An den unbekannten Interessenten

vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Klasse.

Wir hatten dieses Jahr 1300 (online) Bewerbungen, davon werden ca. 110 nach einem aufwendigen Bewerbungsverfahren insgesamt am Institut für Bildende Kunst aufgenommen.

In unserem Fachbereich (Klasse Abstrakte Malerei) machen dieses Jahr 4 Personen Diplom, 8 haben wir zu Gesprächen eingeladen, aufnehmen möchten wir am liebsten auch nur 4, es werden aber sicher mehr, weil wir so weiche Herzen haben. Um gute Arbeit in der Klasse zu machen, wären 20, höchstens 30 Personen ideal. Wir haben jetzt schon über 40, andere Malerei-Klassen teilweise über 60.

Ich beschreibe Ihnen das, damit Sie verstehen können, daß es nahezu unmöglich ist, Seiteneinsteiger von anderen Akademien zuzulassen, die mit ihrem Studium unzufrieden sind. Es ist erstens nicht gerecht gegenüber denen, die das Bewerbungsverfahren durchlaufen, zweitens platzen die Werkstätten und Ateliers jetzt schon aus den Nähten.

Ich habe mir Ihre Arbeit angesehen und finde Sie vielversprechend!
Wahrscheinlich brauchen Sie uns gar nicht.

Alles Gute und viel Erfolg!

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Alles andere: es gibt keinen Erfolg. Es gibt immer nur das bißchen, was man tun kann. Das wollen wir tun.

Oder lassen?


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Henri Matisse, The Red Studio. (1911)


12 Reaktionen zu “An den unbekannten Interessenten”

  1. admin

    Thank you for your interest in our class.

    We [the IBK] had 1300 (online) applications this year, of which about 110 will be admitted to the Institute of Fine Arts in total after an elaborate application process.

    In our department this year 4 people are doing diploma, 9 we have invited for interviews, we would like to admit even only 4, but it will be more for sure because we have such soft hearts. To do a good job in the class, 20, at most 30 people would be ideal. We already have over 40 now, other painting classes sometimes over 60.

    I describe this to you so that you can understand that it is almost impossible to admit lateral entrants from other academies who are dissatisfied with their studies. First, it is not fair to those who go through the application process; second, the workshops and studios are already bursting at the seams.

    I’ve looked at your work and find it promising!
    You probably don’t need us at all.

    All the best and good luck!
    M.E.

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    Everything else: there is no success. There is always only that little bit that can be done. That’s what we want to do.
    Or?

    Translated with http://www.DeepL.com/Translator (free version)

  2. admin

    Leuchtender Prachtbecher

    Foto Ralf Da

    Ein dringender Appell an unsere User.

    In letzter Zeit häufen sich Bestimmungsvorschläge, die kilometerweit weg von der Realität sind.
    Jeder kann sich mal irren oder aus falscher Überzeugung antworten. Ist mir auch schon passiert und nicht schlimm.
    Allerdings ist das hier nicht „Rate mal mit Rosenthal“ und Bestimmungen werden auch nicht per demokratischem Mehrheitsbeschluß vorgenommen.
    Denkt bitte daran dass ein Fragesteller, wenn er mehrere verschiedene Vorschläge bekommt, genau so schlau ist wie zuvor.
    Also bitte die eigene Idee zuerst mal selbst recherchieren, ob das überhaupt zutreffen kann und/oder einen Vorschlag im Konjunktiv verfassen bzw. als ungesicherte Vermutung äußern.
    Sollten wir das nicht in den Griff bekommen, werden wir entsprechend User aussortieren.

  3. admin

    1990
    Theweleit, Syberberg, Mittenzwei, Edith Clever, Susan Sontag mit eigener Simultanübersetzerin. Präsident Heiner Müller. Zu Syberbergs Hitler-Film. Theweleit mit Mammut-Schulterpolstern. Bernhard Sobel. Luc Bondy.

    very interesting.

