wuppertal

Barmen

Schwelm

Hagen, Marianne Stitz.

Schon habe ich meinen ganzen Proviant aufgezehrt.

Halb eingeschlafen dem zugehört, was drei ältere Pädagoginnen im Ruheabteil bedachtsam in angenehmer Tonlage redeten. Alles gut und klug und doch spüre ich gleichzeitig den Zug es herabzuwürdigen. Warum klingt das rührend und realitätsfern was sie vorhaben. Das ist es doch gar nicht, sondern eigentlich das Realste vom Naheliegendsten, sozusagen Grundlage von allem und höchste Zeit es gesellschaftlich aufzuwerten. Nicht kitschig, lieb, weiblich bittend, das nützt nichts, sondern einfach männlich anordnen, mit Wert aufladen, Geld.

Erziehungs-, Heil- und Pflegeberufe sollten doch mindestens so gut bezahlt sein wie Zerstörungs-, Gier-, und Betrugsberufe. (Wenn Altenpflegerinnen plötzlich selbstherrlich aufträten wie Großindustrielle, umgekehrt Großindustrielle demütig wie polnische Putzkräfte.)

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Eine stark geschminkte kleine Dame verkauft den DB-Kaffee für 2, 80. Da mir 20 Cent Trinkgeld zu piefig vorkommt lege ich 50 Cent auf ihr Tablett und komme mir immer noch doof genug vor. Alles schwierig in dem Sinn. Auch natürlich zuviel darüber nachzudenken, aber immerhin besser als gar nicht. Beim ersten Schluck denke ich: lötschig und weiß nicht, ob und wie ich das Wort schreiben soll. Ein angemessenes Wort für die auszudrückende Sache, aber hingeschrieben behagt es mir nicht. Lautsprachlich hingeschrieben noch weniger: löatschich. – (Ploerre? – Nein.)

Schwerte (Ruhr)
(Wer empfindet sich überhaupt als Gesell einer Gesellschaft?)

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Die Raucher rauchen außerhalb der gelben Markierung  und schauen sich nach allen Seiten um, ob einer kommt. Sie überlegen sich, was sie zu ihrer Verteidigung vorbringen würden. Sie würden sagen, daß hier leider keine gelbe Markierung ist, sonst hätten sie diese selbstverständlich unverzüglich aufgesucht und sich gern dort hineingestellt. Wieder denke ich an ein Broodthaers Museum, das nur aus Linien im Sand bestand.

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SULO Emballagen

wegen zu kleinen Gliedes getriezt

Löhne (Westfalen)

Poggels Verwandtschaft

SieMatic

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A. hatte im Zusammenhang mit dem Lyrik und Politik-Problem in der ZEIT etwas gesagt, ich habe es aber nicht einordnen können. Wenn man mit Lyrikern spricht weiß man noch etwas weniger, ob man wohl das gleiche meint, als normal. (Weil es noch mehr! Möglichkeiten gibt? und mehrfache Schichten doppelter Böden. Oder nur ich meine es müßte so sein und der Lyriker selbst ist rundherum viel argloser. Das kann auch sein! Vielleicht fängt er erst an zu spinnen, weil man es erwartet! Aus Liebenswürdigkeit!) Ich sagte ungefähr, ich wäre ja schon froh, wenn jemand mal was gut konstatieren würde. Da sagte A., sie wäre gerade Jurymitglied gewesen in Sachen Konstatierungslyrik und das sei nicht so toll gewesen, was da gekommen war. Das glaubte ich sofort und konnte mir gleichzeitig gar nichts darunter vorstellen!

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29.3.

daß etwas so gesagt oder benannt wird, daß es einen im Moment des Lesens denken läßt: ja, danke! Danke, ja. (hat mit „Inhalt“ vielleicht gar nichts zu tun.) Der Effekt der eintritt, wenn durch einen anderen etwas in die Welt kommt über dessen da sein man kurz erleichtert ist und sich befähigt fühlt, wieder ein bißchen weiter zu sehen. Nur weil es irgendwie befriedigend gesagt ist und mal erlöst vom Qualgefühl immer das Gleiche aufgenötigt zu kriegen, egal wie riskant, virtuos, ungewöhnlich es tut. Das Gleiche ist, weil von ihm die gewohnte Wirkung ausgeht und keine andere. (Was heißt zeitgemäß?) – Als ich A. stotterig zu erklären versuchte was ich bezogen auf das, was man gegenwärtig „politisches Gedicht“ nennen könnte (und wie es sich schon total verändert, (aber wie genau?) wenn DIE ZEIT es als solches labelt) mit gut konstatieren meine, mischte sich aber schon ein anderer ein und hatte eine Assoziation gehabt oder was, und sagte, er sei ja Musiker und kein Dichter und deshalb sei es für ihn nämlich… und brachte mich völlig raus. Ich hatte auch keine Lust auf ihn einzugehen, denn er, war ich überzeugt von, wollte einfach auch mal was sagen und begriff nicht, daß es nicht um Konversation ging und auch nicht um hatte Adorno oder Benjamin nicht auch? Lyrik gegen Biopolitik pro Jazz-Muff? Lyrik frech Muff gegen Atomkraft Rhythmus wo jeder mit muß? Oder „ob das Fernsehen an allem schuld ist?“ (entschuldigung)

