Münchner Trichter

5. Dezember 2010

Wegen Schnees war die Strecke über Probstzella gesperrt worden und der Zug fuhr wie er wollte querfeldein über Erfurt, Ulm und Fulda, Unna-Kassel, Hohl und Sinspert nach München, so daß ich die Verabredung mit dem mir unbekannten Schriftsteller nicht einhalten konnte und am Bestimmungsort angekommen bald eingeschlafen war.

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Im Zug las eine rothaarige Frau um die 80, man kann sagen eine „Lady“, in dem Thilo Sarrazin Buch, das ich vorher noch nicht gesehen hatte und erstaunt war, daß es so dick ist. – Was heißt eigentlich Lady?

Thilo-Sarrazin.jpg

Lady (engl. Dame, von altengl. hlæfdige »Herrin «, »Frau «, eigentlich »Brotkneterin «)

Auch aufgrund ihres Nerzes hatte ich sie zunächst für ein Arschloch angesehen, sie war aber wahrscheinlich doch keins, das konnte man dem Gespräch entnehmen, das sie über Stunden mit einer jungen Dresdnerin führte.

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6.12.10
Lehrveranstaltung

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Achtung: Kein Event. Phänomenologische Übung im Karstadt für Erstsemester und Assoziierte. Aufnahme von Grunddaten.


Schmerzliche Smiths

29. November 2010

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Am Himmel flogen die Wildgänse und vom Flakturm kam ein ca. 23jähriges Mädchen mit großen Kopfhörern und langem Haar in einem ähnlichen Parka, wie ich ihn vor ca. 20 Jahren auch getragen habe und sang leise vor sich hin. Daß man in dem Alter weder weiß, es weder empfindet noch denkt und eigentlich selbst überhaupt nichts davon hat oder damit anfangen kann, anderen zu gefallen, dachte ich traurig.

Als sie an der Spitzkehre an mir vorbeigegangen war, sang das schöne Mädchen lauter. Erst verstand ich nichts, suddenly struck me

I’ve seen this happen in other peoples lives
And now it’s happening in mine

woah! dachte ich und wurde noch trauriger.

Und auch bald wieder froh vom Anblick und Geruch der Weihnachtsbäume am Gesundbrunnencenter und vom Beratungsgespräch mit den Weihnachtsbaumverkäufern. Es ist ja noch viel zu früh einen Baum zu kaufen. Sie haben bislang auch nur die eher nichtssagenden Nordmanntannen im Angebot.

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Ich kam mir gut albern vor als der Wunsch aufstieg, eine kleine Blaufichte zu besitzen. In höherem Alter hat man eigentlich auch nichts davon und kann eigentlich auch nichts damit anfangen, irgendwelchen zu gefallen, irgend wem.

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Tip: wenn ich ganz traurig bin, schaue ich mir das Foto mit meinem Bruder bei der Gasmessung an, dann geht es gleich besser.

mein bruder bei der gasmessung.jpg

Morgen:

Alcantara La Montanara. Meine ganzen Poetiken.

Wir wollen dich ganz, weil das nämlich heißt: nicht kaputt.
In dem was nicht breiig eingequatscht werden kann womöglich das Leben des Lebendigen verschüttet liegt.

Gewaltfrage

25. November 2010

Header

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unerwünschte Meinungen im Gehirn
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Der Uhutrust Verquälung Überdruß, steif, dick und voller Ruß

Bindet der Tränen Überhand ein Gildemann zu letztem Gruß

Und manchmal nach dem Lärm: die stillen Stunden.
Hier schwindet meine unermesslich große Wut.
Ich schaue aus dem Fenster, nachts, und zähle die Sekunden
und finde die Sekunden plötzlich gut.

Und meine Finger tasten sachte …
Und was die Tasten schreiben, dachte
ich einsam hier, mit stillem Mut.

(Quelle)

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Arsch offen

„(…) Da die Recherche auch die Frage betrifft, ob Künstlerinnen und Künstler sich selbst als politisch ansehen, bitten wir Sie, uns über Ihre politische Neigung zu informieren (z. B. rechts, links, liberal, nationalistisch, anarchistisch, feministisch, maskulinistisch, oder worüber Sie sich sonst identifizieren) oder aber darüber, ob Sie sich für unpolitisch halten.

