Probewand und Kleine Wand

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16:34 beste Laune im Flugzeug. Vielleicht sollte ich nur noch Äpfel essen und Schlafentzug machen. Mit einigem Gewinn Ds Text zur Ausstellung gelesen, 6 Seiten oder so. Zwar geht es die ganze Zeit, „ich bin ein Mensch, der …“ und eben auch ein Mensch der, was ja wirklich total verboten ist, aber es ist nicht blöd oder schmierig, man wird von diesen Informationen irgendwie nicht belästigt, komischerweise. Warum?  - es sind dies die Informationen selbst, vermutlich, und die Art wie es lapidar, unliterarisch und unvirtuos, unextra einfach mitgeteilt wird.

Jetzt in der S1 in die Innenstadt, es ist leider die langsame die den großen Bogen und andersrum fährt, eine doofe Familie nebendran alle drei schweigen, schauen zu mir herüber und haben die gleichen großen Eminent-Koffer. Ich schäme mich für mein komisches Tippen. Ich bin ein Mensch, der wo wirklich praktisch nur die rechte Hand und davon auch nur den Zeige- und Mittelfinger gebrauchen kann. Den linken Zeigefinger setze ich zusätzlich für Groß- und Klein-Taste ein (eventuell Sonderfunktionen.)

Einmal habe ich ein paar Monate bei Emnid gearbeitet, da mußte man vorher einen Schreibtest absolvieren. Auch wenn es nicht viel zu schreiben, sondern meistens zum ankreuzen gab, hätte ich es fast nicht geschafft. Aufgabe dort: Telefoninterviews zwischen 16:30 und 20 Uhr, Zufallsnummern, Zufallsbevölkerung in ganz Deutschland. Die Aufträge kamen von der Politik/Journalismus oder der Industrie. Wobei man für die interessanteren, leider selteneren Politikfragen zirka doppelt soviel Geld bekam, wie für die von der Industrie. Die Industriefragebögen gingen manchmal 40 Minuten! Man bekam nur Geld für abgeschlossene Interviews, das heißt, man mußte die Leute bei der Stange halten und beknien, wenn sie keine Lust mehr hatten und abbrechen wollten. Ohne ihnen mitzuteilen, daß man sonst kein Geld kriegt. Das wurde nicht gern gesehen und gerügt. Vorne saßen zwei Aufpasser, die, ohne daß man es merken konnte, ab und zu mithörten. Bitte jetzt nicht auflegen, liebe Frau, sonst war alles umsonst. Nur noch ein bißchen, bald haben wir es geschafft. Manche machten es natürlich einfach trotzdem, andere wiederum wollten stundenlang weiterreden und konnten kaum akzeptieren, daß die Befragung zuende ist.

Wenn alles gut ging hatte man nach 42 Minuten 3 Mark 18 von Wella oder Samsonite verdient, oder nach 19 Minuten Jugendliche zum Nationalsozialismus befragen 5 Mark 78 vom Spiegel. Aber nur ungefähr jeder Dritte machte ja überhaupt mit.

Ich bin ein Mensch, der nicht mitmachen will und diese Hürden im allgemeinen auch nicht überwinden will. Ich bin ein Mensch, der leicht schwitzt, leicht Dichtestreß bekommt, sich fast überall unbehaglich fühlt und überhaupt bin ich ein Mensch, der die tausendfachen Zumutungen der ihm aufgenötigten Welt-Ordnung lieber vermiede. Dies sind oder können sein Arbeitssituationen, Vorgesetzte, Kollegen, gemeinsame Pausen und Kantinenbesuche, irgendetwas gefragt zu werden, angeschaut zu werden, antworten zu müssen, zuhören zu müssen.

24 Reaktionen zu “Probewand und Kleine Wand”

  1. admin

    Hallo, Herr Waltermann, keine Panik! Im Aldi gibt es schon wieder OSTERHASEN!