  4. admin

    Syberberg schreibt auch immer noch Tagebuch

    http://www.syberberg.de/Syberberg4_2022/index2022.html

    jknjn

    23.5.22

  5. admin

    Heute Vollversammlung

    Ein Glück war Mitarbeiter Duster da und berichtet uns.

    solche Versammlungen sind am schönsten, wenn man ohne Funktion ist und einfach da sitzen kann. Sich aussetzen und aufnehmen, ohne belangt zu werden. Wie früher in den Vorlesungen. Herrlich
    (Seminare war schon heikler.)

  6. admin

    das schon eingepfiffen?

    https://www.arte.tv/de/videos/100245-001-A/ist-das-kunst/

    4 Teile a 27 minuten

    (klar, es werden immer nur die gezeigt, die sich – mehr oder weniger gerne – zeigen lassen.
    Manche unwahrscheinlich gerne. stöhn
    Stützkauf, ha ha ha.)

  7. admin

    „Ohne Befund“
    jippieh

    nkjönljbhbjöjk

    außerdem

    https://www.zeit.de/kultur/2022-05/mckenzie-wark-kapitalismus-kritik-philosophie/komplettansicht

    ZEIT ONLINE: Was ist denn die Ware, die die Hackerklasse heute produziert? Information?
    Wark: Man könnte noch grundsätzlicher sagen: Sie produziert Differenz. In einer Fabrik wurde stets Gleichheit hergestellt, normierte Ware, die einander möglichst ähnlich sein sollte. Und die Arbeiter sind auch einander gleich und damit jederzeit ersetzbar, das ist der Trick der Kapitalisten. Heute ist das anders: Die vektoralistische Warenproduktion dreht sich um Unterschiedlichkeit. Denn was ist Information? „A difference which makes a difference“, so hat der Theoretiker Gregory Bateson den Begriff einmal definiert.
    ZEIT ONLINE: Der Arbeiter soll also möglichst gleich sein, der Hacker möglichst unterschiedlich?
    Wark: Ja, das wertvollste Gut, über das Digitalarbeiterinnen und Digitalarbeiter verfügen, ist ihre Individualität. Das ist die Ressource, die Vektoralisten ausbeuten. Deswegen ist heute diversity so wichtig. Es lässt sich viel mehr Differenz aus den Köpfen von Frauen gewinnen, wenn sie sich am Arbeitsplatz sicher fühlen und nicht belästigt werden. Auch queere Menschen werden immer mehr einbezogen. Am Arbeitsplatz werden wir also zu Unterschiedlichkeit ermutigt. Man feiert die Differenz geradezu. Aber eben nur, solange sie kommodifiziert werden kann. Jede Form von Differenz, bei der das nicht geht, wird weiterhin geschmäht. Und dort, wo die Verschiedenheit im Vordergrund steht, untergräbt sie leider die Idee der Solidarität, wie sie noch in der industriellen Arbeiterklasse möglich war. Grundsätzlich glaubt man in der Hackerklasse, die eigene Verschiedenheit mache einen ganz besonders – dabei ist die Verschiedenheit ja gerade der Marker der gesamten Klasse.

    (…)

    Welcher Aspekt der Algorithmen besorgt Sie denn tatsächlich?

    Wark: Dass wir ihnen gegenüber unser Begehren artikulieren – oder es jedenfalls versuchen – und sie in Echtzeit mitschreiben. Eine Zeit lang gab es ein Suchmaschinen-Plug-in namens Magellan, dort konnte man live lesen, wonach die Leute suchen. Es brach mir das Herz zu sehen, dass Menschen gar nicht richtig formulieren konnten, was sie wollten. Es fehlte ihnen das Vokabular, sie wussten nicht, wie man die Worte richtig schreibt. Viele suchten nach bestimmten Pornopraktiken, ohne den Begriff dafür zu kennen. Andere hatten Suizidgedanken. Die Sehnsüchte der Menschen in Echtzeit mitzulesen, das ist grausam

