Gedanken am Sonntag

25. Mai 2009

von Peter Hahne

Gestern sah ich den glutroten Sonnenball vom Flakturm des Hochbunkers im Humboldthain aus untergehen.

Als ich das Fahrrad im Hof anschloß und durch die Hintertür rein an den verdreckten Kinderwägen vorbei überlegt habe, die auf den Boden geschmissenen Einkauf-Aktuell in den Müll zu werfen dachte ich, kann mal ein anderer machen. Die Treppe hoch plötzlich traurig geworden als mir einfiel: ich verstehe das Leben nicht. Dann: das ist ja vielleicht auch ein bißchen viel verlangt. Dann, als ich die Tür aufschloß: ja, gut, aber ich verstehe ja MEIN Leben auch überhaupt nicht, ich stehe daneben und verstehe überhaupt nicht, was es ist, was es soll, was ich soll.

Daß das jetzige Leben schon das richtige ist, man nicht warten kann auf ein anderes, was erst käme und sich einstellte, das richtigere. Die Einsicht, daß das eigene Leben gleichzeitig gelungen wie verpfuscht ist. Hat mich eigentlich fast getröstet?

Ich möchte eine der wenigen verbleibenden Gelegenheiten wahrnehmen und die Vorlesung meines alten Professors in Köln besuchen und schaue nach, wo er dieses Semester liest und hoffe nicht im fensterlosen Trakt des Philosophikums, ein Glück im Hörsaalgebäude.

Raumbelegung Hörsaal G, Woche 22

Beim Studium der Raumbelegung habe ich praktisch Lust, zu JEDER Veranstaltung zu gehen. Besonders gut paßt und klingt die Ankündigung zu

Die Zeit, der Tod und die Hoffnung: Eschatologie

„Die Teildisziplin „Eschatologie“ ist bewegt von der Frage, ob es für unser Dasein etwas zu erhoffen gibt, das nicht wieder schlechtgemacht werden kann. Kann menschliches Leben bleibend gelingen, bleibt eine gescheiterte Existenz unabwendbar ein verfehltes Leben? (…)“

Der Dozent hat ein Buch geschrieben mit dem schön rätselhaften Titel Versprechen. Das fragwürdige Ende der Zeit.

Dienstag um 10.

Die Martinshörner in Berlin sind viel zu laut.

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Morgen: Aus dem armen Armenleben gar nicht oder nur so berichten, daß es andere nicht unangenehm berührt, ist nicht der Weg.

ÖPNV

21. Mai 2009

bei-dreetz.jpg        Wappen_Breddin.png        seneca.jpg

Von Breddin Schienenersatzverkehr nach Nauen zur Weiterreise.
Die Weisheiten im Regionalzug scheinen neu zu sein.

Ich wollte den Mann gar nicht fotografieren, sondern die Namen der Orte auf den Verkehrschildern draußen. Dann war das Foto aber zu gut geworden. Was setzt der Knilch sich auch in meine Blickrichtung, es war praktisch alles frei.

Das war noch gar nicht fertig.

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17.2.15

Weltgeschichte u. Heilsgeschehen, Urban-Taschenbücher Nr. 2

12. Mai 2009

Auf dem Weg nach Dahlem Dorf

fliederallee1.jpg    gut.jpg  geselinge.jpg Tuchintarsienausstellung so dunkel, daß man fast nichts erkennt und etwas sinnlos bombastisch auf bombastischen Trägern präsentiert, trotzdem sehenswert und das Dorf Dahlem löst ein schönes Feriengefühl aus, wir werden alle sterben