  2. admin

    hat am 31. Januar 2012 um 11:12 geschrieben:

    > hat heute nicht der Stranzenbach Geburtstag?
    > Schöne Grüße,
    > Timmie

    Am 31.01.2012 11:34, schrieb:
    >
    > Ja, genau. 49.
    >
    > Wie gut die Haut vom Nichtrauchen schon geworden ist, und wie die Augenringe vom Nichtsaufen weggehen!
    >
    > Heute seh ich aus wie Robert Walser (das schene Bild im Schnee)

    prima!! weiter so! Der X schrieb, er führe jetzt immer nach Stettin zum Zahnarzt, da hätte man das Gefühl, die Welt sei in Ordnung, weil es dort ist wie vor 30 Jahren bei uns! Am besten ziehen wir alle nach Polen und denken, wir wären 14 oder 19 und begreifen die [uns prinzipiell wohlgesonnene] Welt.

    Am 31.01.2012 12:21:

    Schneppenhurth würde vielleicht auch schon reichen.

    Gottfried Benn war ja auch in Schlangenbad. Als ich am Samstag zufällig Badly drawn boy hörte, fiel mir wieder haargenau ein, wie wir dich besuchten, bzw. nicht haargenau. keine Ahnung, wer dabei war. Aber wie wir über die Sieg fuhren und der Flur in dem Krankenhaus.

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    Am 31.01.2012 22:30:

    ich kann mich nicht erinnern. es war so schrecklich in Schlangenbad, alles verdrängt und vergessen.
    Der arme Assauer

  3. admin

    Ich bin so bleed und geb nicht eher Ruh, bis ich die ganze Zettl-Kacke gelesen habe. Lala-Berlin. Zum Abschluß geißele ich mich noch mit dem Screen-Test vom Boros! http://blog.interview.de/filter/screentests#2644030/Christian-Boros

  4. admin

    Ken Okiishi - Gino / Marcel Duchamp on Streeteasy.com
    09.02.2012 - 17.03.2012
    Opening Reception: 09.02.2012 / 19.00 - 22.00 CET

    Michael Sanchez has decided to stop writing press releases, so I guess we will have to write our own. There will be umbrellas and they will be spinning.

    You may have seen this before at the art fair or on the internet. The presentation of the spinning umbrellas at Mathew* distills, like an email attachment or annoying gif animation, an essential quality that was perhaps lost in the manufactured glee of the art fair:

    This is a plane of trauma that appears as if it could appear anywhere, any time.

    Please note:

    There may or may not be a performance of Pina Bausch’s seminal dance work, Cafe Bravo.

    One of the walls of the gallery will be painted in Chroma Green (which can be “knocked out” in digital video editing quite easily). If you would like to use this location for filming, please email the gallery at info@mathew-gal.de.

    Streeteasy.com is a real estate meta-search engine, much like the Berlin favorite, Immobilienscout.de. The screen-shots on view in the gallery are recent real estate ads for a studio that Marcel Duchamp lived and worked in on Manhattan’s Upper West Side from 1915 to 1918 in exchange for The Large Glass. That may have seemed like a good deal to him at the time, but it wasn’t. You probably won’t recognize the apartment from the hand-colored photographs included in the Boîte-en-valise. Photoshop offers hand-coloring possibilities that perfectly emulate the types of weird stains you used to get when the chemicals weren’t mixed properly. Photoshop also offers possibilities beyond this.

    MD’s tiny “artist’s studio” was in the back of the building, and the collectors who paid his rent lived in a lavish apartment in the front**: the building, called “The Atelier,” had been developed with this sort of fantasia in mind. Artists more financially minded than Duchamp had been developing an entire block of buildings with artists studios on the back and deluxe accommodations on the front, and a few of these artist-developers became quite wealthy selling these lifestyle apartments. Duchamp’s letters at the time contain affects that remind us of our lives now, as we also find ourselves, running out of plausible options, stuck in some alien bourgeois subjectivity: “The Picabias are in the catskills”; “I am extremely sorry, after having promised to help you decorate the tea room, to have to withdraw my promise”; and, of a fallout from socializing with artists and collectors, “it has probably been engineered that way by spiteful people.” While living there, one evening in 1916 at “Cafe Des Artsites” down the block, MD tried to explain his developing notion of the readymade; perhaps out of frustration, he sprung from the table and signed an “old-fashioned” painting of a battleground that decorated the wall of the cafe, and declared it readymade.

    This may have been the worst artwork MD ever made.

    Here we go again, on the battleground, stuck in a feedback loop, spinning.

    *This may or may not be misrecognized on this lovely West-Berlin street as a new home decorating store, Chateau Jalousie.