  8. admin

    Der besonnene, redliche Gustav Seibt. angenehm
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    Gustav Seibt
    27 Min. ·
    Ich bin spät dran, habe aber jetzt auch die bemerkenswerte Doku zu Tellkamp gesehen. Gut, weil sie allen Stimmen genügend Raum gibt, ohne ihnen über den Mund zu fahren und daher auch alle Widersprüche (untereinander und innere) zu Gehör bringt.
    Ich sehe solche Sendungen inzwischen immer mit dem inneren Faktencheck – und manchmal auch mit dem wirklichen. Wurde Tellkamp in den letzten zehn Jahren irgendwo als „Nazi“ bezeichnet? Vielleicht, im Antifa-Milieu, im Gerede. Aber in den gedruckten Presse, soweit sie das SZ-Archiv vorrätig hält, nie. Keine einzige Stelle.
    Dass Frau Dagen in ihrem Buchhaus Loschwitz mit Martin Sellner einen lupenreinen Rechtsradikalen zu Gast hatte, der offensiv die Behauptung vom „Großen Austausch“ vertritt, auf die sich mehrere Massenmörder von Breivik bis Christchurch und Hanau beriefen, ist nachprüfbares Faktum. Mich würde das stören. Maron und Tellkamp stört es nicht.
    Am interessantesten fand ich die Konfrontation mit Stefan Locke, dem sehr guten Dresden-Korrespondenten der FAZ. Locke ist, in der Sprache Tellkamps, „indigener“ Einwohner Dresdens, ein Einheimischer, keiner der Zugezogenen, die Tellkamp „an der Käsetheke“ moralisch belehren. (Kuriose Käsetheken haben sie in Dresden.)
    Ihm gegenüber beschwerte sich Tellkamp nach einer Lesung (der mit den Tränen), dass die FAZ inzwischen Artikel drucke, die auch in der taz stehen könnten. Und das stimmt – wie übrigens auch die taz immer wieder Texte bringt, die FAZ-kompatibel wirken.
    Was heißt das? Der Meinungskorridor – dessen Breite Tellkamp so wichtig ist – hat sich *innerhalb* der meisten deutschen Medien in den letzten Jahrzehnten stark erweitert (dafür gibt es viele Gründe, Generationenwechsel, Fluktuation von Redakteuren, die Allpräsenz von allem im Netz, auf die die Zeitungen reagieren müssen, veränderte Zielgruppen).
    Nun mag Tellkamps Beschwerde paradox wirken: Er möchte eine Zeitung, die ihm Heimat bleibt (die alte FAZ), die also gerade *nicht* den Meinungskorridor überstrapaziert. Dabei wirft er der Presse insgesamt eine Verengung vor.
    Das Paradox lässt sich auflösen: Wenn *alle* Medien sich breiter aufstellen, werden sie einander immer ähnlicher, und so kann die innere Erweiterung einzelner Medien insgesamt zum Eindruck von allgemeiner Konformität führen. Dazu: wenn bei solcher generalisierter Offenheit dann eine Position doch ins Inakzeptable geschoben wird, ist der Bann natürlich viel vernichtender oder wird so empfunden.
    Das Problem bei Tellkamp, Dagen, Maron u.a. ist aber auch, dass die meisten ihrer Befunde zufällig sind – sie stören sich an einzelnen sie selbst betreffenden Punkten. Systematische Medienkritik müsste mit größeren Textkorpora über längere Zeitstrecken arbeiten – siehe Archiv. Auch sind die Grenzen zwischen Kritik und moralischem Ausschluss nicht leicht zu bestimmen. Da sind die Empfindlichkeiten sehr unterschiedlich. Journalisten werden ständig beschimpft, auch von links. Sie müssen damit leben.
    Ich sehe die medienübergreifenden Herdenbildungen (meist im ersten Moment – danach differenziert sich die Lage in der Regel) auch sehr kritisch. Als ich anfing, um 1985, hatten die Blätter deutlich konturiertere Identitäten, was übrigens auch das Spiel mit den Abweichungen interessanter, vielsagender machte. Deshalb haben NZZ oder Cicero, die das Ausscheren zum Prinzip machen, durchaus ihre Funktion.
    Disclaimer: ich habe ein paar Mal über Tellkamp geschrieben – und nie ohne Respekt.

    zdf.de
    Der Fall Tellkamp – Streit um die Meinungsfreiheit

    https://www.zdf.de/kultur/kulturdoku/der-fall-tellkamp-film-102.html

  9. admin

    Steuerkiste mit Quittungen aus 2020 immer noch nicht angerührt. Es Frau Mielcke fest versprochen
    Ich hasse euch alle.
    Die Scham über die DISKREPANZ der Einkünfte und der daran gemessen lächerlichen Ausgaben, die geltend gemacht werden können. Die lächerlich niedrigen Material- und Produktionskosten. Bei Stoffe abc, Leichlingen, Peters Art oder dem ACTION Markt.
    Man will es nicht wissen, man will keine Rechenschaft darüber ablegen.
    Vielleicht dafür 1 Mitarbeiter anstellen?
    wäre genauso peinlich.
    Dann würde dieser das ja alles wissen! Und mich auslachen.
    Beim Aufkleben der vielen knitterigen ACTION-Quittungen.