Nutten Vettern Puffottern

25. März 2011

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Unthätig und im Herzen traurig litt Hanomag darunter, daß er nicht lesen und nur im Dunklen und auch nur ein paar Meter weit das Haus verlassen konnte und Beschwerden über irgendeinen Betrieb den Betrieb erst herausbilden und dann nähren, der Betrieb selbst ja aus nichts anderem besteht, als aus dem Gewäsch über ihn von denen, die vermeintlich nicht drin sind über die, die vermeintlich drin sind oder mehr haben und keiner weiß genau, was ist denn jetzt eigentlich am Ambach, was noch mehr anstachelt zu hektisch hohlen Reden, schrecklichem Lachen und Optimierungsplänen des Selbst und das sei auch schon alles und wirklich keine sehr neue Erkenntnis. Vielleicht noch, daß nicht irgendwelche Mächtigen den Betrieb ausmachen und am Laufen halten, wie hunderttausend bewunderungswillige Fuzzis glauben, sondern die Fuzzis selbst.

Kosmische Wanderungen

23. März 2011

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Letzte Nacht näherte sich geräuschlos ein Klinomobil und hielt vor meiner Haustür. Dann wurde eine hilflose Person (ich) hereingeführt und das Klinomobil fuhr nicht weg, sondern stand mindestens eine dreiviertel Stunde mit seinen routierenden Blaulichtern auf der Gerichtstraße. Drinnen wurde der Kranke behandelt, dessen Zustand sich vielleicht – schon durch die freundliche Ansprache – rasch bessert und er vielleicht gar nicht mit muß ins Krankenhaus, sondern zu Hause bleiben kann. Man überlegt, ob sich das verantworten läßt. Haben Sie denn Hilfe? Nein, der Mann lebt allein und alle Freunde sind tot. Ich machte von der dunklen Küche aus ein paar Fotos, machte dann das Licht an und blätterte durch das gestern eingetroffene Buch Von Sonnen und Sonnenstäubchen. Kosmische Wanderungen mit Wilhelm Bölsche, 1910.

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Darin fanden sich zwei unbenutzte Postkarten für Kriegsgefangene in deutscher Sprache aus dem Prisoners of War Camp, Ahmednagar, Indien.

Ich trank etwas Cola Zero, denke jetzt an den Film Magnolia sowie Bernds neue Tochter Ida und ging wieder ins Bett.

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Astrein, Muddi schickt mir eine selbstgenähte Tagesdecke, ein Schränkchen aus Eiche und ein Pfund Schwarzbrot aus dem oberbergischen Kreis.

/R\

lieber Nick, ja, es würde mir sehr gefallen und ich wäre verflucht stolz, wenn Ken und Du das kleine no future-Heftchen von 1994 und das große Bild in der Best of 2011 White Columns-Ausstellung zeigen würdet.

Future zu Hauf, soviel man will.

It s okay, you know, I m just personally uncomfortable with it

16. März 2011

s. a. Lebensgefühl

Das 5 Jahre alte Green Gartside Interview in der taz ist wirklich gut.

(ich habe damals nicht mal nachgesehen, wie der aussieht. Es war mir egal. Und jetzt wundere ich mich eigentlich, daß das so ein Styler ist, oder war. )

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(Aussehen)

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Ich könnte jetzt ein perpetuum mobile anfangen und alle alten Beiträge leicht verändert wieder aufbringen. Nicht alle sind gut, aber doch einige. Es kommt viel darauf an, wie man sie liest in welchem Licht mit welchen Augen vor welchem Hintergrund. Das kann ich schwer beeinflussen, muß mich auf irgendwas verlassen. Ich kann sie natürlich in vollster Verachtungseinstellung lesen, aber auch in vollster Liebe, durchdrungen von wohlwollendstem Interesse, wodurch sie schöner werden, regelrecht phantastisch gut. Je mehr man sich erklärt, desto schlechter wird s. Und wenn man anfängt sich zu rechtfertigen, ist man schon im Mus gefangen geht unter ist verloren wird lauwarm in Lauheit ersticken.