Künstlerische Darstellungen oder Präsentationen sind in Papierform per Post, E-Mail oder Fax bis zum 15. Januar 2011 an folgende Adresse zu senden:

Berlin Biennale
– Open Call –
KW Institute for Contemporary Art
Auguststraße 69
10117 Berlin/Germany

Hallo ihr Lieben,

ich bin eine tierliebe rechtsliberale Nazi-Transe mit linksnationalem Einschlag, die Poesie und Louis Vuitton liebt und zu Gewaltausbrüchen neigt. Würde mich daher sehr freuen, bei Euch mitzumachen.

Vielen Dank im Voraus!

gez. Miele Harns 

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27.11. 23:28

Frau Walter Jens jetzt auf 3SAT, auch nicht unhart. Walter Jens lebt noch? Ja, er lebt noch er lebt noch er lebt noch. Das alte Holzmichel Lied habe ich oft mit meinem Kollegen Spökenkieker-Dirk in der Druckerei gesungen. Es war dort sehr oft sehr lustig! Besonders für mich, weil ich höchstens 20, maximal 25 Stunden in der Woche gearbeitet habe. Fast alle anderen mußten viel härter ran, besonders die Gesellschafter. So daß kaum einer noch als Gesellschafter angeworben werden konnte. Die Druckerei macht nach 26 Jahren jetzt zu. Einladung zum Abschiedsfest an alle ehemaligen Mitarbeiter. von Prima Print. Ihrer Offset-Druckerei am Brüsseler Platz in Köln.

Walter Jens hat eine Spitzenfrisur und extrem geile Klamotten an. (Ich meine den blauen Pulli mit der weißen Grafik und die legere Jeanshose!)

0:40 Eingang Bild aus dem Sommer, Bergmannschule, München West, Aufnahme Herr Grüneisl.
Erzeugung guter Laune.

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Lübars II

15. November 2010

bernie.jpg Lübars liegt als älteste Siedlung Reinickendorfs am Rand von altes West-Berlin im Norden am Tegeler Fließ, „das eine eiszeitliche Abflussrinne darstellt“. In der Hauptsache waren dort Paare unterwegs. Niemand weiß, wie gut sie sich leiden können oder wie sehr sie sich verachten, viele wirkten orientiert und durchaus liebenswürdig. Es war wohl auch der Ausdruck von Demut und Dankbarkeit über das unvermutet milde, der Menschenfreundlichkeit sehr zuträgliche Novemberwetter.

hermann-kant-der-auffenthal.jpg teichrohrsaenger-wach-auf.jpg  fashion.jpg schilf1.jpg 14-11-ca-16-40.jpg  

Excellenzcluster

Unselige Neigungen

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16.11.10 23:56

Auf dem Rückweg vom Poesiegespräch mit Elke Erb wurde auf der Bernauer Straße dieses sagenhafte Gedicht offeriert

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man hält an und denkt, Moment, hier stimmt was nicht, entweder Grabhund oder Handbuch muß es sein, auch Handtuch würde gehen. Wenige Sekunden später wurde das unbekannte Wort Handbund als richtig gut, sehr gelungen, als beste Wahl empfunden.

Warum?

wahrscheinlich Evidenz.

[Grabhund und Handbuch zu naheliegend]

Der Anteil eigener Spinnerei ist aus dem Evidenzgefühl schwer herauszurechnen.

*

17.11.10

Reena and I have postponed my show into January.
I wasn t much decided about title, text, invitation card and
so on and then we felt, there is no good reason to do it under pressure.

[Ich hatte etwas gemacht von dem ich leider noch nicht weiß, was es ist. Der unbekannte Anteil ist zu hoch, als daß ich mich dahinstellen könnte und ohne zu lügen sagen könnte: Ja! Das ist es.]

groggy

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Apropos Preppies, Raviolis, Ferris Buellers Day Off und Fasanenhosen
Claus Richter auf Debug-online. – Applaus!

Sentimental Journey | Questions Never Known

sentimental journey.jpg

18.11.
Spinnen bezeichnet die Herstellung von Fäden.
Es steht für den ganzen Prozess der Herstellung von Garnen aus einer Masse von Fasern endlicher Länge: mit Reinigen, Mischen und Parallel-Legen der Fasern, sowie der Fadenbildung durch Verziehen und Verdrehen samt anschließendem Aufspulen.
(Wikipedia)

Ob sich das lohnt, jetzt noch ein neues Thema anzufangen?