    Das Finanzamt soll einfach einbehalten, wie bei einem Arbeitnehmer. [und einen nicht behelligen.]
    Nehmt! nehmt nehmt nehmt

  10. admin

    Fluchtgedanken: haben wir eigentlich irgendwo einen Drucker in Wien?

    überlege grade, ob ich mich dort besser disziplinieren könnte.

    eventuell unter euren Strafandrohungen.

    Glut-Theorie zur Hirnfritteuse

    im Radio https://www.deutschlandfunk.de/die-glut-theorie-der-politischen-debatte-100.html

    _______________________
    22:50
    Zur Fortsetzung der Tamoxifen-Einnahme hätte ich gerne eine zweite Meinung. Früher waren 5 Jahre empfohlen, heute tendiert man zu 10.
    Bislang über 6 lange Jahre absolviert.
    Reicht das nicht?

    wäre das Medikament wirklich gerne los. !!

  11. admin

    Jemand „kann schreiben“. „hat ja schon bewiesen, dass er schreiben kann“
    Völlig leer, völlige Nullsätze.

    #LiterarischesQuartett

  12. admin

    Herr Rösner, haben Sie je versucht, sich bei den Opfern und den Hinterbliebenen des Gladbecker Geiseldramas zu entschuldigen oder wollen Sie es heute auf diesem Weg tun?

    Nein, ich habe mich bei den Opfern der Geiselnahme und deren Hinterbliebenen bis heute nicht entschuldigt. Ich habe diesbezüglich meine eigene Ansicht: Wenn jemandem sein Kind genommen wird, ist das nicht mit einer läppischen Entschuldigung abgetan. Ich würde zum Beispiel eine Entschuldigung auf keinen Fall akzeptieren. Selbstverständlich lässt mich das ganze Geschehen nicht kalt. Aber meine Gefühle gegenüber den Opfern und deren Hinterbliebenen behalte ich für mich, weil es keinen Sinn macht, dies zu offenbaren.

    Bereuen Sie die Tat?

    Dass ich die Tat zutiefst bereue, versteht sich von selbst. Schließlich haben dabei Menschen ihr Leben verloren.

    Denken Sie heute noch an die Geiselnahme?

    Ja, ich denke auch heute noch an die Tat von 1988. Zwei Bilder haben sich fest in mir verankert: als Silke B. nach dem Sturmangriff der Polizei regungslos auf der Autobahn lag. Auch das Bild, als Degowski Emanuele erschossen hat, hat sich in mir eingebrannt. Das gesamte Geschehen ist auch heute noch bei mir präsent. Ich denke, das alles bleibt mein Begleiter bis ans Ende meiner Tage. Ein solch heftiges Erlebnis kann man nicht vergessen, es drängt sich auch immer wieder auf und es bereitet mir tiefe Schuldgefühle.

    Gibt es Dinge, die Sie heute besonders bereuen?

    Natürlich zunächst den Tod von zwei Geiseln, Silke B. und Emanuele de Giorgi. Daneben bereue ich, dass ich damals die kleine Schwester von Emanuele, nachdem ich sie als Druckmittel gegen die Polizei benutzt hatte, nicht nach Hause geschickt hatte, weil sie eben das alles über sich ergehen lassen musste. Aber leider konnte ich in dieser Situation keinerlei Empathie aufbringen, weil auch für uns Täter stets Lebensgefahr bestanden hatte, weil man uns jederzeit hätte erschießen können.

    Warum haben Sie sich zu dem Banküberfall entschieden?

