Kölscher Arbeitszettel

20. Juni 2011

Ming Arbeedsstell: ………………..
von wu isch bin: ………………….
Nummer für mech aanzeroofe:
hück ham me der:

An
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_________________________
_________________________

Wo et dröm jeht:
An der Zeddel han ich noch jet draanjehängk: .. Stöck

Bes esu jot un

o luur dat bloß aan, dä Driss kannsde dann behaale

o dun et studiere, wenn de et dann kapeet häs, jieste et mer widder zeröck

o scheck et wigger, wenn de et jläuvs

o roof mech ens aan, et hätt ever ken Ihl

x jiv dinge Sääje dozo

o luur ens no, ob alles stimp

o maach dr Driss selvs

o saach jet dozo, do biss jo esu intellijent

x dun endlich ens arbeede, sorch dä Driss vum Desch

o ungerstötz ming Fulheet un jiv mer no jet Zick

o erinner dech aan onsere Verzäll

x nemm minge Dank aan för dat Erennlure

o ……………………..

beaarbeet: o aanjekumme
o wegjeworfe
o et kütt nix
(wat stimp, dees de aankrüze)

Der Dach, wo ich jet wisse will: hück
Et jrößt janz leev

Richard Heikes Haus

30. Mai 2011

genslerstrasse.jpg

Nachdem ich meine Gruppe verloren hatte ging ich aus der Stasi-U-Haft-Anlage heraus und langsam die Nebenstraßen in Alt-Hohenschönhausen im ehemaligen Sperrgebiet ab, zu DDR-Zeiten auf keiner Karte verzeichnet.

Als ich zum Lidl rein wollte sah ich ein eigenartig schön verbarrikadiertes Trumm Haus und fotografierte es vom Parkplatz aus. Ca. 200 Meter vom Gefängnis entfernt.

heike-haus-11.jpg

Da hielt neben mir ein Auto an mit einem ca. 60jährigen Mann drin, der sprach: Na, fotografieren Sie das Heike-Haus? Ich beugte mich runter, verharrte in der Haltung an seinem Autofenster und sagte ungefähr: ich weiß leider nicht was das ist, es sieht jedenfalls imposant aus. Da erzählte der Mann, daß das Haus dem Maschinenfabrikanten Richard Heike gehörte, der zur NS-Zeit Zwangsarbeiter beschäftigt hatte und die ganze Anlage in der Genslerstraße den Nazis, bzw. der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt verkauft hatte, die da eine Großküche einrichtete. Und daß hier das Heike Wohnhaus (?) zu DDR Zeiten ein Geheimarchiv war, in dem Akten über Nazis, die in der BRD hohe Ämter bekleideten, gesammelt wurden. – Oh, danke, sagte ich. – Ob ich wüßte wer Eichmann ist? – Ja. – Die DDR habe das Archiv mit tonnenweise glasklaren Beweisen über die Verstrickungen von Globke und vielen weiteren Nazi-Verbrechern dem Staat Israel zur Übernahme angeboten, aber Israel wollte davon nichts wissen. – Er schaute und schwieg. Ich sagte: Ja, das kann schon sein… und er: Ja, das war so. Ich weiß das, ich bin Historiker. Dann gab er Gas und fuhr davon in seinem Opel Astra oder was das war. Ich hätte natürlich gerne länger mit ihm gesprochen, dann wären wir wohl auch bald bei seiner Vergangenheit gelandet und seiner Bewertung des GANZEN bis heute. Über das ich natürlich auch furchtbar gerne gesprochen hätte, aber das kann man ja scheinbar mit keinem. Das ist ja alles wie abgeschnitten, Sense, unmöglich.

heike-haus-2.jpg heike-haus-von-hinten.jpg

Die Leute, die mit ihrem Staat verwachsen waren und es irgendwie zumindest gut meinten und nicht alles Schweine sind oder gewesen sind, – total in der Defensive und halsstarrig. Reden nichts (aber vielleicht unter Ihresgleichen doch), existieren da in sich eingekapselt im Dunkeln vor sich hin. Wie natürlich die meisten Menschen, von denen man auch nicht erfährt, wie sie leben und was sie denken und es auch keinen interessiert, wie sie irgendwelche Sachen sehen und worunter sie leiden. – Hauptsache, ich erfahre alles über Sarah Jessica Parker, Rihanna und die Söhne vom Ochsenknecht! Egal, ich muß weiter forschen.

(Vielleicht wäre es gar nicht gut, wenn die was sagen, die sonst nichts sagen? – Gut wofür. Gut für wen? – Als der Hermann Gremliza gestern in der Sendung Zwischentöne das Wort „Klassenkampf“ nannte, klang das wie von einem anderen Stern. Und selten scheußliche Musik hatte er sich mitgebracht.)

hyundai.jpg zwischen-gensler-und-freien.jpg lack.jpg

Das ist alles schön und hoch kompliziert, für Nicht-Betroffene jedenfalls. Zu gern würde ich in das riesige  Heike-Haus einmal hineingehen. Wer ist da wohl zuständig? Gestern habe ich den ganzen Tag Zeitzeugenberichte gelesen, Stasi-Videos und solche, die den Besuch Gedenkstätte zum Inhalt haben auf YouTube gesehen. Die Fotos, die die Leute und ich da machten und die Berichte ähneln sich ziemlich stark. Ich bezweifle gar nichts, glaube jeder Verzweiflung. Aber nach den Vorträgen von Hubertus Knabe bei der FDP Osnabrück dachte ich doch, ich brauche unbedingt Gegeninformation und praktisch Täteraussagen und bestellte das Buch, gegen dessen Verbreitung die Leitung der Gedenkstätte HSH erfolgreich prozessiert hatte. „Freischützen des Rechtsstaats: wem nützen Stasiunterlagen und Gedenkstätten?“ Herbert Schramm, Gotthold Kierstein.

sperrgebiet-stand-1990.jpg

Ich verstehe eigentlich nicht ganz, warum ich das Gelände erst dieses Jahr besucht habe. Bald mehr. (Im Vernehmertrakt riecht es noch richtig stark nach DDR.)

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  1. matumba
    Kempowski! Weiter, weiter! Bitte mehr!
  2. admin
    oh!
  3. admin
    Datei:Hamburg-Ottensen Aufruf zum Klassenkampf.jpg

    WikipediaWohnhaus in Hamburg-Ottensen

    Datum 12. Dezember 2010

    Urheber TH.Korr

  4. admin
    “Insiderkomitee zur Förderung der kritischen Aneignung der Geschichte des MfS”

    http://www.mfs-insider.de/

  5. admin
    Schrammel, Schremser, Pilch, alle tot.

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    Jetzt spielt der Stadlober den Schrammel, Weltuntergang
    http://www.filmstills.at/in_produktion/kottan/in_produktion_kottan1.htm

  6. admin

  7. admin

    http://4.bp.blogspot.com/-2CdrpiIhJvg/Tc5srozJmMI/AAAAAAAAAVk/VKIcnfXtMWU/s1600/Flyer_Jubelperser2.jpg

    Heute 19 Uhr (München)

  8. admin
  9. admin
  10. admin
    Am 02.06.2011 01:02, schrieb Theile-Ochel:
    Toll, wenn man nach Lonely Sea von Like a Team sucht, bist du an 4. Stelle. Ich musste mit der Bahn zu Valerias Geburtstag nach Nippes hin und zurück fahren. Ich weiß nicht, wie man das in nur wenigen Jahren überhaupt noch aushalten können soll.

    genau so ging es mir gerade auch, nur noch schlimmer. Völlig verängstigt in der U-Bahn, wie eine alte Frau. Ein Glück jetzt zu Hause. Ich werde nie mehr herausgehen.

  11. admin
    Ich möchte altersangemessen leben, aber ich weiß nicht, wie.

    The lonely Sea – Like a team

    ____________________________________

    Diedrich Diederichsen Radicalism as Ego Ideal: Oedipus and Narcissus http://www.e-flux.com/journal/view/228

    http://post-canvas.blogspot.com/2011/05/dead-on-narcissism.html

  12. admin
    prima

    http://www.artnet.de/magazine/interview-mit-michael-werner/

  13. admin
    http://en.wikipedia.org/wiki/Fag_hag

    Die eine lustige Frau soll unbedingt über die unlustigen Seiten der queeren Welt schreiben und uns allen nützen. Oder jedenfalls offener reden und sich nicht einschüchtern lassen. [ich würde dir Rückendeckung geben, notfalls Gewalt anwenden.]
    ______________
    Davon unabhängig habe ich versucht mir zu überlegen wie es wäre, wenn Frauen Männer, die sie sexuell unattraktiv finden, die nicht in Frage kommen (90%), genauso behandeln würden, wie ein Großteil der Männer die Frauen, von denen sie nichts wollen. Da würde in kürzester Zeit das ganze Wirtschafts- und Gemeinwesen zusammenbrechen.