    **In case you are interested, this lavish apartment is currently back on the market. After the Arensbergs, the restauranteur, George Lang, who made Cafe Des Artistes iconic in the 1980s, lived there. It is his renovation that could be yours:

    http://streeteasy.com/nyc/sale/637528-coop-33-west-67th-street-lincoln-square-new-york

    “The Picabias are in the catskills.”

    Grand Opening Pt. II on Contemporary Art Daily

    MATHEW
    Schaperstrasse 12
    10719 Berlin, Germany
    0049 / 30 / 21021921
    www.mathew-gal.de
    info@mathew-gal.de

    Hours: Thu - Sat / 13 - 18 & by Appointment

    Artists Represented by MATHEW:
    Christine Lemke / Flame / Heike-Karin Foell / Ken Okiishi / Manuel Gnam / Mathew Sova / Megan Francis Sullivan / Michaela Eichwald / Nicolas Ceccaldi / Nina Koennemann / Robin Bruch / Taslima Ahmed / Viola Klein

    |
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    Mathew | Schaperstrasse 12 | 10719 Berlin | Germany

  5. admin

    Willkommen, kleiner Februar.
    Das Schlimmste ist vorbei.

  6. admin

  7. admin

    http://www.lebensreform.info/

  8. admin

    aus:

    ERSTE HILFE - DIE ZEITSCHRIFT AM RANDE DER STADT / oktober 1996 / münchen

    Mit „Economy Class” haben die Goldenen Zitronen im Herbst die sechste LP in ihrer über zehnjährigen Bandgeschichte veröffentlicht. Alle unsere Lieblings-Themen werden hier auf eine so noch nicht gehörte, hysterische Spitze getrieben. Nichts lag also für die ERSTE HILFE näher, als sich mit Ted Gaier und Schorsch Kamerun über München, Aufklärungsmusik und das „physische Erleben eines persönlichen Freiheits-Begriffes” zu unterhalten.

    ________

    München ist ja nicht nur die Stadt, die von jungen Menschen in Richtung Hamburg oder Berlin verlassen wird. Aus München werden auch gerne Mythen konstruiert: Das fängt mit der Vorstellung an, ‘68 hätte „in Wirklichkeit” an der Kunstakademie in München begonnen und setzt sich mit dem Bezug auf die Gruppe Spur, die Situationisten oder die Subversive Aktion fort. Andere Leute greifen noch weiter zurück. Da geht es dann um Katholizismus. Bayern als quasi feudales Land, in dem Herrschaft nicht abgeleugnet wird, wo es derb zugeht, und die Leute das Herz am richtigen Fleck haben. Wie seid ihr auf die München-Geschichte auf eurer neuen Platte gekommen?

    Ted: Ich bin hier aufgewachsen. Deshalb kenne ich München. Eine Art Liebeslied an München zu schreiben, wollten wir bestimmt schon seit fünf Jahren. Der konkrete Anlaß für „Munich” war dann der Feuchtwanger-Roman „Erfolg” - dort sind Münchens Widersprüchlichkeiten und der ganze Wahnsinn ja ganz gut zusammengebracht - und ein paar Morgende im Englischen Garten…

    Meint ihr, daß hier eine spezifische Form von Macht existiert, daß es so etwas wie eine „bayerische Art” gibt, die Herrschaft nicht so „sozialtechnologisch-unauffällig”, sondern „derb” ausübt?

    Ted: Aus den 8O ern weiß ich noch, wie das mit der Freizeit ‘81 abging und wie mit dem Milb der Punk-Geschichte in einem Herbst der ganze Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Wie das so durchgenagelt wurde. Das ist schon eine spezifische Art von Macht. Ich glaube, seither hat sich in München in dieser Hinsicht nicht mehr viel entwickelt. Natürlich gibt es jetzt auf einem ganz anderen Level Sachen wie das Ultraschall, aber das ist ja auch wieder gut konsumierbar. Was ich jedenfalls auffällig finde, ist, daß diese Ansätze immer wieder abgebrochen sind, sei es die Räterepublik, die Existentialisten-Zirkel, Freizeit ‘81 oder die Alternativ-Szene Ende der 70er. Erst neulich ist mir wieder aufgefallen, wie stark soziale Kontrolle hier funktioniert. Vor etwa einem Jahr haben wir mit den THREE NORMAL BEATLES hier gespielt, durchgemacht und morgens auf der Leopoldstraße ein paar Lose gekauft. Was wir gewonnen hatten, war nutzloser Schund, ein Schlüsselanhänger, den ich wegschmiß, worauf mich sofort eine Dame darauf aufmerksam machte, daß ich das ja auch in den Müll werfen könnte. Das ist ein Grad an sozialer Kontrolle, der für eine Großstadt wirklich beispiellos ist.