und dann leider hier  imbiss-dahlem.jpg

die schlechteste Currywurst und leider auch die schlechtesten Fritten und die schlechteste Soße gegessen. Ich stellte mir vor, der Mann in der Reetdachbude wäre vor kurzem Witwer geworden. Er machte alles falsch, was man falsch machen kann ohne vielleicht etwas dafür zu können, streute Paprikapulver statt Curry über die Wurst, die er wahrscheinlich morgens früh schon zeitig gebraten hatte und dann spät nachmittags in die Friteuse zu dem alten Fett in die Fritten tat. Beim ewigen Warten, Bobby saß draußen auf der Bank, mußte ich das Herumnölen von 3 mittelbürgerlichen mittelalten Berlinern am Stehtisch mit Wachstuchdecke, Feuerzeuge mit Hülle mittig abgelegt auf den Zigarettenschachteln anhören, eine Beschwerdeführung über Dinge, die so nebensächlich sind, daß man richtig wütend wird sich dem ausgesetzt zu sehen; blöde laute bösartige Reden über Flachbildschirme und anderes technisches Gerät, das natürlich nur erfunden wurde, um sie großräumig zu bescheißen und auszutricksen, kein irgendwie lustiges Wort oder Bewußtsein, ein preußischer Stumpfsinn, wobei ich nicht sagen kann, was das Preußische sei. Das Preußische ist, dachte ich, nur keine Freude aufkommen zu lassen und möglichst auch alle anderen davon zu überzeugen, daß es hauptsächlich darum geht, bloß keine gute Laune aufkommen zu lassen in der Kommunikation, weder sich gegenseitig noch sich selbst noch die Situation als Vergnügen zu empfinden und ins Freundliche, Lebendige drehen zu wollen, jetzt nicht und gleich nicht, nämlich niemals, und zusätzlich überhaupt nicht das Geringste von dem zu bemerken, was sie da anrichten und wie greulich es auf die Unschuldigen abstrahlt und sie zersetzt.
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lieber Ritter,

ich glaube der Knochenmann könnte schwer nerven,
sehen wir lieber Michi, die blinde Schwertkämpferin

michi-die-blinde-schwertkae.jpgoder diesen Film ich.jpg noch lieber diesen uhu-gib-auf.jpg

der Phantomschmerz macht mich verrückt. Ich möchte ans Fenster treten und herunterfliegen wie ein Mauersegler und auch so schreien. Gestern abend im Schillerpark habe ich sie gesehen. Sie sind bereits hier. Auf einer großen Düne errichtet, weit flog der Sand, als der Wedding noch mit Windmühlen betrieben wurde.

bis später
Michi

mauersegler.jpg

Mauersegler sind das ganze Jahr über gesellig und leben zur Brutzeit im Regelfall in Kolonien, in denen viele Aktivitäten synchron sind. Besonders auffallend sind die nur bei gutem Wetter vorwiegend abends zu sehenden sozialen Flugspiele, die sogenannten „Screaming Parties“, die von lauten Rufen begleitet sind. Dabei bilden die Vögel einen mehr oder weniger geschlossenen Schwarm, der zeitweilig in großer Höhe kreist und wiederholt mit rasanter Geschwindigkeit dicht an den Nistplätzen vorbeifliegt. Daran beteiligen sich alle Vögel der Kolonie, auch die Brutvögel und im Spätsommer die flüggen Jungen. Bei diesen Flugspielen sind sehr komplexe Flugmanöver zu sehen, teilweise erinnern diese an die Balzflüge. Auf die „Screaming Parties“ folgt oft unmittelbar das Aufsteigen zur Nächtigung in der Luft.

Hallo, wieviele Leute wären das wohl zur Screaming Party? die Wohnung ist nicht so groß. Man könnte die Sachen von der Uhutrust art-Seite auf die Wand machen mit dem Beater und vielleicht paar Heffs dazuhängen, wenn es nicht schon morgen ist, sondern vielleicht Samstag/Sonntag/Montag, Vortrag halten kann ich eher nicht, sondern mir kommt es jetzt vor, wie meine Ärmlichkeit auszustellen als warnendes Beispiel für die Studenten es SO nicht zu machen wie Frau Eichwald.

ich weiß nicht, ob du meine Telefonnummer hast? 769746937697279896375497687608 gern bald treffen, mit und/oder ohne Studenten

m

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ich dachte heute mal hierhin:

60jahre-60werke

fucksounddesign fängt ungefragt von selber an und dann kommt auch schon Lüpertz, „grandios“

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Ich empfehle

21:30 Kino Krokodil

Berlin – Prenzlauer Berg. Begegnungen zwischen dem 1. Mai und dem 1. Juli 1990, BRD 1990/1991, s/w, 78 min Regie: Petra Tschörtner

Leider nur DVD weil es nur eine Filmkopie gibt und die gehört dem Bundesarchiv.