Ich widme dir dann widmest du mir.

(Post) Canvas

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ich versuche mir seit Tagen triftig zu formulieren, wovon genau wohl eigentlich die lähmende Wirkung der Katastrophe ausgeht. Ich glaube es ist die Dauermeldung im Deutschlandfunk oder sonstigen Tickern, daß die Situation einerseits immer schlimmer wird, aber die Meldung selbst, daß es immer schlimmer wird, immer gleich bleibt und in dem Sinn nicht schlimmer bzw. konkreter wird.

Weil man ein Schlimmes, von dem in Dauerschleife über lange Zeit halbstündlich mit immer fast gleichen Worten gesagt wird, es würde immer schlimmer, praktisch überhaupt nicht versteht und verzweifelt darüber, daß man nicht weiß, was es einem sagen soll. Was IST denn jetzt? – Ungefähr.

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ungefähr wie die Politik-/Gesellschafts-/Diskussionssituation in Deutschland jetzt seit Jahrzehnten – spätestens seit der rot/grün-Verarschung – sich anfühlt. Das Schlimme wird immer noch schlimmer, ist so unfaßbar wie niederdrückend. Die Dräuung als folgenlose, nur schlimmer werdende Dauerdräuung. Zum verzweifeln wenn man an die schöne Jugend denkt, die in diesen runterziehenden Schmodder reingeboren wird.

Allerdings ging es mir früher auch nicht anders, obwohl es anders war. Mir hat auch keiner geholfen. (Achtung, post-Irony)

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gartside.jpg   Foto Mike Laye

Ich glaube, auf dem Foto oben trägt Green Gartside die geleeartigen Sandalen, von denen er in einem Interview 1988 erzählt. Und zwar wäre er in ihnen zu seinem Psychologen gegangen und der hätte gesagt: daran, daß Sie keine richtigen, sondern quasi unsichtbare Schuhe tragen erkenne ich, daß Sie sich weigern in die Fußstapfen Ihres Vaters zu treten. Da hätte Green Gartside sich überlegt, ob er jetzt richtig verrückt werden sollte, oder aber get myself together und wäre dann nicht mehr hingegangen, zu dem Psychologen.

Sache verschärfen oder einfach nicht mehr hingehen.

Habit Forming

4. März 2011

habit-forming.jpg   Nach einer Woche Wohn- und Arbeitsgemeinschaft möchte ich von mir kein einziges Wort mehr hören müssen.

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20:05 Die Boys sind zum Essen gegangen. Ich habe mir ein Sabbatlicht angezündet und sitze unter den Sternen auf der Terrasse. Alle Arbeit ist getan. Morgen fahren wir nach Jerusalem und in der Nacht zum Sonntag heim ins Eis.

Foto: Monika Wesseling; BILD-Zeitung  03Mar2011.jpg

Ich finde ich sehe aus, als wenn ich ein bißchen verrückt wäre. Oder vom Ehrgeiz zerfressen. Oder von Angst. Und als wenn oben ein Stück Kopf fehlt. Die komische Kleidung sieht dagegen nicht sehr ehrgeizig aus. – Nick und David sehen in echt viel besser aus.

0:09 (1:09)

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agreed, confirmed

5.3., 0:31

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Heute in Jerusalem: Shabbes. (Jeder Zweite scheint bewaffnet.)

Ich sagte noch so dahin angesichts dieser sehr guten Ausstellung, dieser doch erstaunlich gut gewordenen Ausstellung: Es reicht leider nicht, daß eine Ausstellung so gut ist und man das selbst sieht, sagen kann und sagt.
Es müssen leider auch immer Leute von sozusagen der Gegenseite die nichts sehen, aber das Sagen haben, auch sagen, sonst ist es praktisch nichts wert. Das ist das Schlechte.

(Bilder folgen)

Gute Arbeitsbedingungen

25. Februar 2011

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Shabbat Shalom!

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26.2.

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1./2. 3.

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30 Bilder in 5 Tagen ohne Drogen. Nicht so schlecht.

Eigentlich 4, einer fiel aus wegen Sturm und Schaffenskrise.