    Die Idee mit dem Überfall auf die Deutsche Bank kam vom Degowski. Es geht mir aber nicht um die Idee oder um schuld oder nicht schuld – wir hatten uns beide für den Überfall entschieden. Nichts anderes zählt. Ich wollte gar nicht so gern in die Bank, sondern viel eher in irgendeinen größeren Supermarkt einfliegen. Aber Degowski drängte. Und ich machte den Fehler meines Lebens, indem ich sagte: „Na komm, scheißegal!“ Dass das alles dann so ausgeartet ist, das hätte ich niemals für möglich gehalten.

    Welche Erinnerungen haben Sie an den Moment des Zugriffs?

    Ich hatte den Flucht-BMW gesteuert und der Tacho zeigte 100 Stundenkilometer. Auf einmal gab es einen heftigen Aufprall gegen unseren BMW, und in diesem Moment dachte ich, dass ich wegen meiner Müdigkeit, ich hatte zu diesem Zeitpunkt 96 Stunden nicht mehr geschlafen, nach links gefahren war und ein normales Auto in uns reingefahren ist. Ich drehte mich nach links und sah das mir gegenüberstehende Fahrzeug, das mit vier Typen besetzt war, die alle Helme trugen, und da wusste ich sofort Bescheid, wer da gegenübersteht. Degowski hatte sofort das Feuer eröffnet, seine Trommel der .357er Magnum geleert und sich danach tot gestellt. Ich hatte in diesem Moment, als das SEK aus allen Rohren schoss, gedacht, nun ist mein Ende gekommen, gleich kommt ein Geschoss und trifft meinen Kopf, das war’s… Aber dann wurden nur meine beiden Oberschenkel getroffen und ich sagte der Marion Löblich, dass ich mir einen gefangen habe, dass ich die Beine nicht mehr spüre. Ich hatte mich noch einmal nach hinten gedreht, um zu gucken, ob die alle noch leben, aber es war niemand zu sehen, und dann habe ich meine Waffe durch das Fenster auf die Autobahn geschmissen. Für den Tod von Silke Bischoff hat man mich verantwortlich gemacht, aber ich sage, dass das nicht der Wahrheit entspricht, dass das Kölner SEK sie auf dem Gewissen hat, dass die Polizei stark manipulierte, um so Beweise gegen mich zu schaffen. Silke Bischoff war eine ganz Liebe, niemals hätte ich ihr irgendwas Zusätzliches antun können, schon gar nicht erschießen! Ein solches Ende hatte diese junge Frau nicht verdient.

    Was würden Sie Silke Bischoff sagen, wenn Sie mit ihr sprechen könnten?

    Wenn ich mit Silke sprechen könnte, dann würde ich ihr sagen, dass mir alles sehr leidtut. Weil ich mein Wort, sie und ihre Freundin Ines Voitle in Frankfurt freizulassen, nicht einhalten konnte. Ich würde ihr sagen, dass mich ihr Tod auch heute noch sehr belastet.

    Was würden Sie Emanuele di Giorgi sagen?

    Dem italienischen Jungen Emanuele würde ich sagen, wenn ich ihn sprechen könnte, dass auch sein Tod mich stark belastet, dass das von meiner Seite her niemals hätte geschehen dürfen.

    Würden Sie, wenn Sie es könnten, die Zeit vor den Beginn des Banküberfalls zurückdrehen?

    Aber selbstverständlich würde ich, wenn ich nur könnte, alles ungeschehen machen.

    Haben Sie noch Kontakt zu Personen aus der Zeit der Geiselnahme?

    Nein, ich habe keinerlei Kontakte mehr zu irgendwelchen Leuten aus der Zeit.

    Finden Sie das Urteil einer lebenslänglichen Strafe gegen sich gerechtfertigt?

    Das Urteil und die Strafe gegen mich, mal von der Sicherungsverwahrung abgesehen, ist nicht zu beanstanden, weil mein Handeln in 1988 nicht von Pappe war. Mir war auch von Anfang an klar und somit bewusst, dass mich die Tat mindestens 30 Jahre Knast kosten wird und wie man sieht, ich lag damit richtig.

    Finden Sie es verständlich, dass Sie noch immer inhaftiert sind?