    3.6.11

    Ich verstehe immer noch nicht ganz, wie es zu der gnadenlosen ABSCHÄTZIGKEIT gekommen ist, die heute fast flächendeckend regiert. Bei den Homos um nichts besser, als bei den stumpfsinnigen Heteros. [ich gebe natürlich dem Einbruch, bzw. der Tür- und Toröffnung der Regeln der Fashionwelt in die Kunst eine Hauptschuld. Und der Willfährigkeit der Künstler und Kritiker, das – wo nicht selbst aktiv herbeigeführt – wie ein Naturgesetz zu akzeptieren und sich auf die Bedingungen einzustellen. Es würde wohl auch nicht funktionieren, wenn es nicht viele auch heimlich richtig finden und sich selbst in ihrer Schlichtheit an so ein plattes, vermufftes, veraltetes, sie irgendwie faszinierendes “Starsystem” klammern würden. Von dem sie allen Ernstes gerne Teil wären.] In meiner Jugend war das noch ganz anders. Wofür man andere gemocht hat und selbst gemocht wurde. Wirklich!

    Hier ein Interview. Daß ein Typ, der so aussieht solche guten Sachen sagt. (straight edge ist mir allerdings egal.)

    http://jungle-world.com/artikel/2011/22/43299.html

  14. admin
    gute Laune:

    “Der Eintritt des Begriffes ‚Narzissmus‘ in die psychiatrische Terminologie (…) beginnt wohl im Jahr 1887 mit einem Text von Alfred Binet (…). Binet beschreibt den Fall eines Mannes, der einen Fetischismus in Bezug auf weiße Schürzen entwickelt hat (S. 264): „Das, was er liebt, sind die Schürzen an und für sich. Er kann sie nicht in der Sonne trocknen oder in einem Geschäft gestapelt sehen, ohne Lust zu haben, sie zu ergattern. Man hat bei ihm Stöße von gestohlenen weißen Schürzen entdeckt. In diesem letzten Fall hat der Fetischismus seine vollkommenste Entwicklung erreicht; es scheint unmöglich, noch darüber hinaus zu gehen; die Bewunderung erstreckt sich allein auf ein materielles Objekt. In keinem Moment ist die Frau dazwischengetreten.

    Dazu in einer Fußnote: „Bei diesem Kranken ist die Verknüpfung der Empfindungen durch ein persönliches, egoistisches Vergnügen bedingt. Es gibt ohne Zweifel Subjekte, bei denen der Fetischismus ihre eigene Person zum Gegenstand hat. Die Fabel des schönen Narziss ist ein poetisches Bild solch trister Perversionen.”

    (…)

    Bedeutsam für die weitere (reichlich verwirrende) Begriffsgeschichte des ‚Narzissmus‘ ist zunächst Havelock Ellis (1898), der in einem Aufsatz über „Auto-Erotismus“ diesen umschreibt als „das Phänomen der spontanen ge­schlecht­lichen Erregung ohne irgend welche Anregung direkter oder indirekter Art seitens einer anderen Person“ (S. 260 ). Und (S. 280 f.): „Im weitesten Sinne gehören zum Auto-Erotismus nicht nur diejenigen Formen von umge­wan­del­ter niedergehaltener sexueller Energie, die einen Faktor so vieler krankhafter Zustände ausmachen, sondern es gehören hierher auch die normalen Äusserungen von Kunst und Poesie, die dem Leben erst mehr oder weniger Reiz verleihen“. Und dann: „Um diese Zusammenfassung des Hauptphänomens des Auto-Erotismus zu vervollständigen, darf ich kurz die Tendenz erwähnen, die manchmal, vielleicht besonders vermehrt bei Frauen, gefunden wird, daß nämlich sexuelle Gefühle in der Selbstbewunderung absorbiert werden und dabei oft gänzlich verloren gehen. Diese Narziss-artige Tendenz, deren normaler Keim bei den Frauen durch den Spiegel symbolisiert wird, wird in geringerem Grad bei manchen weiblich gesonnenen Männern gefunden, aber sie scheint sehr selten bei Männern gefunden zu werden, abgesehen davon, wenn es um sexuelle Anziehungskraft geht, dieser Anziehungskraft ist sie natürlich in normaler Weise dienlich. Aber gelegentlich scheint sie bei Frauen für sich selbst zu bestehen, unter Ausschluß irgendeiner Anziehungskraft für andere Personen. Ein typischer Fall ist der einer Dame von 28, von sehr großen und feinen Proportionen, aktiv und intelligent, jedoch ohne deutliche sexuelle Hinneigung zum anderen Geschlecht; gleichzeitig ist sie nicht invertiert, obwohl sie gerne ein Mann wäre, und sie weist einen gehörigen Grad von Verachtung gegenüber Frauen auf. Sie zeigt eine intensive Bewunderung für ihre eigene Person, besonders für ihre Schenkel; niemals ist sie glücklicher, als wenn sie sich alleine und nackt in ihrem Schlafzimmer befindet, und, soweit es möglich ist, kultiviert sie Nacktheit. … Sie ist frei und sicher in ihrem Benehmen, ohne sexuelle Scheu, und während sie bereitwillig die Aufmerksamkeit und Bewunderung anderer empfängt, unternimmt sie doch keinerlei Bemühungen, sie zu erhalten, und hat niemals zu irgendeiner Zeit irgendwelche Gefühle erfahren, die stärker sind als ihr eigenes Vergnügen an sich selbst.“

    (…)

    Näcke schreibt im Jahr 1906 (S. 125) – etwas im Widerspruch zu seiner ursprünglichen Sichtweise: „So berichtete ich einmal von einer periodisch erregten Frau, die, wenn sie im Sturme war, sich Arm und Hand küßte und dabei ganz verliebt aussah. Diesen Fall rechnete ich zu den so überaus seltenen echten Fällen von Narzißmus. Es ist überhaupt der einzige Fall, der mir bisher aus einer Irrenanstalt bekannt wurde. Sexuell bedingt ist die Sache wahrscheinlich.“

    http://www.oedipus-online.de/narziss_fehldeutung.html

  15. zwanzig
    hast du mich mit der narziss-flagge vom gesundbrunnen her winkend (wankend) bemerkt? (ich war gut getarnt).
  16. admin
    oh, leider nicht. Wie hätte ich dich erkennen können?
  17. zwanzig
    am blick in den hain, am dauerhissen, am wankelmut, am tarnjanker….aber es war ja nur ganz kurz, dann verschwand ich wieder richtung westmeer…..
  18. admin
    meine Internetverbindung geht nicht mehr. Im Flugzeug das Notizbuch vergessen, schon überall angerufen. Nichts. Ruf du doch auch an, wenn du das nächste Mal kommst.
  19. admin
    Das Internetcafe mit den wahrscheinlich besten O-Tönen der Welt ist in der Schönwalderstraße 30. “Schlampennuttensau, du fickst deinen eigenen Vater?” “Es ist die Kanzlerin, sie verflucht den Mudschaheddin.”
    “Warte ganz kurz, ich habe noch 28 Raketen.” – “Ach du Fettsack, ist doch egal.” “Head Messer Stich immer noch.” “Es ist die Kanzlerin.” “Viele Heroin spritzen so sich.” “Ich komm mit Messer, ich knie mich hin, ich schwöre ich hab Messer.” “Ah Junge.” “Schutzweste.” “ah Headshot! Ohne zu zielen!” “Es ist die Kanzlerin.”
  20. mrkor
    hey, you’ve removed the CV for 1989-2007…too bad, I miss it…
  21. admin
    oh, that was a mistake, I unfortunately deleted it and lost it. it is full of links and complicated to reconstruct, but I am planning to do that … very soon.

    Internet geht immer noch nicht, habe meinen Router kaputtgemacht.
    Titel, Thesen, Terracozza.

  22. admin
    http://wp.me/s1goMM-hello
  23. admin
    Monochronismus 12 und Karneval der Kulturen.
    Heavy.
  24. admin
    http://www.bild.de/news/inland/mondfinsternis/morgen-nacht-leuchtet-der-blutmond-18349016.bild.html

    0:45 (ich dachte heute und war schon ganz enttäuscht, es ist aber am 15. So glatt sieht der Mond aber doch gar nicht aus. – Überall Betrug?)

  25. Leberwurst
    Bild-Astrologin Freya Kennedy-Onassis (-Barschel) sagt, die Mondfinsternis weckt die Blutwurst-Anteile in uns. Ich freu mich schon.
  26. admin
    Heute : Manfred hysterisieren. Schon wieder zu spät dran!
  27. Leberwurst
    übrigens: »Durch ihre schulischen Leistungen gewann Freya in der 9. Klasse einen Buchpreis.«
  28. admin
    Heute : Zur Freischaltung der Website

    http://www.automotor.cc/

    kleine Party im heartbreaker, Sanderstr. 6, 12047 Berlin, U-Bahn Schönleinstrasse am Donnerstag 16.6. ab 20 Uhr

  29. admin

    M      ißempfindungen im linken Fuß und im rechten Ohr. Dazu Rocko Schamoni, Tag der geschlossenen Tür.