7. November 2010

aldikiktedikaisers.jpgb.jpgde-kruipende-dieren.jpgwallfahrt.jpg059pjkol.jpglaichhoehlen.jpgpicture-11.jpghellweg.jpg


Genderstudies im Baumarkt Hellweg: Wie alles immer noch weiter auseinanderfällt bezügl. theoretisch behauptete und tatsächliche Welt. Statt multioptional geht eher gar nichts mehr, bzw. rückwärts geht immer.

YouPorn-Pärchen wie aus Steinzeitwitzen.

De vissen. Ich hebb mir im Hellweg ein paar Preise gemerkt. Guppys kosten 2.49, Neons 79 Cent. Saugschmerlen ca. 5.99 Wellensittiche 19.98, Zwergkaninchen 60 Pfennig. Ein Becken voller Neons sieht gut aus.
Herr Ritter hat 3 neue Aquarien mit Top-Ausstattung und Bewuchs, aber lichtem Fischbestand. Meist Schnecken und ganz kleine Garnelen (Partygarnelen?), aber auch mit den sympathischen kleinen braunen Welsen, die die Steine sauber kneiseln. Bei den Welsen bewacht der Vater das Gelege und fächelt den Eiern mit seiner Flosse sauerstoffreiches Wasser zu. Ich erinnere mich, wie wir einmal Matumbas Vater Fische schenken wollten und dann mit der Ente mehrere Stunden auf der A4 im Schnee steckten und ich die Fische in der Plastiktüte zwischen den Beinen wärmte, damit sie nicht abfrören. In der Ente war es sehr kalt und alle 3 Minuten schaute ich, ob sie schon anfingen totzugehen, aber ich konnte alle durchbringen.

viss.jpg Die neuen Fischchs werden zunächst mit der Tüte ins Aquarium gesetzt, bis sich die Temperaturen angeglichen haben. Was in der Zeit wohl die alten, wie auch die neuen Fische denken. Wie man sich ärgert, daß ein Fisch nicht merkt oder es nicht merken will, wie ihm ewig ein langer Kotfaden hinten oder unten raushängt und er ihn nicht abmacht. Ich würde mir nur Lebewesen anschaffen, die früh bis spät damit beschäftigt sind, das Aquarium sauber zu halten, Antennenwelse, Wirbellose und Algenfresser.

LL.jpg  Fürderhin habe ich Aufnahmeantrag gestellt der Lyrikknappschaft Schöneberg beizutreten. Obwohl ich wenig dichte und nicht in Schöneberg wohne wurde mir diesbezüglich einige Hoffnung gemacht.

Vielleicht kann ich eines Tages ausreisen.

Forchheim

20. Oktober 2010

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So schön war es heute. Was ich für eine zweite Rapsblüte gehalten habe, ist wahrscheinlich blühender Senf. Senf für den Winter als Bodenschutz.

21.10. 23:55
Am Siegestor wird nachts die Straße neu geteert.

22.10. 15:23
Ich habe den Generalschlüssel an mich gebracht, nun kann es losgehen.

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loki loki loki.jpg

Gestern hat jemand beschrieben, wie er aus Freude und Erleichterung darüber in einer fremden Stadt seinen Doppelgänger erblickt zu haben auf der Stelle hätte verdunsten können. Obwohl dieser andere ihm wahrscheinlich gar nicht so ähnlich sah dieses zweite Ich im Augenblick seines auf der Bildfläche Erscheinens alle Beschwernis der Identität des ersten an sich zog, an sich band und mit seinem Verschwinden für immer mit sich forttrug.

(ich gebe es leider schlecht wieder. Vielleicht sollte ich es auch gar nicht tun.)

loki loki.jpg  

27.10.

Formalismus
liebe nachbarin.jpg

29.10.

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30. 10.

Im Zug nach Brüssel habe ich zufällig MG und MC getroffen. Wenn MC nicht „och, die Eichwald!“ gerufen hätte, hätte ich sie gar nicht erkannt. Sie waren als schwerbehaarter russischer Künstler unterwegs mit Tambourin und Reiterhelm und saßen unter SCHWERBEHINDERTE im Wagen 33 auf den Plätzen 104 und 105. Ich hatte Reservierung für 103, neben einem großen gelben Belgier.