    Sicher funktioniert soziale Kontrolle hier besonders gut. Aber das ist ja nur ein Grund für das Abbrechen von Ansätzen. Darüberhinaus sind auch viele Leute nach Hamburg oder Berlin gegangen. Wenn man sich die dortigen Großstadt-Szenen anschaut und dann den bayerischen und schwäbischen Anteil abzieht, bleibt nicht so wahnsinnig viel übrig.

    Schorsch: Für Berlin gilt das vielleicht. Aber so viele Münchner gibt es in Hamburg immer noch nicht. Stuttgarter haben wir da in rauhen Mengen und das verstärkt sich auch noch. Aber Münchner? So oft trifft man die nicht in Hamburg.

    Ted: Tatsache ist ja aber wohl, daß sie in bestimmten Etappen weggegangen sind. Was ich mich frage, ist, wie eigentlich die Boheme-Szene aus den 60ern hier verschwunden ist. Ich denke ja immer, das war die Olympiade, der U-Bahn-Bau und der Machtwechsel zur CSU.

    Und was denkt ihr über die 50er und 60er Jahre in München, die Großstadt- und Boheme-Szene in der Kunstakademie und bei den Schwabinger Krawallen?

    Ted: Die Kunstakademie ist mir vor allem als Mythos bekannt. Als Kinder hat man uns da hingeschickt, und wir sollten alles vollschmieren - was wir dann auch gemacht haben. Die Künstler an sich gingen mir zu der Zeit - mit fünf - ziemlich auf die Nerven. Was noch interessant ist aus dieser Zeit, ist die Musikszene. Die ersten interessanten Bands, die eine eigenständige Musik gemacht haben, kamen mit Embryo und Amon Düül aus München. Das habe ich auch als Kind mitgekriegt. Da kamen dann Embryo in den Kindergarten, haben uns Instrumente in die Hand gedrückt, und wir sollten „free” drauflos machen - was mich auch genervt hat. Vielleicht wollten die „Spirit” aufsaugen - oder was weiß ich. Dann kamen Künstler und haben unsere Ärsche in Gips genommen. Die waren dann auch sehr hoch dotiert und hingen für tausend Mark beim Bürgertum.

    Eure Ärsche?

    Ted: Ja, unsere Ärsche hingen da. Damit hat diese Kommune in der Giselastraße einen ziemliehen Reibach gemacht. Und dann ist da noch diese Geschichte mit Glam-Rock und Fußball. Die ganzen 70er-Stars sehen ja um 74 genau genommen alle wie Zuhälter aus -und Breitner hat am Anfang für die ROTE HILFE gespendet. Es macht Spaß, daraus ein Stück zu machen. Über eine andere deutsche Stadt ein Stück zu machen, ist dagegen doch weitgehend uninteressant.

    1993, nach den rassistischen Übergriffen von Hoyerswerda und Rostock, habt ihr euch zusammen mit Leuten aus der Musik-, Kunst- und Politik-Szene in den „Wohlfahrtsausschüssen “an dem mittlerweile schon tot diskutierten Cross-over von Pop & Politik versucht. Wie seht ihr diesen Ansatz heute, nachdem der anfängliche Aktionismus wieder verschwunden ist?

    Ted: Für mich ist der Ansatz eigentlich noch nicht verschwunden. Nach den letzten Aktionen war aber plötzlich irgendwie die Luft heraus. Eine Reaktion darauf ist diese Platte. Die Platte spielt in vier oder fünf Fällen aus der Sicht von solchen Leuten und zeigt auf, daß das, was an dieser Wohlfahrtsausschuß-idee gefehlt hat, war, das Soziale mit einzuschließen - also auf einer physisch empfindbaren Ebene ein soziales Gefüge zu schaffen, das über das Politische und das gemeinsame Am-Tresen-Stehen hinaus funktioniert. Als das aus den Schlagzeilen verschwunden war, sind alle Bohemiens wieder in die Kneipen gegangen und stehen da heute noch. Das ist das Problem von dieser Wohlfahrtsausschuss-Geschich-te gewesen. Für viele Leute war das nur eine andere Version von bürgerlicher Empörung. Vielleicht ist man heutzutage aber auch schon so vereinzelt, daß man anders als ‘68 gar nicht mehr auf die Idee kommt, beispielsweise sein Leben kollektiv zu organisieren oder Kommunen zu gründen. Das ist alles kein Thema mehr. Die Leute führen ihr Single-Dasein, wovon auch diverse der neuen Stücke handeln.