  30. admin
    Jetzt Tommy (1975). Aus Angst noch nie richtig gesehen, weil ich mir THE WHO nicht zerstören wollte. Roger Daltrey, der peinliche Hauptschüler mit seinem “Mikrophon-Trick”, so dachte die dünkelhafte Gatze Minka. See me feel me touch me heal me. Who am I, mother? Die Orgel, so eine Barclay James Harvest Orgel setzt ein. Roger Daltrey reißt seiner Filmmutter am Meer die Fingernägel aus. Und jetzt kommen die Rocker mit ihren doppelläufigen Flinten und möchten jemanden erschießen, aber am Himmel fliegt Tommy Walker mit einem Kite und singt “a new vibration, I m a sensation, I am the light”, das hält sie zunächst ab.
  31. admin
    super: durch diese Google-Suche bei uhutrust landen.

    “mutter sohn ond tochter sowie tante ficken und blasen”

    (google.ch)

  32. admin
    Kleiner Dissens mit dem Chef.

    _____________________________

    (Interview mit Geert Lovink)

    Welche Maßnahmen muss die Kulturpolitik in Zeiten der Digitalisierung ergreifen? (1)

    “Ich plädiere für Faulheit und Nichtstun. Die Idee, wir müssten etwas damit anfangen, darauf reagieren, sich dazu verhalten, sich damit auseinandersetzen… lass es sein! Entweder man macht da mit oder eben nicht. Die Zeit ist wirklich vorbei, dass wir uns noch gegenseitig erklären müssten, wie das Internet funktioniert. Das war mal, vor 15 Jahren. Auch die Moralpolitik können wir sein lassen. Die Leute benutzen es eh, egal was die Kulturpolitik dazu sagt. Was die Kulturpolitik aber tun kann, ist die Softwareentwicklung und die damit verbundene Kunstpraxis zu fördern. Die ist in Deutschland besonders avanciert. Was Europa braucht, ist mehr Sichtbarkeit solcher Projekte. Aber die Leute brauchen keine Netzkultur mehr von oben. Stattdessen brauchen wir Netzkulturexport von unten. Weltweit.”

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    A :

    (1) PS: ich habe die frage aus dem interview (diese zeile) nachgetragen, weil sonst weiterhin dem ärmlichen argument vorschub geleistet werden würde dem kapitalismus könne mit faulheit/nichtstun begegnet werden, oder faulheit/nichtstun sei per se eine anti-kapitalistische eigenschaft. dieses argument letztendlich auf bildung, d.h. selbstbildung übertragen wäre m.e. grundsätzlich fatal. (gez. SD)

    B:

    Faulheit und Nichtstun scheint tatsächlich zu den letzten Tabus und Bürgerschreckgespensten zu zählen, allein deswegen interessant. Der GAMMLER-Vorwurf pressiert praktisch unverändert seit 50 Jahren. Alles ist erlaubt, nur nicht, sich zu entziehen, die Spielchen nicht mitzumachen, die Täschchen, Schühchen und die Pöstchen nicht zu wollen. Dafür gibt es kein Verständnis, das löst Aggressionen aus.) Denken, lernen und sich “bilden” tut man doch als empfindlicher Mensch automatisch, freiwillig, ständig, lieber sd. Aber lieber ungetrimmt und selbstbestimmt nach eigenen Regeln.

    Meines Erachtens ist es viel fataler, sich im Reiz-Reaktions-Schema an den Gegner zu binden, indem man ihn die Vorgaben machen läßt, die man dann pawlowsch seibernd “kritisiert” und ihm damit zu noch größerer Macht verhilft, weil Kritik Motor und Wertbildung ist. Mal abgesehen davon, daß es auch keine Freude macht.

    Frank (kratzt sich am Hintern und ist schon wieder eingeschlafen.)

    [Ihm träumte davon, die Empfindlichkeit zu erhöhen und nicht die Pression.]

  33. admin
    http://www.polizei-poeten.de/texte_pdf/Halbe_und_ganze_Taeter.pdf
  34. admin
    “Das war nicht auszuhalten”
    Hannelore Kohl starb 2001, durch Selbstmord. In den letzten Jahren vertraute sie sich dem Journalisten Heribert Schwan an, der jetzt ihre Geschichte erzählt – die Geschichte einer sehr einsamen Frau.

    FRAGE: Herr Schwan, wenn Sie sich an Hannelore Kohl erinnern: Wie sehen Sie sie vor sich?

    ANTWORT: Gepflegt. Glatte Haut, die Haare immer gleich. Etwas altmodische und dennoch teure Kleidung von besten internationalen Designern. Oft habe ich sie allerdings auch traurig erlebt.

    FRAGE: Ich verbinde mit ihr vor allem dieses maskenhafte Gesicht und ein aufgesetztes Lächeln.

    ANTWORT: Das ist auch richtig. Die Perücke, die sie seit 1993 trug, und ihr immergleiches Lächeln legte sie morgens wie einen Panzer an, der sie auch innerlich schützte. So ging sie in den Kampf des Tages. Journalisten und Fotografen waren für sie Feinde. Aber sie wusste, in der Öffentlichkeit musste sie lächeln, für ihren Mann, für das Land. Das Maskenhafte legte sie ab, sobald sie die Tür hinter sich zumachte.

    FRAGE: Und dann?

    Dann konnte sie offen und schlagfertig sein und auch mal auf Sächsisch Witze erzählen. Viele Menschen schwärmen bis heute von ihrer mütterlichen Fürsorge und ihrem Sachverstand. Und von den vielen Politikergattinnen, die ich kennen gelernt habe, war niemand so eloquent wie sie. Niemand konnte auf Französisch Interviews geben und sich so für Musik und Filme begeistern. Sie war alles andere als eine “Barbie aus der Pfalz”.

    FRAGE: Man kann sich das heute kaum noch vorstellen: Hannelore Kohl hat 41 Jahre lang an der Seite ihres Mannes ihre eigenen Bedürfnisse komplett untergeordnet. War das typisch für diese Generation?

    ANTWORT: Das war eine Frage der Erziehung. Hannelores Vater war Direktor eines NS-Musterbetriebes in Leipzig, und seine Frau gab Partys, sorgte für Gemütlichkeit und war immer schick und schön. Sie hat ihr diese Rolle vorgelebt.

    FRAGE: Und der Tochter eiserne Disziplin und Pflichtbewusstsein eingeimpft?

    ANTWORT: Hannelores Mutter war eine distanzierte, kühle Frau, die im Gegensatz zu ihrem Mann niemals richtig Liebe zu ihrem Kind zeigen konnte. Die hatte die Erziehungsmaximen der Nationalsozialisten 1:1 übernommen. Als Hannelore am Blinddarm operiert wurde, notierte die Mutter, das Mädchen habe nicht geweint. Tapferkeit. Sauberkeit. Pünktlichkeit. Leistungsfähigkeit. Und bloß keine Gefühle zeigen. Diese Prinzipien hat Hannelore unbewusst auch an ihre Söhne weitergegeben.

    FRAGE: Hat Frau Kohl sich mit der Nazi-Gesinnung ihrer Eltern je auseinandergesetzt?

    ANTWORT: Sie hat mir nie erzählt, was ihr Vater im Dritten Reich gemacht hat. Vielleicht wusste sie es gar nicht, was ich zu ihren Gunsten annehmen will. Sie war durch die vorbelasteten Eltern dazu erzogen worden, unpolitisch zu sein. Politik war für sie ein schmutziges Geschäft, sie litt unter den Intrigen, Kämpfen und Diffamierungen. Deshalb hat sie alles Politische von ihren Kindern ferngehalten. Wenn ihr Sohn Walter heute schreibt, dass er den Beruf seines Vater nicht kannte, aber wusste, dass der Nachbar Sohn eines Fernfahrers war, dann ist das das Werk der Hannelore Kohl.

    FRAGE: Warum sucht sich eine Frau, die sich für Politik nicht interessiert, so einen Mann?

    ANTWORT: Als Hannelore sich Helmut Kohl mit 15 Jahren anschloss und ihn zwölf Jahre später heiratete, wusste man doch nicht, dass er der große Kanzler der Einheit sein würde. Sie ist die Ehe mit einem Mann eingegangen, der ihr ein Fels in der Brandung war nach dem viel zu frühen Tod ihres Vaters. Dann erst ging das los mit der Karriere ihres Mannes, und dann konnte sie sich nicht mehr befreien.

    FRAGE: Hannelore Kohl gehört zur Generation der Kriegskinder, deren Schicksal erst in jüngerer Zeit in den Blick der Öffentlichkeit gerückt ist. Wie hat sie das geprägt?

    ANTWORT: Zunächst muss man sagen: Als andere längst darbten, genoss Hannelore noch eine wunderbare Zeit in einem Haus, das man sich gar nicht großbürgerlich genug vorstellen kann. Sportwagen, Opernbesuche, ein eigener Bunker für die Familie und ein Puppenhaus, in dem das Kind stehen kann. 1945 kam dann der Bruch, der totale Absturz. Die Familie flieht in die Pfalz, der Vater bekommt keinen Job, die Tochter muss betteln gehen, damit sie nicht verhungert. Und in den letzten Kriegstagen ist auf der Flucht vor den Russen dieses schreckliche Trauma passiert, das sie bis zum Tod nicht überwunden hat. Hannelore ist vergewaltigt worden, mehrfach, mit zwölf Jahren.