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3.3.11

vor der Eröffnung noch schnell im Meer schwimmen.

press release

Affinity? How does it play out among three artists whose illusions about one another are probably stronger than the ties of their association? Perhaps this would be a situation in which to set aside a magnified sense of self-doubt and to formulate a sense of personal involvement as art. To work very spontaneously, making decisions side by side and over one another? The premise is riddled with blind-spots, all the coordinates are overloaded. The fantasy of work in unison, or work in dischord, is up against its dissolution. I think we could come up with an insolent style. Webs and sediments of associations laid bare, the spillage of a personal trove touched up by someone else, stretched, mistreated, embellished, uplifted.

The hazard of collaborative work is founded on mutual esteem and an interest in the work of the others. Since the process is by nature experimental and difficult to calculate in its unravelling, the instinct to outrun it with an apprehensive trust is met with the hope that each individual’s moments of despair, fantasies of abandonment, and fear of falling into the bottomless can always be caught again in the hands of the others to be dissolved in the picture, as in reality, into a kind of beauty. The belief that ultimately everything that seems to me difficult and personally insurmountable can be realized by one or the other with surprising ease, synthesized in the fitting expression. That is how I really imagine it. You work yourself into a dead-end and can’t anymore, and one of the others sees a beginning. And if not, it is left to stand as a bare example, attesting to itself unsparingly. A great anticipation has set in and I don’t know what could be meant by the word failure, other than: we were cowardly, too polite, didn’t risk enough.

In anticipation of once own possible mediation issues in a place that is widely unknown to us in its complexity and density we are carrying in our own problems, hopes, conflicts, beauty-ideals and crises. Something we can overview and partially asses. As discursive as it must be, but with openness applied as a principle. Not to be a satellite or ambassador of the wrong stability that must erode – crumbling it up between us and on the walls. No more simulation!

An adequate exposure of conflicted projections of what it could mean to be an artist today experimenting with a collective practice, that negates the form of the collective that responds as an individual.

– David Lieske, Nick Mauss, Michaela Eichwald

Adequate

23. Februar 2011

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24.2.11, 13:52

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misc.

Liebe Wiedertäufer, liebe Schwestern und Brüder im Geiste!

Mein neuer Name hat mir nur Unglück eingebracht. Deswegen habe ich mich gestern Nacht nochmal vorschriftsmäßig umgetauft und heiße fortan nicht mehr DBCGF, sondern FRANK. Und zwar nicht die Frank, sondern der Frank. Okay?

Gut. Dann sei es so.

bis bald in Berlin!

Euer Frank

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[ich hatte, nachdem ich den Text von Regina Mönch über Erich Loests Tagebuch gelesen hatte den Teilnehmer gefragt, ob er eine Meinung zu Erich Loest habe. Weil mir Erich Loest „vom Typ her“ „genetisch“ vom Reden und Seinsart her sympathisch geworden ist durch ein längeres Interview auf TV Berlin, einmal, und ein interessanter Fall biografisch, ich aber nie was von ihm gelesen habe und es eigentlich auch nicht will, aber in diese Tagebücher vielleicht schon mal reinkucken, schon wegen: „Mit meinem Tagebuch beginne ich unvermittelt und höre vermutlich aus irgendwelchen Gründen irgendwann auf.“ (wobei ich jetzt schon das Gefühl heraufbeschwören kann und habe, wie sowas umkippt und sofort nervt. Klar.) Beschreibt der Teilnehmer sehr anschaulich.]

Am 24.02.2011 12:20, schrieb der Teilnehmer:

ja.hat er…. 1 sachse.1 gelernter ddr bürger.kein schriftsteller.(seine belletristik kann man verfilmen.was man ja auch macht)eher chronist.aber auch nicht „unbestechlich“//interessiert mich nicht.ausser die beiden ersten romane 1952/53.

ansonsten.siehe 1 sachse(mit gemüth und mit herz).es gibt schlimmeres.
hat seine verdienste.steht so im schrifttellerlxikon…(war in haft!).usw.worum handelt es sich?1 grossonkel deiner sippe?
sein gegenspieler/bruder ist der zwerenz,gerhard.heute vergessen.aber auch nicht wichtig.wichtiger da volker braun.(das experiment aufbau.und die widersprüche.nunja…lange her.).

und zur moralischen instanz.darum geht es doch wohl.das war stefan heym eher….aber auch egal.eben „ddr“ -geschichte fussnote usw.–