Heute Eröffnung der Ausstellung
Jana Euler – Form Follows Information Exchange

Wäre ich nicht hier, würde ich gern zu DL und seinem japanischen Eintopf und danach zu Pollesch mitgehen. Man weiß nicht, was schöner ist. Schwer.

31.10.

helloween.jpg

In der Rue d’Irlande

1.11.
ik-werd.jpg

Slachtoffer

2.11.

BROODING PARASITE FEEDING WEEK

bo-ullet.jpg     victor-boullet.jpg   (da ist wahrscheinlich was dran)

Der mir unbekannte Künstler V. Boullet hat sich einen Kuratoren gefangen und füttert ihn zweimal täglich mit Walfleisch.
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Amygdala

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ich ziehe das einfach mal in meinen Stall, ich hoffe der Brueterich hat nichts dagegen, Mehrfachverwertung

  1. ulfstolterfoht schreibt:
    lieber bruchsatz,

    schau mal – so müßte es gehen. allerdings bin ich jetzt der “autor”:
    http://ulfstolterfoht.files.wordpress.com/2010/11/eichwald.jpg
    – du brauchst halt eine url! grüße!

  2. Bruchsatz d. Ä, schreibt:
    Eine url brauchen und nicht haben, so doll war das Bild vielleicht auch nicht, daß ich es umständlich dem Brueterich aufzwingen muß. Aber wenn man an dem Schaufenster in der Müllerstraße vorbeikommt ist “Wir akzeptieren gerne Ihre DM” jedesmal ein Lacherfolg. Dann denke ich als Reflex: das glaube ich Euch!
    Es gibt dort noch drei weitere gelbe Ovale mit auch guten Aufschriften:

    Kette löten, Ohrlochstechen und Batteriewechsel.

  3. ulfstolterfoht schreibt:
    “kette löten” ist ein ungewöhnliches angebot. wie überhaupt das löten (1975 das bubenhobby #1) ziemlich an boden verloren hat. löten, dann lange nichts, dann guppy-zucht und fesselflugzeuge.
    (irgendwie kommt mir “kette löten” auch fast ein bißchen unsittlich vor. im sinne von
    “kette löten am entblößten hals, am spärlich bekleideten körper”. aber das können die ja schlecht anbieten. höchstens: “wir löten ihre kette mit freiem oberkörper und AUF WARTEN”)
  4. Bruchsatz d. Ä, schreibt:
    Bei uns zu Hause schlich einen Sommer lang ein Junge aus dem Heim herum. Er galt als sehr gefährlich, brachte uns das Stehlen bei und allerhand versaute Ausdrücke. Unter anderem: Paß auf, ich komme dir gleich die Rosette verlöten. Ich wußte nicht, was das ist, ich dachte an flüssiges Blei oder Erz, das einem irgendwo reingegossen wird. In Wahrheit denke ich es aber jetzt und was ich mir früher darunter vorgestellt habe, weiß ich nicht mehr. Ich war recht froh, als der Junge wieder im Heim war. Das weiß ich.
  5. ulfstolterfoht schreibt:
    wir hatten einen “jungen”, den sohn des “meisters”, der kam wie ein blitz von irgendwoher (mülleimern) und fragte einen so lange aus, also eine stunde lang, bis man ein vergehen gestand, das man gar nicht begangen hatte, z.b. auf dem kickersplatz ein eis gegessen und die verpackung NICHT in den mülleimer geworfen zu haben – was man in wirklichkeit niemals getan hätte. daraufhin schlug einem “der junge” in den bauch und ins gesicht. das hätte er ohne dieses eingeständnis aber auch getan. es war eine verlier/verlier-situation. dieser “junge” war, nach einschätzung unserer mutter, krank und nicht ganz zurechnungsfähig. nach meinem heutigen kenntnisstand war dieser “junge” ein arschloch, aber tatsächlich krank. solche “jungens” gab es früher sehr oft, heute wohl nicht mehr so häufig.
  6. Bruchsatz d. Ä, schreibt:
    top