    FRAGE: Sie brechen ein Tabu.

    ANTWORT: Ich habe mich oft gefragt: Warum hat sie mir davon erzählt? Nur zwei ihrer vielen Freundinnen wussten Bescheid. Und anders als ihnen hat sie sich mir nicht einmal unter dem Siegel der Verschwiegenheit anvertraut. Sie wusste, ich war in dem Team, um Kohls Memoiren zu schreiben. Es gibt nur eine Interpretation. Sie wollte, dass ich es irgendwann publizieren würde. Sie wollte damit etwas erklären, ihre Traurigkeit, ihr maskenhaftes Dasein. Schließlich hatte sie zeitlebens Schmerzen durch eine Rückenverletzung, die ihr damals zugefügt wurde und die sie immer an das Ereignis erinnerte.

    FRAGE: Sie meinen, die Verdrängung funktionierte nicht richtig, weil die körperlichen Schmerzen sie ständig auf das Trauma zurückwarfen?

    ANTWORT: So ist es. Ich habe namhaften Psychotherapeuten meine Rechercheergebnisse vorgelegt. Auch der erste Selbstmordversuch 1993 stützt diese These.

    FRAGE: Warum vermuten Sie einen Selbstmordversuch? Hannelore Kohl hat bis zuletzt ihren Hausarzt beschuldigt, ihr das Penicillin verabreicht zu haben, gegen das sie allergisch war, das sie beinahe umgebracht hätte und das später als Ursache ihrer Lichtallergie galt.

    ANTWORT: Das ist eine Legende. Dieser Hausarzt, der mit 93 Jahren noch immer leidet, dass er aus dem Umfeld der Familie hinausgedrängt wurde, hatte selbst die Listen angefertigt, auf denen stand, welche Medikamente Hannelore Kohl auf keinen Fall nehmen darf. Diese Listen lagen in den Dienstwagen, in der Wohnung, bei den Krankenhäusern in Ludwigshafen. Dieser Arzt kann das nicht gewesen sein.

    FRAGE: Der ältere Sohn Walter Kohl hat diesen Frühling in einem Buch offenbart, dass ihn die Rolle als Sohn von Helmut Kohl beinahe in den Selbstmord getrieben hat. Was bedeutete es für Hannelore, mit diesem Machtmenschen verheiratet zu sein?

    ANTWORT: Natürlich war das eine große Last.

    FRAGE: Und sie hat einfach akzeptiert, dass sie ein ums andere Mal aus den Medien von seiner Entscheidung für die Kanzlerkandidatur erfuhr? Dass sie die Kinder komplett alleine großzog? Dass nicht einmal im Urlaub ihre Wünsche zählten?

    ANTWORT: Die Kinder allein erziehen – das machen Millionen anderer Frauen auch, das finde ich nicht so tragisch. Aber natürlich war es eine Last, mit einem Mann verheiratet zu sein, der keine Zeit hatte. Erst recht nicht für die schönen Dinge des Lebens. Aber es ist ja nicht so, dass es keine Glücksmomente in ihrem Leben gegeben hätte. Mit ihren Freundinnen war sie in Monaco und Paris. Ein Highlight war auch, wenn sie mit dem amerikanischen Präsidenten ohne Dolmetscher parlierte und ihr Mann unbeholfen danebenstand.

    FRAGE: Was hat die Spendenaffäre mit ihr gemacht?

    ANTWORT: Dass sich Hannelore im Juli 2001 umgebracht hat, hängt damit unmittelbar zusammen. Händeringend bat sie ihren Mann, die Namen der Spender zu nennen, um Schaden von der Familie abzuwenden. Die drohende Hausdurchsuchung, dass die Hannelore-Kohl-Stiftung in zum Teil unverschämter Weise in den Skandal hineingezogen werden sollte, dass sie auf der Straße angespuckt und als Spendenhure bezeichnet wurde – das war für sie nicht mehr auszuhalten.

    FRAGE: Warum?

    ANTWORT: Für Hannelore war das eine Parallele zu dem Bruch von 1945. Sie hatte den Absturz nicht verschuldet und sah keine Chance, da herauszukommen. Außerdem war sie sehr einsam. Es gab zwar Freundinnen, die sie besuchten und in der Dunkelheit mit ihr spazieren gingen. Aber von ihrem Mann und ihren Söhnen fühlte sie sich oft alleingelassen. Dazu kamen die Gerüchte von Kohls Affäre mit einer jüngeren Frau.

    FRAGE: Welche Rolle spielt die Lichtallergie, die immer als Ursache für den Tod genannt wird?

    ANTWORT: Diese Lichtallergie hat sie objektiv nicht gehabt. Lichtallergie bekommt man in jungen Jahren, kann man eindeutig diagnostizieren und gut behandeln. Die Dermatologen haben ihr das sogar gesagt. Allerdings muss Hannelore Kohl tatsächlich das Empfinden gehabt haben, dass sie sich vor Licht schützen müsse und von innen verbrenne. Hier hätte nur eine psychotherapeutische Beratung helfen können. Aber das hat sie abgelehnt.

    FRAGE: Was bedeutet es eigentlich, wenn pünktlich zum Erscheinen Ihres Buches publik wird, dass die von Peter Kohl verfasste Hannelore-Kohl-Biographie verfilmt wird?

    ANTWORT: Ich habe die Söhne mehrfach befragt und hätte sie als Zeitzeugen gerne eingeschlossen. Aber sie wollten lieber einen gemeinsamen Fotoband machen. Als ich abgelehnt habe, ist der Kontakt abgebrochen. Durch meine Eigenständigkeit ist ihnen die Kontrolle über die Deutungshoheit entglitten.

    FRAGE: Ihre Schilderungen von Hannelore Kohl haben passagenweise fast hagiographische Züge. Ist sie für Sie eine Art Heldin?

    ANTWORT: Wer diese Brüche erlebt, 41 Jahre an der Seite dieses Mannes durchsteht und so viel leistet für Menschen mit Hirnverletzungen – das ist heldenhaft. Ich habe Hannelore Kohl schätzen gelernt, sie hat sich mir offenbart, und es war für mich ein Stück Vermächtnis, ihre Geschichte weiterzutragen.

    FRAGE: Gibt es etwas, das man von einer Frau wie ihr heute noch lernen kann?

    ANTWORT: Dass man nicht gleich das Handtuch wirft, aber auch nicht alles ertragen muss. Man kann bei Hannelore Kohl studieren, dass es nach einer gewissen Zeit lebensnotwendig gewesen wäre, die Trennung und ein anderes Leben zu wagen.

    Die Fragen stellte Julia Schaaf.

    Heribert Schwan: “Die Frau an seiner Seite. Leben und Leiden der Hannelore Kohl”. Heyne Verlag, 320 Seiten, 19,99 Euro.

    FAS 19.6.11

    ___________

    so schaurig wie  erstaunlich unüberraschend das zu lesen, weil man denkt, das alles schon gewußt zu haben. (Weil man es ihr immer schon angesehen zu haben glaubt. Vergewaltigung mit 12: ja, genau. Das paßt.)

    Dieses gespenstische Ehepaar, die Repräsentanten eines grotesk zu Tode disziplinierten, lieblosen, technokratisch-provinziell-pervers-hochverlogenen Familienmodells wurden die blinden, empfindungslosen Deutschen nicht müde wieder, wieder und wieder zu ihren obersten Herrschern auszuwählen. (schreib das auf, Frank. Das schicken wir dem Guido Knopp für seine Moderation “Unsere Deutschen. Wie sie wurden, was sie sind.”)

  35. admin
    Die fehlende Nahwelt fällt mir alleine zu Hause nicht oft auf, dafür plötzlich und stark, wenn unter Bekannten und Freunden.

    Hallo Frank! riefen sie auf der Bühne und redeten kurz von kiloweisen Darmbakterien. Das hätten sie von mir aus stundenlang machen können. Ich hatte einen guten Platz zwischen zwei älteren Paaren in der Mitte, zwischen den Männern. Reihe 10 Platz 9.
    ______________

    Die Kritik vom Deutschlandfunk ganz gut. Ich bewundere Journalisten, daß die über etwas was sie gerade erst gesehen haben so schnell berichten und schreiben können, so sorglos sein können und soviel Vertrauen zu ihrem Können haben. Ich müßte dafür 3 Tage im Voss das kohlensäurefreie Bier trinken und schwer sinnieren.

    (mehr darüber, wie man es bewertet, als wie man es berichtet, d.h. ich müßte ewig darüber nachdenken, vor welchem Hintergrund ich es erscheinen lassen wollte oder könnte oder: man es erscheinen lassen sollte.)