    Dieser Trend hängt ja wohl auch mit den Einflüsterungen des Neoliberalismus zusammen. Schließlich werden an allen Ecken hochindividuelle Konzepte angeboten. Was machen wir mit diesem „individuellen Leben”?

    Ted: Zur Entwicklung des kollektivistischen 68er-Modells gehörte natürlich auch die Absetzung von dem damals vorgegebenen Modell, das derart rigide war, daß man es nicht ertragen konnte. In den 70er Jahren ging der Kampf um individuelle Freiheit noch mit einem politischen Kampf einher. Letztendlich waren die ganzen Errungenschaften aber irgendwann als Ware willkommen und im konsumierbaren Rahmen systemunterstützend: Rockmusik, Drogen, Mode… das ist ja alles notwen dig, um Wirtschaftswachstum zu erarbeiten. Heute, wo Rock musik Menschenrecht ist, und jeder sich seine schrille kleine exzentrische Note doch bitteschön anschaffen sollte, hat das zu dieser Vereinzelung geführt. Man hat ja immer gehofft, Aufklärung über so etwas wie Unterdrückung würde bewirken, daß sich etwas verändert. Das ist aber nun wirklich gescheitert.

    Warum macht ihr dann überhaupt noch so stark an Aufklärung und Information orientierte Sachen, wenn ihr das Konzept Aufklärung für gescheitert haltet?

    Ted: Das ist noch lange kein Grund, nicht weiter aufzuklären und zu sagen: Es geht anders. Das ist eine ethische Frage - sonst wird man zum Zyniker. Außerdem gibt es im ganz persönlichen Bereich physisch empfindbare Ansätze von Freiheit. Daran glaube ich, und das erlebe ich auch. Das klingt jetzt schon sehr christlich. Aber „das Maul aufmachen” und zu denken, daß deswegen jemand mitmacht, sind zweierlei Sachen. Ich denke, das Maul muß man auf alle Fälle aufmachen, ohne zu kalkulieren, ob man damit Erfolg hat. Das ist ja das Resignative an den postmodernen Phänomenen, daß alle über Unterdrückungsmechanismen Bescheid wissen, aber behaupten, „das wurde doch alles schon tausend mal gesagt, das ist halt so”. Das ist ein Grund, warum die Linke hier am Boden liegt. Weil man dieses realpolitische Erfolgs-Ding so verinnerlicht hat, daß man denkt: „Es macht nur Sinn, was Erfolg bringt”. Damit fängt das ganze Dilemma eigentlich an.

    Und wo seht ihr einen Ausweg aus diesem Dilemma?

    Ted: Mein Modell ist, daß man möglichst kollektiv wohnt und möglichst kollektiv mit dem umgeht, was einen persönlich betrifft. Das ist natürlich keine wirkliche Perspektive, weil das - wie man ja an der Vereinzelung vor dem Computer sieht -von gestern ist. Aber ich persönlich, als alter Romantiker, glaube daran. Das gilt bei der Band dann auch ökonomisch: Wir kontrollieren möglichst den ganzen Produktionsablauf -vom Selbst-Produzieren bis zum Cover-Design und dem Promotion-Text. Aber das ist natürlich ein Spielfeld. Ich kann es den Sternen nicht übelnehmen, daß sie zu Sony gehen. Ich denke nur, daß sie selber nicht damit glücklich werden. Wir sind mit unserer Situation soweit glücklich, daß wir uns in einem intakten Rahmen bewegen, wo ein Austausch auch konstruktiv ist, wo wir nur minimal kollaborieren und uns um Strategien scheren müssen. Aber das ist natürlich nur eine symbolische Angelegenheit. Genauso wie die Idee dieser Platte, wie bei Jazz möglichst frei zu spielen, nur eine symbolische Idee von Freiheit ist. Die Free-Jazz-Idee war ja, das menschliche Zusammenleben individuell so frei wie möglich zu gestalten und trotzdem ein Kollektiv zu sein. Letztendlich steht diese Argumentation natürlich auf ziemlich wackligen Füßen und läuft auf eine ziemlich anti-technologische Haltung heraus. Aber ich muß sagen: Das ist das, was mir etwas gibt. Das macht für mich Leben aus. Auch ‘68 war ja das physische Erleben das entscheidende, nicht der theoretische Überbau. Das physische Erleben eines persönlichen Freiheitsbegriffs, der natürlich nicht am Computer funktioniert, sondern durch Austausch mit Freunden. Ich bin da gewissermaßen Old-School.