Gastbeitrag von David Lieske

19. Oktober 2010

new york bericht

nun sollte ich also in die stadt in der sich meine karriere und mein lebens glueck entscheiden sollte. alle meine freunde waren sich darueber einig das new york „die stadt“ fuer mich sei.
schon der abschied kam mir eher wie eine entsendung vor. ich wurde ausgestattet mit euphorischen prophezeiungen, darueber wie sich mein leben ab dieser entscheidenen weichen stellung nun wohl  aus gestallten wuerde.
ein ganz neues lebens gefuehl, neue einsichten, liebe, geld und erfolg wurden mir in aussicht gestellt. die zusammen arbeit mit dem brand neuen jung galeristen in der upper eastside wurde mir allerseits als genie streich angepriesen. der abflug war dann einfach. direkte maschine berlin – new york ohne zwischenlandung 6 filme halb gesehen. darunter viele lieblingsfilme wie zum beispiel „the nanny diaries“ in der  scarlett johanson die nanny der ehemaligen gagosian gallery direktorin spielt. das ist genau was ich sehen moechte jeden tag und stundenlang. immer wieder versucht  scarlet johanson einem  das richtige leben im falschen zu erklaeren in den schoensten bildern mit den schoensten menschen im hellsten sonnenschein. ueber das immer klare wetter und die beeindruckenden licht verhaeltnisse hatte ich ja schon viel gehoert. die unmenschlichkeit der verhaeltnisse, auch was das wetter betrifft, laesst sich im film genauso so leicht wie in der sprache manipulieren.
sehr gute einstimmung auf meine neue heimat: die upper eastside. dann quer gesehen „the wizard of oz“ und schon auf das neue john waters buch gefreut das ich gleich nach meiner ankunft vor hatte zu kaufen.
ich hatte ein wenig vergessen das new york ja als das epizentrum der kunstgeschichte und gegenwart gehandelt wird und eine ausstellung dort sowas wie etwas besonderes ist, das man seinen eltern eine karte schicken sollte damit sie wissen das es weiter geht und sie sich keine sorgen machen brauchen. das hatte ich wirklich vergessen oder verdraengt, obwohl mir das ja auch schon andere leute gesagt hatten zum beispiel das es jetzt eben „richtig los ginge…“ ich hatte das wohl nur geschafft komplett zu irgnorieren weil meine angst vor der reise einfach groesser gewesen war. das war wohl auch der grund warum ich keine ausstellung vorbereitet hatte. sondern nur einige nicht zwingend zusammen haengende gegenstaede eingepackt hatte von denen ich mir vorstellte sie vielleicht ausstellen zu koennen.
der erste punkt auf meinen social calender sollte ein welcome bbq in der galerie sein zu dem ich auch meine alten musik freunde einladen durfte… auch die anderen deutschen die grade auf der durchreise oder verliebt waren kamen alle vorbei. immer dann, wenn ich auf die frage was ich denn ausstellen wuerde mit „keine ahnung“ antwortete sah ich in panik verzerrte gesichter. einige menschen warnten mich an diesem abend auch schon nicht noch eine chance in den wind zu schiessen und eigentlich  niemand fand es lustig oder besonders clever das ich wenig bis garnicht vorbereitet angereist war.
das gehoert sich hier nicht liessen sie mich wissen. bei aller transgression die man im gepaeck haben sollte (das hatten mir auch vorher leute suggeriert), in dieser stadt wird ehrliche arbeit erwartet – das waere ja wohl das mindeste.
ich fuehlte mich erstmal noch auf der richtigen seite und absolut im vorteil und kam mir so vor als haette ich alles richtig gemacht. der galerist war in den vorgespraechen immer sehr entspannt gewesen und hatte mir nie das gefuehl gegeben besonders viel von mir zu erwarten mein erster vorschlag die filme alien II und III in der galerie zu zeigen hatte ihm gefallen. er hatte sogar explizit darauf hingewiesen das er  keine „konventionelle ausstellung“ haben wolle, wobei ich mich immer gefragt hatte was das ueberhaupt sein koennte, hatte ich doch vorher immer gedacht das die kunst die ich machen wollte oder die andere machen auf deren namen wir uns geeinigt hatten mit sowas sowieso nichts am hut hatten, also die gefahr in keinster weise bestuende.
ich hatte wohl einfach nicht richtig hingehoert oder extra nur halb um mich nicht verhalten zu muessen.
am naechsten tag dann zum ersten mal ernsthaft antreten. mit grosser freude hatte ich die „lockvoegel“ auf den galeristen tisch gelegt die ich am tag vorher noch beim jaeger geschaeft auf der friedrichstrasse eingekauft hatte.
die mit samt beflockten plastik elstern konnten bei ihm leider keine grosse euphorie ausloesen und so langsam wurde mir klar das ich vielleicht doch auch ein wenig viel erwartet hatte von diesem schnellschuss.
schnell die dinger wieder in meinen kaefig gebracht, der sich direkt durch einen ikea paravon vom ausstellungs raum getrennt befand.
dann erstmal muffelig am tisch rumsitzen, googlen und bilder von haarigen maenner sortieren immer wieder drauf schauend das mich die spiegelungen meines monitors im buero fenster nicht verraten wuerden. bis zum mittagessen zeit totgeschlagen dann langsam panik ausgebrochen…..