    Beim Weglaufen vor dem Premierenpublikum zum Voss hin hörte man einen alten Glatzkopf rufen: Nichts Neues! Keine Philosophie! Nur Schwachsinn!
    _____________________________

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/1485126/

    Überraschend Persönliches in der schützenden Hülle der Albernheit

    René Polleschs neues Stück an der Berliner Volksbühne

    Von Eberhard Spreng

     

    Die Berliner Volksbühne inszeniert René Polleschs neues Stück “Die Kunst war viel populärer, als ihr noch keine Künstler wart! Ist das lang.” Und zeigt in herrlich-altmodische Dekor, wie Steggreifkompetenz wichtiger wird als langes Arbeiten an sich selbst. Da reagiert ein junger Mann auf einen Aushang auf dem steht, dass eine Kegelbahn einen Kegelaufsteller sucht und findet sich unversehens in einem Opernhaus wieder, in dem man ihm sagt, dass man einen Opersänger sucht und dass das mit dem Kegelaufsteller nur ein Vorwand war. In diese etwas kalauerhafte Anekdote hat René Pollesch eine der Denkfiguren seines neuen Theaterabends verpackt: Lang erworbene Kompetenzen zählen in großen Teilen unserer New Economy nicht mehr, sondern eher spontane Performance in immer neuen Jobs. Steggreifkompetenz ist wichtiger als langes Arbeiten an sich selbst. Und so sind es drei in schicke lange Roben gewandete Diven, die einem Mr. Reed gegenüber beklagen, dass Attraktivität allgemein mehr zählt, als das mühsam erworbene Singen-Können.

    Ein herrlich-altmodisches Operndekor ist die optische Einfassung zu Polleschs Meditation: Ein Prospekt mit einer ziemlich kitschigen Burg hängt vom Schnürboden herab. Als hätte sich die Bühnenmaschinerie selbstständig gemacht, wechselt es immer wieder unversehens mit einem Hintergrund auf dem ein Kino mit der Aufschrift “Rocky two” zu sehen ist und einem anderen mit der in schlichten großen Lettern geschriebenen Aufforderung: “Don’t look back”. Und doch ist es genau das, was Marlen Diekhoff, Christine Groß und Catrin Striebeck immer wieder tun, wenn sie beklagen, dass sie schon andere Zeiten erlebt haben als eben die, in der ihr mühsam erworbenes Können nichts mehr wert sein soll.

    Man verheddert sich in den rauf und runter fahrenden Prospekten, man wälzt sich in Körperknäueln übereinander, man rennt wie wild um die rot gepolsterten Stühle auf der Vorderbühne herum, vor denen Notenständer aufgebaut sind. Polleschs Theater macht das Burleske, Alberne, ja Absurd-Groteske zur Begleitung für Reflexionen über Sein und Schein, Körper und Wahrnehmung. Die Schauspieler haben hier jeden Naturalismus hinter sich gelassen, jede Psychologie. Äußerlich spielt sich ihre Geschichte im amerikanischen Showbiz ab, wo geheuert und gefeuert wird und die Akteure verzweifelt gegen den Verfall ihres Marktpreises kämpfen. Dann aber reflektiert Silvia Rieger im Glitzerkostüm über die verborgene Wahrheit des Körpers, über das, was hinter allen Kulissen, Täuschungen und Verblendungen und hinter der Welt der Vorstellungen ein ungelöstes Rätsel bleiben muss: Was ist der Körper in seiner ewigen Stofflichkeit, was Empfinden, was Narkose, was Schmerz. Und Marc Hosemann, der mit fulminant sportlichem Elan auftritt und zusätzlich Texte des erkrankten Volker Spengler übernommen hat, brüllt die Botschaft von der Sterblichkeit der Zeichensysteme und der Unendlichkeit des Stofflichen in das amüsierte, staunende Publikum:

    “Denkt immer daran, dass der Schmerz der nicht chloroformiert werden kann, immer da ist, immer in den Körpern ist, immer … und nicht als Text, nicht als das Wort, nein, als dessen Ewigkeit. Ich bin die Ewigkeit.”

    Pollesch, dessen Inszenierung auch phasenweise melancholische Züge trägt, spricht vom Schmerz des Körpers angesichts der Tatsache, dass er nie im Anderen, in der Sprache, in der Verständigung oder einem Sinn Erlösung finden kann. Das Theater, der Ort an dem für Pollesch “alle Materie einem Sinn zugeführt wird” ist für ihn paradoxerweise der Ort, an dem wir auf immer von der tiefen Wahrheit unserer Körper getrennt bleiben. Bis hin zu Reflexionen über das Kind am Sterbebett der Mutter führt der neue Text des Diskurstheatermachers, der die programmatische These des Titels nicht unbedingt einlöst. Es geht um mehr als nur um die Frage des Künstlertums, seiner Professionalisierung und Popularität. Es ist ein Manifest des Schmerzes als einer Grundgröße allen Daseins. Pollesch ist überraschend persönlich aber noch ist all das in der schützenden Hülle der Albernheit verpackt.

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    Es geht immer weiter, Herr Waltermann, doch diese Arbeit wurde nichts.
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    Keiner hilft mir! Ich bohre mir mit der Bohrmaschine in den Fuß und allen ist es egal! Ich liege seit 2 Wochen tot in der Wohnung und niemandem fällt es auf!
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    FOCUS-Magazin
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Wanderung zum Stasi-Gefängnis

28. Mai 2011

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Es ist soweit!

Wie angekündigt lädt die Interessengemeinschaft nach dem Besuch des Osterfeuers in Frohnau zur Wanderung zum ehemaligen Stasigefängnis Berlin-Hohenschönhausen ein.

Wir treffen uns am Samstag, den 28.5.2011 um ca. 11 Uhr an der Endhaltestelle der U5 in Hönow.

Ich schlage vor im Bogen über Hönow, Mehrow, Hoheneiche, Ahrensfelde, Falkenberg zu gehen. Ca. 15 Kilometer, siehe Karte.

Führungen in der Gedenkstätte Genslerstraße 66 sind samstags zu jeder vollen Stunde. Geöffnet bis 16 Uhr, Eintritt 5 Euro.

Voller Vorfreude grüßt Dich

Michaela

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Blick von den Ahrensfelder Bergen (112 Meter Bauschutt) auf Marzahn.

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„Auf dem Gelände der früheren zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit befindet sich seit 1994 eine Gedenkstätte. Seit Juli 2000 ist diese eine selbstständige Stiftung öffentlichen Rechts. Die Grundstücke und Gebäude des Gefängnisses wurden ihr vom Land Berlin zur unentgeltlichen Nutzung überlassen. Für ihre Arbeit erhält sie einen jährlichen Zuschuss des Bundes und des Landes Berlin. (…) Die Gedenkstätte wurde im Jahr 2010 von 332.000 Menschen besucht, davon über die Hälfte Schüler (Stand: 04.01.2011). In der Regel führen ehemalige Häftlinge die Besucher durch das Gefängnis und informieren sie über die Haftbedingungen und Verhörmethoden des DDR-Staatssicherheitsdienstes.“

Was ist Ihre Lieblingsstörung?

20. Mai 2011

no respekt.JPG    [Das Foto kommt von meinem Freund R und zeigt einen Ungarn in Lichtenberg, der in einem Abbruchhaus wohnt.]

mein neuer sizilianischer boyfriend hat mir schon geschrieben er faende meine neue hose ganz toll !

ich dachte, es sei dir vielleicht ein bißchen zu schlimm.

nein gar nicht .. es erfreut sich doch auch grosser beliebtheit bei unserem publikum

ja, ganz erstaunlich! Erstaunlich gut läuft der Handel mit Schizo-Waren, Psycho-Höllenfilmen und Autisten-Mode. Endlich die aktuelle Marktlücke aufgetan.

…alles geht! morgen gibt es musik videos ….habe heute den ganzen tag gebruetet und einladungskarte fuer frankfurt gemacht und ueber den text auf der rueckseite fast verzweifelt weil einfach alles so praetenzioes und ehrgeizig klingt oder eben zu pseudo unhierachisch und nett wenn man irgendwie von anderen was zeigt oder einlaed ist es alles schrecklich .. also ich habe mich mit mir selbst jetzt auf dieses geeinigt .. was meinst du ?

textlich finde ich die Karte okay. films & filmings gut.

Das Motiv ist vielleicht etwas belanglos und gleichzeitig zuviel, man weiß nicht, ob es neben dem Ausdruck von Faye Dunaway und dem Oscar… lesen Swimmingpool Hollwood, dann aber auch noch das DIE WELT Feuilleton, Robbie Williams Juli 2010, Sommerloch Suhrkamp Tannenberg, das sind alles Reizwörter, die aber offenbar doch nicht gemeint sind, deswegen fällt es ein bißchen auseinander, man weiß nicht, auf was man achten soll und insgesamt als Motiv (der ganze Ausriß), wenn man den Wortsinn wegläßt, nicht besonders „überzeugend“ – (außer: man will vielleicht Ratlosigkeit produzieren.) Nur die Namen und eine einfache Grafik wäre auch schön, es sei denn, das Motiv und der Text bedeutet dir noch was anderes, was ich jetzt nicht sehe.