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    Kindergarten oder Kulturrevolution ?

    Mikropolitischen und kulturrevolutionären Praktiken wird vor allem Unwirksamkeit vorgeworfen. Die Veränderungen, die sie bewirken, seien zu klein und zu unbedeutend, um überhaupt bemerkt zu werden. Oder sie würden durch Trendsetting und Ästhetisierung ihres politischen Charakters beraubt und in den gesellschaftlichen Mainstream integriert: als dernier cri auf dem Markt der interessanten Abweichungen und Exotismen. Menschen, die von politischem Realitätssinn geleitet werden, bestehen deshalb auf der Trennung von großer Politik und privatem Kleinkram. Streng ökonomietheoretisch orientierten Kritikerinnen fehlt vor allem der Zusammenhang der verstreuten und divergierenden Mikro-Praktiken zur gesellschaftlichen Totalität: Praktiken, die nur an der Oberfläche der kapitalistischen Vergesellschaftung herumkratzen, könnten nie zu einer radikalen Erkenntnis, geschweige denn einer Aufhebung des warenproduzierenden Systems gelangen. Da es den marxistischen Kritikerinnen andererseits nicht gelingt, die konkrete Lebenswirklichkeit der Individuen lückenlos aus den Kapitalgesetzen abzuleiten, neigen sie dazu, diesen Bereich des „bloß Subjektiven” einfach zu ignorieren bzw. als Ort der illusionären Verkennung und der trügerischen Freuden von sich zu weisen.

    Tatsächlich sind Ansätze, die vom alltäglichen Leben ausgehen, der Gefahr ausgesetzt, sich zu verzetteln und sich endlos in Einzelheiten herumzutreiben. Die 80er Jahre haben gezeigt, wie leicht die Befassung mit den kleinen Dingen des Lebens in esoterische Befindlichkeitskontrolle oder Lifestyle-Design umschlagen kann. Losgelöst vom Zusammenhang einer linken Gegenkultur, die sich als gesellschaftsver-änderndes Projekt verstand, kann die Aufwertung von „Differenzen” und die Spezialisierung auf die Suche nach der eigenen, unvergleichlichen Identität die reaktionärsten politischen Schauspiele begleiten. Von der eigenen Erfahrung, Eigentümlichkeit oder „Identität” auszugehen, ist selbstverständlich nicht per se befreiend, sondern kann, im Fall der Subkultur jede Menge Stumpfsinn und, im Fall nationaler Eigenheiten, weitaus Übleres hervorbringen.

  9. admin

    facebook-Trauer um Mike Kelley.
    Daß Tod durch Selbstmord zwar traurig, aber längst nicht so niederschmetternd traurig macht, wie andere zu frühe Tode durch irgendwelche Krankheiten, schreibt niemand. Ich auch nicht. Dann muß man da vielleicht noch drüber diskutieren.

    Tschüß Mike Kelley!

  10. admin

    Rund 100 Mrd Freundschaften existieren in der Welt von Facebook. Deren 845 Mio Mitglieder drücken täglich 2,7 Mrd mal den “Gefällt mir”-Button und stellen täglich 250 Mio Bilder hoch. Verrät uns der Zulassungsantrag von Facebook.
    paidcontent.org, wsj.com, meedia.de, faz.net

  11. admin

    Tod durch Beifall (Hamletmaschine)

    Awkward Success (Kelley-Artikel)

    und Super-Erde, der neue Planet. 22 Lichtjahre entfernt.

    Falls man die Entfernung nicht selbst verringern will.

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    Warum Park Fiction den Pudelsalon braucht und der ganze Pudel kollektiviert werden muss

  24. admin

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