zwei wochen spaeter:

meine situation hatte sich komplett geaendert. es war ploetzlich nichts mehr da von der anfaenglichen non productive attitude, vielmehr befand ich mich in mitten eines gigantischen produktions prozesses den ich aus angst den anforderungen nicht naeher zu kommen selbst angeleiert hatte. afrikanische stoffe waren massen weise gekauft worden. das war mir wieder eingefalen das die mir in london gut gefallen hatten und ich hatte eben gehoert in new york gaebe es alles das sich fuer geld kaufen liesse und so war es dann eben auch. die strukturen in der galerie waren einfach und hierachisch gegliedert, der galerist alex zachary war der beobachter und kontrolleur der hilflosen anstrengungen meinerseits und dem ueberaus hillfreichen galerie assistenten mathew sova der sich als absluter gluecksfall heraus gestellt hatte. ueber die massen grosszuegig ging er mit seiner bildung und intuition um. ich befragte ihn alle fuenf minuten darueber was er denn besser faende. gott sei dank hatte er immer eine schnelle antwort parat. das mag wohl daran gelegen haben das er erstens unter staendiger beobachtung des galeristen chef bosses stand und zweitens keinerlei ambitionen in irgendeine richtung verfolgte. werder hatte er den job des galerie assistenten als sprungbrett zum kuenstlertum avisiert, wie es sonst ubelich ist,  noch wollte er wirklich eine rolle spielen in der peripherie des betriebs. ich verliebte mich sofort in ihn…