(ich habe auch endlich mal mit dem Trinken aufgehört. Kann mich an länger Nicht-Trinken gar nicht mehr erinnern.)

.. ich bin mir auch nicht sicher ich schlafe noch mal eine nacht darueber .. ich freue mich auf die ganzen schoenen kunstwerke und moechte am liebsten alle selbst haben .. wie fuehlt sich das nicht trinken an ? fuer mich waren die ersten drei wochen die pure hoelle .. dann gings besser.. jetzt geht es mir wirklich viel viel besser .. selbst bei der party am freitag hatte ich mehr spass an der musik als sonst ..

ich hatte gedacht, ich hätte Entzugserscheinungen, nicht schlafen können usw., aber es ist nichts Gravierendes. Ich bin aber noch nicht ganz davon weg, heute habe ich mich in so eine Wut reingesteigert, weil ich aus bestimmten Gedanken nicht rauskomme, daß ich hinterher so erschöpft war und DANN doch gerne 2, 3 Bier getrunken hätte. Aber ich habe so lange gebraucht, um zu der Entscheidung zu kommen und jetzt bin ich so glücklich und deshalb liegt sie Latte hoch. – Ich dachte ich mache es so wie beim Rauchen aufhören. Immer, wenn man eine Zigarette will innerlich denken oder auch rufen: HURRA! ich rauch ja nicht mehr! und sich nicht erst auf das Jiepern einlassen… so ähnlich.

ich habe jetzt richtig angst vor dem trinken und drogen entwickelt .. aber ich verstehe was du meinst das bier ist ja wirklich etwas um die gedanken zu regulieren das man mal ruhe hat fuer einen moment. auch von dem ganzen aufnehmen von kleinst stimmungen und was von draussen durchs fenster kommt ..es ist einfach alles bisschen viel und bei mir arbeitet die ruebe auch viel zu viel wenn sie nicht erschioepft oder betaeubt genug ist.  finde erstaunlich das du die entzugserscheinungen nicht hattes ich hatte echt drei wochen schlimmer schmerzen durchfall und totale alptraeume

oohh, wirklich? aber du trinkst doch gar nicht regelmäßig, jedenfalls sicher nicht so viel, wie ich.

ich habe eben diese ganz regelmaessigen total absturze gehabt wo ich einfach zwei tage durchtrinke und wirklich massen von drogen genommen habe das betaeubte mich dann immer fuer tage …bin glaube ich auch sehr empfindlich fuer die wirkstoffe… heute hatte ich therapie das war toll ! ich habe viel von unserer zeit in israel erzaehlt und der stift hat gerattert ! das ist immer gut !

schreibt die mit?
oje
meine wollte mich mal aufnehmen mit Kassettenrekorder unterm Bett, da hörte man das Band quietschen, da habe ich gesagt: das kann ich nicht. Da hat sie es gelassen. Mir war auch die Vorstellung unangenehm, sie nimmt das Band mit und spielt es ihrem eigenen Supervisor/in vor und sie reden dann über unser Verhältnis und wie man es mit mir machen soll. Ich wollte, daß alles zwischen ihr und mir bleibt. Jetzt bin ich schon über 3 Jahre nicht mehr in Therapie. Vielleicht sollte ich mir hier auch eine suchen. Aber ich weiß nicht, was ich als Leiden angeben soll.  „Hadert mit den Grundbedingungen des Lebens. Hatte es sich irgendwie anders vorgestellt.“

also bei meiner ist es so ..sie macht nur notizen ..also meine fantasie ist sie schreibt nur dann mit wenn etwas besonders relevantes gesagt wird und weil man mich einfach wie einen affen oder zirkus seehund trainieren und konditionieren kann glaube ich zu wissen wie ich relevanz (aus ihrer sicht) produzieren kann und nichts anderes moechte ich natuerlich (wollen wir ja alle). obs geklappt hat sehe ich ja umgehend wenn der stift dann los rattert…so einfach ist das …(ich sollte es ihr sagen aber ich habe so viel spass daran das sie sozusagen zu einem seismograph meines ringens um relevanz wird besser gehts doch nicht) ich habe ihr auch von „in treatment“ erzaehlt und warum du es nicht mochtest. und sie hat auch gesagt sie wuerde nicht verstehen warum leute sich das ansehen. sie hat auf englisch zu mir gesagt „whats the point?“ das fand ich so seltsam als wenn sie jungensprache ausprobieren wollte so klang das fuer mich. ich wuenschte meine wuerde aufnehmen ich moechte das alle alles wissen. die tapes wuerde ich gerne zu anlaessen wie geburtstagen oder hochzeiten an meine noch „gesunden“ kollegen und kolleginnen verschenken. mach unbedingt wieder therapie ! gruende um das eigene leiden zu belegen muss man ja weiss gott in unserer lage nicht lange suchen.

es wird ja erst interessant, wenn man die Therapeuten nicht mehr unterhalten will oder sonstwie eine gute oder andere Figur abgeben, sondern das vergessen kann und Sachen redet, die man nicht mehr kontrolliert, wo es dann aber bald schwierig mit der Sprache wird, weil man die nicht hat und mühselig suchen muß

ja das weiss ich schon.. das wissen alle

ja wahrscheinlich
aber willentlich schwer herzustellen, die Situation

ja es geht gar nicht … man macht es so wie man kann … sie hat mich heute aber auch ermahnt nicht so viel zu filtern und auch mal mehr quatsch zu erzaehlen

das wird schon kommen
ich kuck grade auf arte so eine harte Doku von Ulrich Seidl ich glaube von 97 über so einen widerlichen Wiener Mathematiklehrer, wie der sich über „die Frau“ ergeht, besonders über Brüste, Senta Berger verherrlicht und als Messi mit seiner alten Mutter in der Wohnung lebt, die hassen sich und der Typ ist so selbstbewußt und völlig ohne Eigenwahrnehmung, dazu der Dialekt und wie er mit nacktem Arsch in der Wohnung umherkraucht, ich schaue es voll Ekelgelüst

ich habe letzte woche diesen model film von ihm gesehen es ist wirklich ein so wahnwitziger ekel irrsinn.. die oestereicher kann man wirklich am ehesten als sowas wie eine niedere rasse ansehen. „ohh biiiiiieette …koaaam  fick miiichhh nochamal …“

ja, es sind wahrscheinlich irgendwie Untermenschen … nie entnazifiziert worden. Der Ulrich Seidl ist schon eine alte Sau. Ich möchte mich verabschieden für heute, es war schön
gute Nacht

ja danke dir fuer das schreiben es hat mich nicht misfallen … ich moechte dich gerne bald sehen wenn du zeit hast schlafe schoen !

 

 

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Liste der psychischen und Verhaltensstörungen nach ICD-10

Die Oxfam Bibliothek

7. Mai 2011

Die Münchner Oxfam-Bibliothek meines Arbeitszimmers aufgestockt mit Dostojewski Schuld und Sühne, Moshe Feldenkrais Das starke Selbst, Kafka Tagebücher 1910 – 1923, Freud Psychopathologie des Alltagslebens, Der Hexenhammer, Buddhistische Märchen, Christa Wolf Kein Ort nirgends, Alfred Kubin Die andere Seite, Aleister Crowley Confessions 1, Janosch Lügenmaus und Bärenkönig, Horst E. Richter Die Gruppe und Roland Barthes Fragmente einer Sprache der Liebe.

Barthes aufgeschlagen an der Treppe vor der Akademie, S. 121

Sobria ebrietas (in griechisch nicht mehr zu finden) [nüchterne Trunkenheit]

HABENWOLLEN. In der Einsicht, daß die Komplikationen der Liebesbeziehung daher rühren, daß es sich das geliebte Wesen aneignen will, faßt das Subjekt den Entschluß, fortan auf jedes „Habenwollen“ zu verzichten.

Wagner

1. Ständiger Gedanke des Liebenden: der Andere ist mir schuldig, was ich brauche.

Dennoch habe ich zum ersten Mal wirklich Angst. Ich werfe mich aufs Bett, grübele und komme zu dem Entschluß: künftig vom Anderen nichts mehr haben zu wollen.

Das N.H.W. (das Nicht-Habenwollen, ein dem Osten nachgeahmter Ausdruck) ist ein umgekehrtes Substitut des Selbstmordes. Sich nicht (aus Liebe) töten will besagen: eben diesen Entschluß fassen, den anderen nicht in Besitz zu nehmen. ()

2. Das Habenwollen muß ein Ende haben – aber auch das Nicht-Habenwollen darf nicht mehr auftauchen: keinerlei Opfer. Ich will das hitzige Aufbrausen der Leidenschaft nicht durch das „verarmte Leben, das Sterben-Wollen, die große Müdigkeit“ ersetzen.

Dahinter hat jemand mit Bleistift sehr richtig! gesetzt und das war ich.