Am 24.02.2011 12:42, schrieb der Teilnehmer:

erich loest „das jahr der prüfung“.über die abf(arbeiter und bauern fakultät.eine art uni für nicht gmnasiasten.letztendlich kaderschmiede.aber zum zwecke der „brechung des bgl bildungsmonopols“/

und:DIE WESTMARK FÄLLT WEITER….klasse titel.über berlin 1948.
ich habe in den letzten jahren sehr viel -drei dutzende- sog soz.realismus queer gelesen.gerade weil es so aschrnputtelig ist heutzutage…richtig stainistisch affirmativ ist wirklich schwer zu finden!!!) (interessant die muster und pattern im produktionsroman.schön immer die weibliche traktoristin oder kranführrin.
aber siehe harald schmidt:zu HEUTZUTAGE

20.02.2011

Der beste Berlin-Roman aller Zeiten

Superintensive Gefühle, existenzieller Hunger, eine Liebe, die sich gegen die deutsche Schwere stemmt: Woran sich zeitgenössische Autoren in den letzten Jahrzehnten vergebens versuchten, gelingt Harald Schmidt nun mit leichter Hand. Ein exklusives Exposé, das nichts weniger ist als ein Glücksfall für die Literatur

Mein erster Roman ist fertig. Der Verleger weiß es noch nicht, ich möchte ihn damit überraschen.

Fertig nicht in dem Sinn, dass schon eine Zeile geschrieben wäre. Fertig im Sinn von Mozart oder Beethoven. Im Kopf. Jetzt muss er nur noch abgeschrieben werden. Ehrlich gesagt, hätte ich es mir nicht so leicht vorgestellt. Nach allem, was man bisher so von Romanen kannte (die Gebrüder Mann, Dostojewski), ist dafür ja jede Menge Personal und Handlung nötig. Handwerk, wohin der Leser schaut.

Aber wir sind in Deutschland. Herbst 2010, und da hat der Durchschnittsroman ungefähr 107 Seiten, notfalls etwas größer gedruckt.

Ort der Handlung ist Berlin. Hallo? Anfängern empfehlen wir Mitte. Wer schon mal einen Besinnungsaufsatz oder einen Reisebericht für die Lokalzeitung abgegeben hat, kann sich auch nach Friedrichshain wagen. Köpenick erfordert fast schon ein Schreibseminar.

Hauptfigur sollte eine Frau sein. Mitte dreißig. Anna, Hanna oder Leah. Auch Sarah, Katharina oder Thea sind möglich. Ebenso wie Inga, Jule, Agnes, Judith oder Magda. Ihr Freund heißt Lars, Lutz, Laszlo oder Sven. Denkbar wäre auch Ulf, Moritz oder Alex. Ebenso wie Christoph, Philip, Phillip oder Filipp.

Die beiden leben in einer Zweieinhalbzimmerwohnung mit schrägen Fenstern unterm Dach. Ein regelmäßiger Streitpunkt ist, wie die nächste Wohnung aussehen könnte. Altbau in der Stadt oder doch was weiter draußen. Selbst ein Reihenhäuschen wäre vorstellbar, über das Klischee von Spießigkeit sind die Hauptfiguren ebenso hinweg wie die Leser.

Sarah hat zwei Abtreibungen hinter sich (mit 18, nach der Klassenfahrt, und mit 25, nach einem verheirateten Prof). Lars hat einen Sohn (Ben, 4) aus einer früheren Hauptbeziehung, der bei seiner Mutter in Leipzig lebt. Lars sieht Ben einmal im Monat, er verbringt dafür das Wochenende in Leipzig. Sarah hätte natürlich nichts dagegen, wenn Ben nach Berlin käme, aber derzeit ist es so für alle Beteiligten rein reisetechnisch am unkompliziertesten. In Sarah schwelt der leise Verdacht, dass Lars während der Besuche noch mit Bens Mutter schläft. Sie heißt Su, 29, und arbeitet als Tänzerin und Choreografin in einem freien Projekt.

Lars ist von Beruf Tischler und verdient ziemlich gut mit Spezialaufträgen für Messebauten. Dass er auch in der Berliner Wohnung alles mit viel Geschmack und Liebe fürs Detail entworfen und gebaut hat, versteht sich von selbst. Zweimal hatte er Beziehungen zu Männern, ist aber eindeutig hetero.

Sarah hat nach dem Abitur ein Jahr in Chile verbracht. Als Erzieherin in einem Kinderheim in Santiago. Sie hat Patagonien mit dem Motorrad bereist und die Atacamawüste zu Fuß. Mit dem Bus ist sie vier Wochen durch Argentinien gefahren. Die Beschreibungen dieser Reisen nehmen im Roman gut zwanzig Seiten ein. Dialoge sind so gut wie überflüssig, denn es werden überwiegend überwältigende Natureindrücke beschrieben. Kleiner Tipp: möglichst viele Pflanzen- und Vogelnamen erwähnen, schafft Authentizität.