Wie ein Mann mit hellster Stimme „Unsere Heimat“ singt und so klingen will, wie original das hellsingende Kind, die Filmemacherin läßt ihn das komplette Lied singen vor dem Wiener Café, da war ein Geburtstag, der auch nicht schlecht war. schön strack wackeln sie gemeinsam dahin. Wie zutraulich die Ostler waren.  Eine ganze Kultur ist untergegangen, sagt Ritter. Was wohl die unter 30jährigen oder 20jährige erst denken, wenn sie so einen Film sehen.

0:40 Kalliolle kukkulalle von unsre Heimat über Oktoberklub, Hier wo ich lebe, Wir sind überall, Ernst Busch, Stukalied, NVA Anthem, ich hatt einen Kameraden, Du hast ja ein Ziel vor den Augen, Thälmann ist niemals gefallen, jetzt Bundeswehr Hamburg Oh du schöner Westerwald Eukalyptusbonbon, YouTube ist die beste Erfindung der Neuzeit und natürlich das Streichholz, Herr Krallowski.

Mielkes Schihens und sogenannte Kuffits

Maeterlinck

10. Mai 2009

maeterlinck.jpg

    heute-morgen.jpg       igel.jpg   

untersetzer.jpg

Wohin soll ich mich wenden

28. April 2009

Ich fahre herum und weiß nichts, mir ist ´s als trüge ich ein totes Kind umher, schon länger. Wofür eine Kraft aufwenden, wenn ich eine hätte. A schrieb was Gutes, ich möchte so gerne dran glauben, ich glaube es auch, aber es gilt nicht für mich, es nützt mir gar nichts, auch wenn andere es glaubhaft bestätigen, ich glaubte es gern:

die grundlegende annahme MUSS doch sein
es ist interessant was man geschrieben, gezeichnet, verbrochen hat, und zwar nicht so, weil man selbst darin interessant ist
sondern weil sich ja darin, in dem was hergestellt wird, das neue bereits finden lassen könnte
von jemandem anderen
oder der hinweis,
nur mit diesem vertrauen kann man doch ohne allzu schweres herz ein gespräch beginnen
nicht weil man sich mitteilt, sondern weil es eine mitteilung ist
und die benötigt doch eben, dass jemand sie tätigen kann, tätigt, sich eben auch dahin stellt und
spricht oder zeigt oder vorführt
ich glaube im übrigen gar nicht, dass darin so ein wilder wunsch ist auf sich hinzuweisen
sondern ein, wie demokratisch verraten auch immer es sein mag,
grundvertrauen auf die möglichkeit des fantastisch sozialen, das daraus entstehen mag
vielleicht ist berlin in der hinsicht also bloss ein wenig utopischer

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25.4.09.jpg

Antwort           Antwort

doch, mir nützt es schon,

ich habe um den Geburtstag herum immer so ein heulendes Elend, bin nicht sicher, ob weinen hilft, mir ist alles im Moment verleidet, aber es hilft schon es so sehen zu können, wie du (das MUSS), ja, man MUSS davon ausgehen, sonst wäre alles immer nur hinfällig, ich bin schon oft glücklich gewesen, schon weine ich wieder bei so einem Satz, ich lache auch über meine Weinerlichkeit, seit neuestem ist mir aber auch die Wohnung verleidet, ich habe, du hast von Vertrauen gesprochen das Soziale und Fantastisch, ich habe es damit nicht so, womit habe ich es denn, frage ich mich, mir fehlt Vertrauen, ich habe weder Ur- noch Grundvertrauen, aber dann in Situationen Vertrauen in die Situation und in mich auch, weiß nicht woher,

ich wollte einen Mietvertrag abschließen für ein Atelier in der Klosterstraße, habe ich vielleicht erzählt, es ist nicht schön und mir fehlt sowieso das Geld, dann noch hörte ich ein so furchtbares Kontrakt-Gespräch mit einem ca. 33jährigen Kreativen, der da gleich 3 große Ateliers mietet für sich und seine kreativen Berliner Freunde, wo sie dann wahrscheinlich wahnsinnig schöne, sinnliche Sachen machen werden, gehe ich jedenfalls stark von aus, der sagte „easy“ und „Du, hey, ganz kurz“ usw. – was soll man machen, außer ihnen Platz zu machen? ich werde ihnen nichts entgegnen können. Meine Verachtung stört sie wenig. Man könnte sie vielleicht schlagen. Ihnen die Hosen wegnehmen.