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  1. admin
    Beim Durchsehen und auf Archivierungssinn hin abprüfen kommen mir so Anfragen vor die Augen, auf die ich eingehen wollte, dann aber weiter nicht eingegangen bin, weil mir nicht direkt was direkt Gutes eingefallen war und ich es auf später verschob. Letztes Jahr habe ich z.B. den Musiker Holger Hiller getroffen und er hat mich gefragt, ob ich etwas Visuelles beitragen möchte zu einer durchsichtigen Single, die er produzieren will. Seine Vorstellung war, daß die Hüllen zu der Single Unikate sein sollten, also Kunstwerk mit Single angeboten. Geld gäbe es so gesehen nicht dafür, aber die Zusammenarbeit wäre doch wahrscheinlich interessant und vielleicht verkauft man ja auch was usw. Ich kannte seine aktuelle Musik nicht [das Letzte mir Bekannte und gern Erinnerte ist ‚Guten Morgen, Hose‘ mit Andreas Dorau von schätzungsweise 1984] und fand davon unabhängig den Aspekt, daß die Platten die selben, aber die Hüllen ca. 50 verschiedene sein sollten, um dann die Musik als teures ‚Art-Objekt‘ künstlich verknappt zu verkaufen schlecht und meiner Idee von Musik widersprechend, die einfacher zugänglich und normal bezahlbar sein soll. Kam darüber aber gedanklich irgendwie leider nicht hinaus, so versackte die ganze Sache und gestern sehe ich im Internet, daß es eine Kollaboration von Albert Oehlen mit Holger Hiller diesbezüglich gegeben hat. Wobei Albert Oehlen wahrscheinlich keine 50 Unikate hergestellt hat und sich wahrscheinlich überhaupt nicht so n Kopp gemacht hat, sondern einfacher entschieden.

    (ist anscheinend auch Teil der momentan laufenden Hetzler-Ausstellung, die ich noch nicht gesehen habe.)

    (und ich frage mich natürlich ein bißchen, ob ich nicht zu doof für alles bin.)


    Ich werde ab jetzt immer alles zusagen
    !

Kampfname Frank, Kennwort: Sie tanzte nur einen Sommer

27. April 2011

Die Sprache der Natur- und Wissenschaftsbeilage ist immer stiftend und entlastend zugleich.

Ein Mensch aus 90 Kilogramm Darmbakterien kommt die Straße herauf.
Er heißt Frank, hat dicke Beine und eine dumpfe Miene und wohnt in der Gerichtstraße im Vorderhaus, 4. OG Mitte.

In Schmeiß dein Ego weg hat mir so richtig gut eigentlich nur gefallen, daß wir pumpen und pumpen und sofort abgeholt und weggebracht werden, wenn wir damit aufhören. Daß wir pumpen müssen, falls wir nicht sofort abgeholt und weggebracht werden wollen. Allein.

Ich saß zu weit weg, Reihe 21 Platz 10. Selbst an meinem Geburtstag wollte ich mir keine teurere Karte kaufen und bereute es.

Ungerecht, aber Wuttke gefiel mir ungefähr 2 Minuten, dann dachte ich nur noch:

[das Agieren des Schauspielers] Knallcharge, Gefallsucht. Der Chor unangenehm und überambitioniert. Christine Groß eigentlich immer gut. Bei Margit Carstensen bekomme ich Gefühle. Ich saß unter lauter zeigefreudigen 23-Jährigen Mädchen – nicht die Unrigen, andere, dümmere – die warteten auf „Gags“ und dann lachten sie, wenn ein Gag kam, also oft, für ihre Begriffe. Wenn sich über die sogenannte Liebe lustig gemacht wurde, gesagt wurde: „Ich liebe dich, aber ich verwechsele dich immer“, z.B.

[es kann sein daß ich meinen Widerwillen gegen den Text auch leicht verwechselte mit meinem Ärger, die Gesichter der Schauspieler nicht richtig sehen zu können und zuviel Gelache rundherum, wo ich immer denken muß: jetzt denken die Idioten: ich erkenne was wieder, es ist aus meinem Leben mir bekannt und gleichzeitig ist es hochgehaltene, zeitgemäße Theaterkultur, Lachen erlaubt, Zeit für Wohlfühlmomente. Ich dachte öfter, daß ich nicht daran glaube, daß der P da wirklich selber Probleme sieht, wo er sie behauptet, es aber auch nicht darum geht, ob man sie teilt oder nicht. Daß noch die Stellen am besten kommen, wo etwas an den Haaren herbeigezogen wird, was man nicht „nachvollziehen“ kann und besonders abstrus konstruiert wird. Daß hier mir manchmal die Sache fad erschien, weniger weil ich dachte, daß das alles nicht stimmt, ich keine Probleme damit habe und ihm nicht ganz glaube, daß er sie hat, sondern weil nicht abstrus genug konstruiert und nicht widersinnig genug an den Haaren herbeigezogen wurde, vielleicht. Und deshalb keine richtige Herausforderung und Schwebung entstand. – Annahme. Und wie gesagt aber alles Quatsch, denn es wäre ein ganz anderes Erlebnis und damit Urteil rausgekommen, hätte ich in der zweiten oder vierten Reihe näher an den Schauspielerkörpern dran gesessen.

Jedenfalls.] Ich sehe in dem Körperproblem bzw. dem Körper/Seele/Innen/Außen kein Problem. Es besteht auch keine Veranlassung, Sinnliches in ein Übersinnliches zu steigern. Die sinnlichen Vermögen sind körperliche Vermögen und lassen an metaphantastischen Möglichkeiten keine Wünsche offen. Mein Körper ist mein Inneres, mein Äußeres. Ich bin ein Fall unter Fällen. Ich bin mein Fall. Ich bin das Medium meiner selbst und die Welt gibt alles her, es ist alles da. Jede Sensation kann erzeugt werden in diesem Hautsack voller Darmbakterien.

(Das kann man sich so einrichten.)

Und Zeigefreudigkeit: Es war schon eine gute, lustige Dynamik, wie die vielen I-like-anti-like-my-style-Pollesch-Zuschauer am Ostermontag zu Blondies Hanging on the Telephone ihre Plätze einnahmen. Kleine Eigenheitsgesten bevor man sich setzt, um sympathisch und interessant rüberzukommen. Wahrscheinlich nicht mal ausgedacht. Ich habe mich gefreut und mir gleichzeitig gewünscht, daß das nicht die Zukunft ist, aber natürlich weiß ich auch nicht, was sonst die Zukunft sein soll. Vielleicht ist es auch gut so. – Wieder fällt mir so ein professoraler Spruch von einem aufgeklärten Professor ein: Wir müssen mit den Leuten umgehen und arbeiten, die da sind, andere gibt es leider nicht.

Ja.

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Das neue MAY ist auch angekommen.
Meine Bildstrecke war entstanden im tiefsten Winter unter größter Niederdrückung und Hilflosigkeit. Jetzt, vollkommen veraltet, gefällt sie mir doch ganz gut. Und auch, daß so viele gute Bekannte vorkommen. Nicolas Ceccaldi über Jana Euler, Antek Walczak, David Lieskes New York Bericht übersetzt ins Englische von Jay Chung usw. Gelesen habe ich noch nichts.

thank you for sending me the new issue of MAY.

I am somehow glad with my pages, although I was in deepest winter and frayed when I did them did them did them.

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T hatte so gut geschrieben

Ich sage es Dir gleich, ich bin null diskursfest.
Weiß noch nicht mal, was sich da im Einzelnen genau abspielt
(also wer produziert unter welchen Vorraussetzungen und mit welcher Hingabe was für wen u.s.w)

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null diskursfest klingt super, (ich sage es dir gleich, auch) ich weiß nichtmal, was Diskurs ist, bzw. habe keine Lust zu übernehmen wovon andere, von denen man nichts hält, behaupten es sei so. Klar.

Es gibt manchmal Interesse an Gedanken und demjenigen, der sie hat und der Art, wie er sie äußert, insgesamt, wie das in einem wirkt und was dabei entsteht.

Daß man also Lust hat, jemand zuzuhören und (ab und zu, ein wenig) anzusehen dabei.

Osterfeuer in Frohnau

24. April 2011

Die Veranstaltung war ein voller Erfolg und fand ihren bewegenden Abschluß beim fantastischen Wirt Norbert im Magendoktor. Als es schon hell wurde haben wir mit vereinter Kraft die wirklich schönsten Lieder noch aus der Magendoktorjukebox herausgedrückt und kriegten feuchte Augen. 13 Stück für 2 Euro. Dann ging ich heim und die Vögel sangen und die anderen setzten sich in die Hundekopf-S-Bahn und fuhren dahin zum Treptower Park.

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Als nächstes machen wir eine Wanderung zum Stasiknast Hohenschönhausen.

Es wird Zeit.

Die Rückkehr der Körper

23. April 2011

In Köln war es so schön wie früher selten. Es lag natürlich auch an den Gästen die gekommen waren wegen z.B. Lucie Stahl und Claus Richter im Kunstverein und der anschließenden Party mit Viola Klein und Waltraud Blischke.