Fester Bestandteil eines Romans – vor allem wenn er frauenaffin sein soll – sind zwei Elemente: ein Guru und der Besuch der Eltern in Berlin. Varianten sind möglich. Es kann auch der Besuch im Elternhaus in der Provinz erfolgen, dabei könnte Sarah dem Guru über den Weg laufen.

Ergiebiger ist es meiner Meinung nach, die Eltern nach Berlin kommen zu lassen. Sie sind Anfang sechzig und heißen Dirk und Doro. Kennengelernt haben sie sich während der katholischen Jugendarbeit in Ravensburg. Schwäbische Herkunft ist nahezu Pflicht. Aktuell böte sich natürlich der Großraum Stuttgart an. Hätte aber etwas krampfig Aktuelles und riecht zu sehr nach Aussage. Es gingen auch Orte wie Bamberg oder Heilbronn, Bad Kissingen oder Montabaur – aber Oberschwaben ist besser.

Für den durchschnittlichen Leser (m/w) ist sowieso alles südlich von Frankfurt Schwaben oder Bayern. Und Oberschwaben bietet landschaftlich erstklassige Möglichkeiten – Ravensburg, Memmingen, Ottobeuren, Bodensee, barocke Basiliken, Reliquienverehrung, bröckelnder Katholizismus, Skiurlaube in der nahen Schweiz.

Denn das Wichtigste am zeitgenössischen deutschen Roman: Er spielt nahezu ausschließlich im Milieu, aus dem die Autorin stammt. Maximal kommt noch ein weiteres Milieu hinzu. Bei sehr erfahrenen Autorinnen noch eins, aber dann geht’s wieder zurück in die eigene Befindlichkeit. Zusatzmilieus wären etwa ein Rentnerehepaar aus Hermannstadt (Rumänien, Vertriebenenthematik aus überraschender Perspektive), das mit im Haus in Berlin lebt.

Oder Mufti, ein libanesischer Jugendlicher in London, der in Kapital zwo eingeführt wird. Die Londoner Kapitel haben zunächst nichts mit den Berlinern zu tun. Sie unterscheiden sich in Stil und Ausdruck frappant, man merkt: Hier wurde recherchiert, hier hat sich jemand reingearbeitet, vielleicht sogar noch ein halbes Jahr dort gelebt (Praktikum? Goethe-Institut?). Je weiter die Handlung fortschreitet, desto mehr laufen die Wege von Mufti (London) und Sarah/Lars (Berlin) aufeinander zu. Bis es zur körperlichen Begegnung kommt, gern auch schicksalhaft.

Aber zurück zu Dirk und Doro, Sarahs Eltern aus Ravensburg. Die beiden sind seit ihrer Firmung zusammen und haben immer noch vier Mal pro Woche Sex. Dies lassen sie ihre Umwelt auch gerne spüren. Vor allem Sarah, die doch vom Küsschengeben und Schnäbeln und Tätscheln ihrer Eltern während des Einkaufs auf dem Markt leicht angenervt ist.

Denn am ersten Abend wird bei Elternbesuchen zu Hause gekocht. Tradition. Das übernimmt Dirk, der auch den Einkauf federführend getätigt hat. Die Beschreibung des Kochvorgangs kann sich gerne über fünf Seiten hinziehen.

Gemüse, Gewürze, Kräuter, Weine, Jahrgänge, Nachtische – alles lässt sich mit wenig Anstrengung recherchieren.

Bei der dritten Flasche Rotwein, durch die geöffneten Fenster dringt die laue (!!!) Berliner Nachtluft ins Zimmer, kommt es zum Streit zwischen Dirk und Lars. Streit ist vielleicht zu viel gesagt. Dirk verfällt in einen gereizten Monolog über Gott und die Welt. Das ist wörtlich zu nehmen, denn hier lässt sich alles unterbringen, was man als ökologisch interessierter Katholik im taumelnden Kapitalismus über die Jahre so alles zusammengelesen hat. Eine überragende Figur wie der Kirchenvater Augustinus trägt durchaus über zwei Seiten. Dirk ist Bauingenieur, und Doro hat noch kurz in Ulm bei Otl Aicher Grafik studiert, aber in ihrer Kirche waren sie immer aktiv. Kritisch und durchaus auch zu deutlichen Worten gegenüber Rom bereit, aber im Grunde ihrer Seelen tief im Glauben verwurzelt. Von Sarahs Abtreibungen wissen sie nichts. Schon gar nicht, dass die erste (die nach der Klassenfahrt nach Rom) vom katholischen Jugendpfarrer organisiert wurde.