Ich habe ganz leicht Fieber und meinen Geburtstag im Magendoktor zugebracht, das war sehr körperlich, auch ziemlich toll (Jukebox mit sehr guter Bestückung), aber hinterher wollte ich nicht mehr so gern dran denken. Das lag hauptsächlich an den doch sehr hartnäckigen Schultheißschmerzen. Ich habe einen kleinen Totschläger kennengelernt der in Tegel saß, 5 Jahre, in Haus 2 (alter Teil). Ich fragte: Was hast du gemacht? Er hatte aus Wut besoffen einem einen großen Aschenbecher von vorne ins Gesicht gerammt. – Und dann ist der gestorben? – Ja, leider.

Ich fand 5 Jahre wenig. Und es ist auch schon lange her, 1982 war das gewesen. Jetzt ist er 51 und er hatte ein Hertha-T-Shirt an. Ich fragte, ob es die Hertha-Frösche noch gebe. Na klar! Er sei ja selber einer.

1990 im Hühnerperk

20. April 2009

im-huehnerperk.jpg

war das Leben auch nicht einfacher

Maienwerder

11. April 2009

Hin den kleinen Weg an der Mauer der JVA entlang nicht gefunden, der durch den Wald zur Fähre nach Maienwerder führt. Die Justizvollzugsanstalt Tegel ist das größte und eines der ältesten Gefängnisse Deutschlands; im Moment 1606 erwachsene männliche Inhaftierte, 822 Angestellte und Beamte. Baubeginn 1896, erste Belegung im Königlichen Strafgefängnis Tegel Oktober 1898.

Es war bereits halb 5 als der Fährmann mit dem Tretboot kam, Gäste zurückfuhr, neue aufnahm und zur Insel brachte. Bald möchte ich wiederkommen, einen Platz im Leben finden, in der schönen Hütte schlafen, oben, und ca. 9 Jahre alt sein.

10.04.09.jpg  faehre.jpg  tretboot-kommt.jpg  hu-ette.jpg

Heute Abend möchte ich zu einem Osterfeuer gehen, weiß aber nicht, ob es in der Region hier überhaupt Brauch ist.

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12.4. Ostersonntag

Ich hatte es für eine gute Idee gehalten, zu Ostern einen Vortrag des Philosophen Steinweg in der Brunnenstraße anzuhören und habe mich dabei wieder so verfahren, wie es eigentlich nicht möglich ist. Ich muß doch eigentlich nur am Humboldthain vorbei, bin dann aber ganz kompliziert und widersinnig am Elisabethkirchplatz rausgekommen, kurios, bis dann wieder zusammenfällt, was sich nicht verträgt, die Menschenscheu und zu spät kommen zum Vortragsort und die Leute da wie die Ölgötzen im Glaskasten sitzen, frontal zur Straße gewandt und recht viele nah beisammen, da kann ich dann leider nicht reingehen. (auch um die Veranstaltung nicht zu stören.) Ach ist das ärgerlich. Der Mann behauptet nämlich allerhand und ich hätte gern gewußt, was heute. Was ist Philosophie, heißt der Vortrag. Er sagt, er wüßte es. Ich weiß es auch.

zeit ist angstgnade.gif

Philosophierende oder Philosophen behaupten gerne von anderen, die sich Philosophen nennen, sie wüßten ja gar nicht, was Philosophie ist. Aber meistens nur, wenn sie was wollen und sich deswegen auffällig machen müssen. Ich habe nichts dagegen, wenn jemand was will, mir sind die Gründe die er dafür hat nur nicht egal.

Halt! – Nicht wegwerfen

9. April 2009

 

halt-nicht-wegwerfen.jpg     halt.jpg

darf ich dein foto: HALT – NICHT WEGWERFEN! abzeichnen, mit folgendem Titel versehen: „Zeichnung nach einer Fotografie von M. Eichwald mit dem Titel HALT – NICHT WEGWERFEN“, und als kommentar zu dem jandl-gedicht KOMMENTAR einreichen, das ich kommentieren soll?