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Prima im guten alten Buchholz-Hof rumzustehen. M. v. Schlegell, Ralf, Matthias, Laura, Tilo, Callies, Abel, Jana. Thomas in der Elisenstraße. Jutta kam vorbei und sagte nachdrücklich, man hat doch Ziele im Leben. Och, ich nicht, log ich. (es ging auch um Bologna und Modularisierung, Aussieben, schneller fertig werden mit der Ausbildung, nicht mit 35 immer noch da rumhängen und nicht wissen, was man machen soll, usw.)

aber   Jeder soll doch – angesichts der gegenwärtig aufgezwungenen Weltordnung sowieso – solange studieren und rumhängen und nachdenken, was er machen will, wie er will oder kann. Es besteht keine Pflicht, Besitz, Status, Fortpflanzung anzustreben.

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[Es muß doch langsam möglich sein, daß auch einer für voll genommen wird, der nicht als ständig penetrierender Marketingarm seiner selbst funktionieren will und aus seiner Arbeit keinen Herrschaftsanspruch ableiten will.]

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Die Kastanie vor meinem ehemaligen Arbeitsraum war auch schön wie nie. Vielleicht hat sie die Miniermotten aus eigener Kraft besiegt.

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Oder die Miniermotten selbst hatten eingesehen, daß sie durch das geifernde Verfolgen ihrer unseligen Ziele genug Schaden angerichtet hatten und hielten sich deshalb fern.

jetzt

20. April 2011

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Filmvorführung im Flutgraben am 29.4.11 um 21:05

K2ao|Flutgraben|Akademie Isotrop|Mode und Gemeinschaft

13. April 2011

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Leider konnte ich mich aus den Gedanken zum Complete Poem nicht richtig loseisen hatte es auch mit dem Pendelverkehr der U6 nicht begriffen und war erst um halb 11 bei Poor Man´s Expression im MD72. Die Macher waren noch da, aber die Klasse schon weg. Ich habe mein grünes Mäppchen dort vergessen, da sind Wappen drauf, glaube ich und Stifte drin. Bitte nicht wegschmeißen.

Anderntags war das Wetter warm und ich fuhr in einem etwas zu großen Bogen zum Flutgraben, kam von unten über die Puschkinallee. Ich bewunderte die schönen Zeltzimmer in Leichtbauweise, den Sweatshop und ging mit Susanne eine halbe Stunde spazieren, die dann schon wieder nach München mußte. Dann Getränke holen im Wrangelstraßenkaiser, dann am Tisch sitzen und reden. Im Hintergrund surrte leise die Bernina, die Philipp fachmännisch bediente. „Mode“ sei irgendwie verworfen und es gäbe jetzt mehrere Kleinprojekte die verfolgt würden, das Thema kreise um Gemeinschaft. – Später machte ich den Witz, bzw. fand vielleicht nur selber lustig, daß jetzt das Thema Mode durch das Thema Gemeinschaft abgelöst worden sei. (Nur logisch.) In einem fragilen, diffusen (Gruppen)Arbeitsprozeß ist es wahrscheinlich nicht sehr angezeigt, daß einer von Außen kommt und so eine Bemerkung macht, glaube ich. Oder wenn ich sage, die sind alle so faul und desinteressiert, kann ich gar nicht verstehen, daß das ernst genommen wird. Es ist natürlich so, daß ich für mehr Faulheit im Sinne von weniger Zielorientiertheit und mehr Zeit für Nebengleisigkeit und andere Erfahrungsweisen bei hoher Selbstverantwortung bin. Risiko ist, daß man nachher vielleicht nur zerfranst und ephemer da steht und nichts Knalliges zum Präsentieren (Einreichen, Bewerben) hat, was vielleicht auch heimlich unglücklich macht. Wir sind doch aber keine Agentur. Wir wollen Wirkung, aber hoffentlich doch eine andere. Das Schwierige für mich ist, ich will eigentlich verstehen und höchstens „spiegeln“ (pfui Teufel) und nicht eingreifen und lenken. Das extrem Widernatürliche an der Situation, daß einer vorne steht und spricht, während die anderen still sein müssen und zuhören, kann ich nicht überspielen, bleibt immer im Vordergrund als Problem. Selbst Schorsch Kamerun macht Frontalunterricht. Es gibt trotzdem sehr wohl Leute, denen man gerne zusieht und zuhört.

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Um halb 8 gab es Abendessen im Flutgraben. Es schmeckte sehr gut.

Nach dem Essen gingen wir aufs Dach

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danach zeigte Helena Huneke Dias aus der Zeit der Akademie Isotrop, 1996 – 2000, die Roberto Ohrt mit anderen die er gut fand kombiniert hatte. Helena las auch vor aus den Publikationen der Gruppe und berichtete, wie sie die Zusammenarbeit und Gemeinschaft empfunden hatte. Daß es z.B. ziemlich anstrengend war in der Zeit 98/99 wo sich soviel getroffen und entschieden werden mußte, weil es viele Einladungen gab von Galerien und Kunstvereinen und anderem, dem man sich stellen wollte. So daß man praktisch auch ein bißchen froh war 2000, daß es ein Ende hatte. Wenig später aber schon vermißt. – Ich hoffe das stimmt sinngemäß.

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Und warum hatte es ein Ende erhalten? Helena meinte schon auch, oder hauptsächlich? weil die romantischen Kernbeziehungen der (Kern)gruppenmitglieder zu Ende gegangen waren.

Es gab viele Dias zur Ausstellung in der Gesellschaft für aktuelle Kunst Bremen 1998 und von der Sache mit den Iltissen und dem Babypuder.

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Und ob das eingenommene Geld geteilt wurde? – Nein. – Und was Isotrop heißt?
Aus der Physik, ???? isos gleich und ?????? tropos Drehung, Richtung: Unabhängigkeit einer Eigenschaft von der Richtung.

Ich muß leider abbrechen und nach Köln fahren. Ab einschließlich Dienstag nächster Woche bin ich frei für euch. Dann fahren wir nach Marzahn, Nazareth und zu mir nach Hause!
Kommt alle:
INFORMATION zum 16.4.,
ein samstag im jahre 2011, 20 uhr bis 23 uhr

Check in:
Eine kleine ausstellung, fern der gruppenausstellung,
eher ein zwischenstand…
Die unterkunft als bühne
der prozess kapert das ergebnis,
kooperation, kollaboration, kollektion; eine operation
mode und sport –

top(1) top(2) top(3)
ghgghgjhgghggzghghgghg
sajhjhgjhsuzuzqwgsgkoollllpjüsers
sjkjkauuzuzuzagsgakjiopophuawer
khhhhhhhhhhhjklcvbnmcvbnm

down(1) down(2) down(3)
0308 001 1010 00001010 1
089 280 0030 0303 0303 04040
728 738 78 0 101010101 9090 8777
99 199 9090 00101011 0101 77 89

klasse 2 Aufbau Organisation
http://www.societyofcontrol.com/pmwiki/k2ao/k2ao.php?n=Main.PressInfo

Flutgraben e.V.
Am Flutgraben 3
12435 Berlin
fon: +49 30 53219658
www.flutgraben.org

bio-baumwolle-super.jpg

oh, Bio-Baumwolle, super

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Exkurs: Am See unterhielten wir uns letztes Jahr über Hierarchien in hierarchiefreien Gruppen, soweit wir uns erinnern  konnten. Wie es wirklich war, z.B. bei Isotrop verglichen mit den Leuten, die ich in Berlin kannte, Mitte der 90er Jahre. Isotrop hatte für mich von außen (oder binnenperspektivisch) immer gut ausgesehen, weil es wirkte wie ein Zusammenschluß von Einzelnen, die freiwillig und selbstverständlich das, was sie konnten und hatten großzügig und  spielerisch einbrachten und als hinreichenden Grund, irgendwo gern mitzumachen, ansahen, daß man ein paar andere gut findet und von ihnen was wissen will und sich dann alles weitere einfach von selbst ergibt.

Irgendwie schien mir auch, daß mehr einfach gemacht werden konnte, ohne es sich umständlich erlauben lassen zu müssen. Es wirkte unbeschwert, die Sprachverwendung war reflektiert und experimentell gleichzeitig (die Kunst kam mir ein bißchen veraltet vor, was komische Effekte erzeugte, weil es ja von so jungen Menschen kam). Vielleicht waren die Berliner wegen des ganzen Umbau-Verteilungskampfes mehr unter Druck und verkrampfter und mehr moral-politisch orientiert und nicht vorrangig an Kunst. Das Kunst-Machen mußte kompliziert gerechtfertigt und quasi überwacht werden und jeder „Einzelkünstler“ war eigentlich verdächtig. Hamburg war wahrscheinlich im Ganzen einfach besser zu erfassen, übersichtlicher und konnte schon eine lebenslustige Ausgangslage bereitstellen, in die die Jüngeren (die vielen zugereisten Schwaben) getrost hineinwachsen konnten. Aber so genau weiß ich nicht, woran es lag (am Pudel mit Sicherheit) und wie ich es vielleicht verkläre. – In Köln war es nochmal ganz anders.