FORTSETZUNG

natuerlich war es etwas seltsam das mathew und ich jetzt sehr enge freunde wurden, auch weil ich ja sozusagen neben seinem schreibtisch lebte, an dem er tag fuer tag, fuer eine miese bezahlung mir die entscheidungen abnehmen musste. eines tages nahm er mich mit zu sich nach hause, in einen sehr weit entfernten teil von brooklyn den sie „bed stuy“ nennen. „bed stuy ist ein weltberuehmtes ghetto“ das hatte mir ein anderer kollege mit auf den weg gegeben. die menschen die ich jetzt aber neu kennengelernt hatte lebten alle dort und die konnte ich mir gar nicht ghettoisiert vorstellen. das waren eigentlich eher junge menschen aus sehr guten staellen die in harvard oder an der columbia university studierten und die so ziemlich ueber jeden schnipsel bescheid wussten den irgendjemand irgendwann mal fallen gelassen hatte. dieses bed stuy sah auch gar nicht aus wie ein ghetto, viel mehr wie ein stadtteil von london in dem ich bisher noch nicht gewesen war aber den ich meinte von bildern zu kennen. die mieten sollten hier noch bezahlbar sein und der stadtteil eigentlich grundsaetzlich sicher. „afro american middle class“ hatte es ein taxi fahrer genannt mit dem ich auf einem meiner ersten reisen in dieses viertel gekommen war. ich wurde das seltsame gefuehl nicht los in dieser umgebung eigentlich eine art eindringling zu sein und musste staendig an die animation in dem film „prinzessin mononoke“ denken. an diesen seltsam riesigen hirsch der mit jedem tritt ins gruene grass eine welle des aufbluehens und verwelkens in gang setzt. zweifels frei war ich jetzt also teil dieser gentrification avantgarde die jetzt hier angekommen war um diesen stadtteil fuer immer zu veraendern, aber das sei eben die stadt, so funktioniere eben new york, das hatten mir auch immer wieder leute gesagt.
mir gefiel die upper eastside eigentlich besser, ich hatte das gefuehl dort weniger schuld auf mich zu laden. die galerie raeume gefielen mir gut. ich hatte inzwischen aus london uebrig gebliebene siebdrucke schicken lassen und ein japanisches rahmen geschaeft, das sich in dem dem stadteil mit dem vielversprechenden namen „prospect hights“ befand, gebeten dafuer rahmen mit stoffen zu bekleben und in die drucke grosse fenster in den abmessungen von kunstzeitschriften zu schneiden.
zwei wochen spaeter:
irgendwie war die ausstellung ploetzlich doch fast fertig geworden. die letzten tage waren sehr nerven aufreibend gewesen. das einzigste was mich noch zusammen hielt was das speedige pseudoephedrine im advil cold and sinus das man gegen die vorlage des personalausweises hier in jeder apotheke kaufen konnte, allerdings nur zwei packungen pro tag. die beste kombination schien mir die mit dem getraenk „dark and stormy“ zu sein, das ich bei einem besuch in rhode island mit mathew und jenny borland kennengelernt hatte. advil cold und sinus wird auch verwendet um „meth“ zu kochen dafuer hatten wir aber leider weder zeit noch talent.
alex zachary war nach „europa“ aufgebrochen und so hatten mathew und ich die galerie ganz fuer uns alleine. ich lud alle meine neuen freunde zu einem spaghetti essen dorthin ein. michael sanchez, amy lien, jenny borland natuerlich mathew und auch heji shin kamen und die bolognese gelang wie immer gut. am naechsten tag machte ich aus den leftovers der sosse lasagne in bed stuy, wo ich jetzt eigentlich immer uebernachtete. morgens fuhren mathew und ich zur arbeit in die galerie die fahrt dauerte immer mindestens eine stunde und man musste mehrmals umsteigen und dann noch ziemlich weit laufen.
die eroeffnung:
liebe michaela,
jetzt ist endlich alles vorbei. ich bin so froh das es geschafft ist. ich habe mich wirklich ein wenig verausgabt und jetzt tut alles weh so ist das ja meisstens wenn was zuende ist. die eroeffnung war schoen. jutta war da und hatte milde worte gefunden ansonsten habe ich nicht viel mitbekommen es war einfach viel zu viel und ich hatte auch schon am mittag mir nen kleinen drink genehmigt und die advil (cold and sinus) eingenommen. das abendessen war schoen genau wie ich es mir vorgestellt hatte. das menue aus grauen braunen und beigen musfoermigen gerichten sah sehr ansprechend aus und auch die warm breifoemige konsistenz dieser zubereitungen hat mich sehr zufrieden gestellt. es ist genau diese art von russich / juedisch / ostigem kram den ich mag.
ich hatte ein piano aufstellen lassen und der boyfriend von ei arakawa, sergej der bei ihm immer musik macht hatte mir einen japanischen pianisten vermittelt der auf dem piano ein paar 12 ton
kompositionen gespielt hat. er hatte auch einen new york times artikel ueber sich  dabei den er vom piano aus wie flugblaetter an die gaeste verteilte. es war wirklich gut … dann wurde es spaeter ein wenig langweilig und ich mochte den vodka nicht (er hatte komische geschmacksnoten wie zum beispiel whore reddish oder bulk cherrie) sowas mag ich gar nicht.. dann hatte ich eben gin tonics bestellt. anschliessend sind wir in eine bar dort durfte ich aber nicht rein weil ich meinen reise pass zuhause vergessen hatte. mathew durfte auch nicht rein – zu betrunken. am ende sind wir wieder in die galerie mit drei freunden wo ich bis morgens um zehn die reste der drinks von der eroeffnung getrunken habe… am naechsten tag ging es mir sehr schlecht. meinen flug habe ich jetzt auf den 20. oktober verschoben mal sehen was ich ueberhaupt bis dahin hier mache. leider habe ich auch gar kein geld mehr mal sehen wie das wird. sicher ein wenig weird. gestern habe ich eine ausstellung von katharina wulf gesehen und auch christopher mueller der eigentlich ganz freundlich war, bis ich sein zimmer in der berliner galerie beleidigt habe, weil ich sagte das es so aehnlich waere wie ich jetzt wohnen wuerde nur das mein zimmer schon ein bisschen schoener sei… egal..wie auch immer. heute wollte er schauen kommen. ich muss nach queens um mich mit jutta zu treffen sie hat einen auftrit mit triple x macarena den moechte ich sehen. das ist die band mit john miller und dem alten componisten den auch buchholz ausstellen. heute abend ist der danh voh kram im artist space ich moechte nicht hingehen muss aber weil ich dort essen muss weil ich mir sonst kein abendessen leisten kann. eigentlich moechte ich wieder ins bett gehen aber gleich kommt die bortolozzi und wir sollen mittagessen
gehen …ich hatte noch kein fruehstueck also warte ich drauf und gehe dann wieder pennen. ich war hier im museum (http://www.frick.org/) das war alles ein wenig zu schoen aber es gab wirklich auch sehr tolle gemaelde. ich wusste gar nicht so genau wie schlimm eigentlich die bilder von turner sind …warum moegen menschen das ?
ein gemaelde hat mir besonders gut gefallen es zeigt eine frau in einer art nebeligen dunst handarbeiten verrichtend. im hintergrund ist ihr baby zu sehen. das baby sieht aus als wenn es kuerzlich verstorben waere und es niemanden so richtig zu kuemmern scheint. es sah sehr friedlich aus und die art der gleichgueltigkeit hatte ich so noch nicht gesehen in einem so alten gemaelde obwohl man das ja auch manchmal bei ikonen sieht wenn die maria das jesus kind so haelt als das man denken muesste sie ist total auf valium und wahnsinnig genervt von ihrem alberne job vom heiligen geist geschwaengert worden zu sein (ungefragt) und jetzt muss sie fuer den rest ihres lebens die heiligste frau der welt sein und dieses hysterische blag durchfuettern das von aller welt angebetet wird und staendig in schwierigkeiten steckt. ich wuensche ihr eine gute betaeubung. ich brauche auch eine !