Und damit kommen wir zum Guru. Es muss nicht gleich Bali oder ein Ayurveda-Resort im Indischen Ozean sein. Warum sollen sich Werner, der Guru, und Sarah, die abgebrochene Pädagogin (irgendwas sehr, sehr Intensives mit „Behinderten“, so ihre berufliche Vorstellung in der Abi-Zeitschrift „Schwabylon“. Auf die Anführungszeichen bei „Behinderten“ hat sie Wert gelegt), nicht zufällig im Hausflur treffen, als Guru Werner auf den Briefkästen nach einem Namen zu suchen schien?

Sarah ist noch in Gedanken. Sie hat vormittags in der Agentur einer Freundin gearbeitet, die Besuchswochenenden für geschiedene oder getrennt lebende DAX-Vorstände organisiert. Oder zumindest für Führungskräfte. Aber Top-Kunde ist ein DAX-Vorstand, dessen Töchter einmal im Monat von Bonn an die Ostsee und zurückgebracht werden müssen. Außerdem hat Sarah aus Sentimentalität die Nacht in der Bettwäsche von Dirk und Doro verbracht, die am Nachmittag zuvor nach Ravensburg zurückgefahren sind. Sarah muss dann immer einmal in der Bettwäsche schlafen, ehe das Bett neu bezogen wird.

Wahrscheinlich erinnert sie das an die Geschichte aus ihrer Kindheit, wenn Oma Gretl von früher erzählte. Wie die ganze Familie sich samstags im selben Wasser wusch, im Zuber in der Waschküche, und Heinerle, der Bruder von Oma Gretl, durfte mit seinem Stumpf aus Russland zuerst in den Bottich (Hier folgt Nazizeit/Einfache-Leute-Sequenz, die noch ausgearbeitet werden muss. Stichworte Smolensk – rotes Fleisch – Krankenschwester/weiße Brüste – fremder Mann am Ende der Dorfstraße – nur noch 48 Kilo – nie geredet, nachts geschrien – Fronleichnamsprozession – flirrende Junihitze – Strick, Dachboden).

Und dann stand da plötzlich Werner an den Briefkästen. Er wirkte leicht siffig und roch geil. „Du siehst müde aus“, sagte er zu Sarah. Seine Zähne waren weiß und kräftig, und sie erinnerte sich, dass auch schon Politikerehen mit diesem Satz begonnen hatten. Hatte sie mal irgendwo gelesen.

„Wohnen die Goldhagens denn nicht mehr hier?“, fragte er, ohne sich allzu sehr für ihre Antwort zu interessieren. Er stand jetzt unmittelbar vor ihr, und sie sah die winzigen Schweißperlen auf den beiden Fibromen, die auf Höhe seiner Schilddrüse am Hals baumelten.

Die folgende Roman-Passage ist inhaltlich nicht zwingend, eignet sich aber perfekt für Vorabdrucke und erste Leseproben an Vertreter und den Buchhandel:

Bei jedem anderen Mann hätten sie die hässlichen Hautwarzen geekelt, die an ihren Spitzen aussahen, als hätten sie schwarze Mützchen auf. Selbst von Lars erwartete sie, dass er duschte, bevor sie miteinander schliefen. Manchmal ließ sie es zu, dass er sie einfach nahm, aber dann war sie noch tagelang wund gescheuert von den Sägemehlresten in seinen Schamhaaren. Bei Werner ergab sich alles wie von selbst. Er tat ihr weh, als er sie mit dem Rücken gegen die Steinstufen presste. Er war ruppig, als er ihr seinen Schwanz bis zum Schaft in den Mund rammte. Es schmerzte, als er ihren Kopf dabei an den Haaren ins Genick zog. Unwillkürlich musste sie an Annegret denken, ihre Freundin aus Ravensburger Schulzeiten.

Annegret konnte nachts nur noch sehr unsicher Auto fahren, weil sie sich beim Blasen die drahtigen Schamhaare eines deutschen Nachwuchsdramatikers ins rechte Auge gestochen hatte. Hinter dem Spiegelzelt, bei einer Party während des Theatertreffens Ende der Neunziger.