das gedicht geht so:

kommentar

dass niemals
er schreiben werde
seine autobiographie

dass ihm sein leben
viel zu sehr
als dreck erscheine

dass auch nur wenige
punkte, blutige
er noch erinnere

dass aber niemals
er zögern werde
in den dreck zu fassen

um herauszuziehen
was vielleicht
einen stoff abgäbe

für poesie
seinen widerlichen
lebenszweck

das darfst du, ich will Dir allerdings sagen, daß das Foto wiederum zurückgeht auf eine Postkarte glaube ich, von Kippenberger, vielleicht Anfang/Mitte 80er Jahre. Und zeigt eine Seihe in rot auf weißem Hintergrund und da steht drauf: Nicht wegwerfen! Kann man doch noch für Nudelauflauf gebrauchen. Oder so ähnlich. Jetzt weiß ich nicht, wie man das darstellen soll. Und ob der Hintergrund so noch schön ist für dich.
mk nicht wegwerfen.jpg

ach, das ist doch sehr, sehr, sehr gut! ich bekam ja das gedicht zugeteilt. und fand es nicht so — also, ich selbst hätte mir ein anderes jandl-gedicht ausgesucht. und ich fands auch komisch, dass ich auf einen kommentar einen kommentar schreiben soll, und dann ist die antwort ja: ein kommentar zu kippenberger, zu eichwald, zu rinck, zu jandl – also wenn ditt ma keine genealogie ist! hier ist es übrigens.


HALT-zeichnung.jpg

Villa Elisabeth

7. April 2009

inger-christensen.jpg       villa-elisabeth.jpg

Marcel Beyer hatte begonnen zu lesen und es kam zu einer kleinen Zwischenansprache: Inger Christensen hätte mal gesagt, sie wolle eigentlich am liebsten so dichten wie Oskar Pastior, das wäre ihr das Schönste. Das hätte sie gesagt, 3 Wochen bevor Oskar Pastior gestorben ist und hatte dann tatsächlich auch auf deutsch gedichtet und wenn man dann noch wüßte, daß – das habe ich nicht genau verstanden, wer jetzt wem was gewidmet hat — jedenfalls kam jetzt zu dem toten Oskar Pastior und der toten Inger Christensen noch der tote Thomas Kling als wiederum Bewunderer von Inger Christensen ins Spiel, da würde es einem nur noch unheimlich, sagte Marcel Beyer und man verspürte es auch. Und in dem Moment, als er anfing das unheimliche Gedicht zu lesen, zu dem er diese Einleitung gesprochen hatte, ernst und unprätentiös, fuhr plötzlich die Frau dem sehr nahe neben mir auf der Empore sitzenden Mann in seine halblangen Haare und begann darin mit schnellen kurzen Bewegungen wie verrückt herumzukraulen, mehr fast zu kratzen, was ich aus den Augenwinkeln sah und was ein so abscheuliches Geräusch ergab, daß ich es nicht beschreiben kann und auf der Stelle auch verrückt wurde. Das Knistern der Haare und wie die Fingernägel die Kopfhaut beharken und die Haare auf den Kragen fallen, sie hörte damit nicht eher auf, bis Marcel Beyer dieses unheimliche Gedicht und noch 2 weitere gelesen hatte, denen ich überhaupt nicht mehr zuhören konnte.

Als der Lesende dann fertig war und sehr schnell vom Lesetisch zu seinem Stuhl in der ersten Reihe hinrannte, nahm die Frau schnell ihre Hand aus den Haaren des Mannes heraus, um zu applaudieren.

Ausstellung

3. April 2009

DV-dog1.jpg DV-&.jpg   wol-s.jpg  DV3.jpg  DV1.jpg Magier-Callies.jpg

Geht bis 17. Mai 2009

~

Der Katzenbetreuer hatte meinen Schlüssel zur bequemen Abholung in die Tag-und-Nacht Gastwirtschaft Magendoktor am S-Bahnhof Wedding zur Aufbewahrung gegeben. Das war eine gute Idee. Als ich reinkam lag ein Gast schlafend auf dem Tresen, die anderen seinsvergessen und knutschend auf dem Billardtisch. Dann kam ein großer Jagdhund und brachte mir einen abgekauten Fußball. Ich wartete an der Theke und hielt nach Wirt oder Wirtin Ausschau, bis sich eine ca. 60jährige Frau von ihrem Freund löste und mir mit so freundlicher Ansprache meinen Haustürschlüssel aushändigte, daß ich fast geweint hätte. Es klingt hier nicht richtig wiedergegeben, es war aber so, daß sich eine regelrechte Freude eingestellt hat, hierhin nach Hause zu kommen.