Kurioses aus den Archiven I

12. Oktober 2010

September 2003 in Texte zur Kunst

Agricola-Strecke1.jpg  Agricolas-Dunst2.jpg

Agricolas-Dunst3.jpg  Agricolas-Dunst4.jpg

Strolling

6. Oktober 2010

agreed.jpg  licensed.jpg halt mich feste.jpg cemen.jpg diversity.jpg  dont go zombie.jpg bullring.jpg

mo.jpg  what?.jpg kraehe und eichhoernchen.jpg bournville.jpg  big bull head.jpg
gruss an claus richter!.jpg  leaving.jpg hopefully.jpg towards center of B.jpg canal.jpg
univ1.jpg touch ma hall.jpg

 gossip and conspiracy are soo niller-years

erzählen wir uns lieber von unseren Krankheiten.
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 International Projekt Space current

[IMG] 26_morror_4.jpg         27-Oct-2010 16:37   126k
[IMG] 26_morror_5.jpg         27-Oct-2010 16:37   119k

Ich schreibe wie eine Haubitze

2. Oktober 2010

– Anzeige –

morror.jpg

Morror

Michael Krebber and Michaela Eichwald

NOTICES: Ruairiadh O’Connell

6 October to 6 November 2010

Opening Reception Wednesday 6th October, 5 to 7pm

International Project Space* *School of Art Bournville Birmingham Institute of Art and Design Birmingham City University Maple Road, Birmingham B30 2AA T: +44 (0) 121 331 5763 F: +44 (0) 121 331 5779* *E: info@internationalprojectspace.org W: www.internationalprojectspace.org

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Das macht Spaß

FAS

“Testen Sie sich jetzt auf www.faz.net/ichschreibewie: Was auch immer Sie schreiben, ob Briefe, E-Mails, Blogeinträge oder Tagebuch: Geben Sie den Text bei uns ein. Sie brauchen sich dabei nicht kurz zu fassen. Je länger der Text, desto zuverlässiger das Ergebnis. Unsere Maschine wird Ihnen dann die Diagnose stellen.”

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Hey!

Johann Wolfgang von Goethe