Später, als sie Hand in Hand an der Topografie des Terrors vorbei Richtung Checkpoint Charlie schlenderten, fragte Werner Sarah, was sie von Margarete Mitscherlich halte. Ohne ihre Antwort abzuwarten, erzählte ihr Werner von einem Interview, das Alice Schwarzer mit Margarete Mitscherlich geführt hatte. Darin sprach die Psychoanalytikerin von ihrer Erfahrung, dass die überwiegende Mehrheit der Frauen sich davor ekelte, den Samen zu schlucken.

Werner erzählte Sarah, dass dieses Interview seinem Leben eine andere Richtung gegeben habe. Er wünsche sich so sehr, dass Sarah ihn einmal in Kärnten besuche, auf dem Bergbauernhof, auf dem er aufgewachsen war, ohne Vater, mit Mutter, Tante und vier Schwestern. Und natürlich Tieren.

Dann schwieg Werner, und als er an einer Ampel flüchtig ihren Hals küsste, merkte Sarah, dass er weinte. Sie glühte, und zum ersten Mal spürte Sarah einen magischen Sog, der ihr fast den Atem nahm: Ja, sie wollte ein Kind.

Ich breche ab. Der Roman will mir nicht recht gelingen. Schreibe ab jetzt lieber Notizen, Fragmente, Hingeworfenes. Vielleicht stellt sich hier Leichtigkeit ein, die ich so schmerzlich vermisse. Wer weiß …

Vorabdruck aus: Harald Schmidt, „Fleischlos schwanger mit Pilates“, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2011, 208 S., br., 8,94 Euro

Sehnsucht nach Abstraktion, Anti-Fun und dem Beginn des endlichen Lebens

15. Februar 2011

mein Vorschlag für Tel-Aviv (Hügel des Frühlings)

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David ist schon da und meldet gute Konditionen bei 22 Grad.

16.2.11

Es ist schön hellsichtige Kameraden zu haben, wenn man selbst dumpf und lahm ist. Die Kollegen schreiben so ein gutes anschauliches Deutsch. Getragen von diesem Deutscherlebnis habe ich den Raum verlassen und konnte unten die Eisenmäuse aus dem Briefkasten ziehen. Dann bin ich wieder rauf gegangen.

Von LitBlogschwulst befreiendes Leibesdeutsch

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nur um sicher zu gehen, die Dropbox hat zwar 14,1 MB Runterladung, aber drin ist nur (nur ist gut) der behaarte Kerl mit dem dicken Arsch und dem bösen Blick, 34kb, oder noch mehr, was ich übersehen habe?

Ich versuche heute kleine Skulpturen hinzukriegen und mache mich jetzt auf die Suche nach Material. Passende Sockel wird man vor Ort bestimmt finden. Ankomme Freitag Punkt 15 Uhr. Auf Rückflug-Umbuchung hat sich X leider nicht eingelassen.

Sabbat ist von Freitag Abend bis Samstag abend? Was passiert, wenn man da trotzdem arbeitet?

Ich bin so euphorisch und bombensicher, daß es eine gute Zusammenarbeit und Ausstellung wird, daß es mir schon fast unheimlich ist.

Ich freue mich weiter sehr auf Euch und auf die Wärme.

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NACH LAGE HANDELN

Ich habe mir heute überlegt, warum ich mich auf die kollektive Arbeit so freue und glaube, weil ich es sonst nicht unbedingt mache und ihr es aber auch nicht macht. D.h. man braucht keine Angst zu haben einem irgendwie schon existierenden Regelwerk von gruppenerfahrenen Gruppenarbeitern und deren Erwartung genüge tun zu müssen, sei sie noch so unterschwellig und unausgesprochen (umso schlimmer), sondern jeder kommt als freie, souveräne und ungeregelte Person, weil man es will und nicht, weil man muß, weil man Autorschaft z.B. verbergen will oder soll und sonstigen blöd politischen Gründen. Sondern macht es aus gut politischen Gründen.

Ich sehe uns schon schön auf der Terrasse am Meer sitzen wie erzgebirgische Frauen, die auf der Ofenbank im Hutzelhaus zu Reitzenhain Deckchen klöppeln und Buttermilchgetzen essen. Jede mit einer Leinwand auf den Knien die sie ca. 15 Minuten bearbeitet und dann ihrer Nachbarin mit liebendem Blick zur Weiterbehandlung reicht. Sich ab und zu mit einem gütigen Eßlöffel Ritalin füttern und selig nicken. Furchtbar.
Herrlich.

Libby

9. Februar 2011

Von Ken´s Playlist