    Ja, dass ich mich noch immer im Knast befinde, das kann ich schon nachvollziehen. Dennoch sollte das ganze einmal ein Ende finden und zwar in den nächsten Jahren. Mein Ziel ist der offene Vollzug, denn nur dort habe ich die Möglichkeit, mich zu bewähren. So kann ich positive Argumente schaffen, die auch eine Strafvollstreckungskammer benötigt, um eine entsprechende Entscheidung fällen zu können. Ohne den offenen Vollzug habe ich null Möglichkeit, mich zu bewähren. Einen Antrag für den offenen Vollzug stellt mein Anwalt Rainer Dietz in einem Jahr und dann wird man sehen.

    Wie sieht ein normaler JVA-Tag bei Ihnen aus?

    An den Werktagen stehe ich jeden Morgen um 4 Uhr auf, sitze vor dem Fernseher und trinke Kaffee und rauche einige Zigaretten. Um 5 Uhr beginne ich mit der Reinigung meiner Zelle, womit ich um 5.30 Uhr fertig bin. Von 5.30 Uhr bis 6 Uhr wasche ich mich und ziehe die von Samstag frisch gewaschene Wäsche an. Kurz nach 6 Uhr ist dann Aufschluss und das Frühstück wird ausgeteilt. Dann um 6.30 Uhr wird zur Arbeit abgerückt, die um 15 Uhr endet. 15.30 Uhr oder 16.30 Uhr, das wechselt in der Sommerzeit jede Woche, ist eine Stunde Freigang im Hof. Nach dem Hofgang wird Abendbrot verteilt und danach kann man duschen und dann beginnt die Freizeit: Man kann sich in der Abteilungsküche etwas zu essen zubereiten, sich bei einem Mitgefangenen in die Zelle begeben, sich unterhalten und man könnte auch Billard spielen. Um 20 Uhr 45 ist Nachtverschluss, dann schaue ich fern oder höre Musik. Weil ich an den Werktagen um 4 Uhr aufstehe, versuche ich um 23 Uhr zu schlafen, was mir auch meistens gelingt.

    Was ist das Schlimmste an der Haft?

    Das Schlimmste an der Haft ist bei Leuten mit lebenslänglicher Strafe und Sicherungsverwahrung die nie endende Ungewissheit, wann dieses abgefuckte Knastleben ein Ende hat. Dieser Zustand geht an die Substanz, macht einen fast irre und vernichtet die Hoffnung.

    Was arbeiten Sie? Haben Sie einen Beruf erlernt? 

    Ich arbeite in einem Betrieb, in dem Bügelbrettbezüge angefertigt werden. Dort bin ich mit einem Mitgefangenen Kontrolleur, wir machen die Ware versandfertig. Einen Beruf habe ich nicht erlernt, bin aber flexibel und kann mich in vielen Berufen einarbeiten.

    Vergangenes Jahr haben Sie nach langem Zögern eine Therapie begonnen. Warum?

    Fast fünf Jahre habe ich eine Therapie rigoros verweigert, weil ich eben keinen psychischen Schaden habe. Ich war kriminell, aber nicht krank. Nun habe ich seit einigen Jahren eine sehr sehr liebe Lebensgefährtin, die zu mir steht wie ein Fels in der Brandung. Ausschließlich sie hat bei mir ein Umdenken ermöglicht. Sie hat mich davon überzeugt, dass man doch noch vertrauen kann, dass das Leben trotz allem lebenswert ist und dass ich mich für alle Zeit voll auf sie verlassen kann. Im Grunde genommen bin ich ein sehr misstrauischer Mensch, aber ihr glaube ich und zwar ohne Wenn und Aber! Und weil mir diese Frau so sehr vertraut, so werde ich in Zukunft auch nicht mehr gegen unsere Beziehung handeln. Ich hatte zudem das ganz große Glück, dass ich auf einen sehr netten Therapeuten gestoßen bin, von dem ich den Eindruck habe, dass er ein total ehrlicher Mensch ist. Ich habe jede Woche eine Stunde Therapiesitzung, wo ich auch sehr gerne hingehe.

    Wie stellen Sie sich die Zukunft nach der Haft vor?

    Sollte ich irgendwann mal wieder in Freiheit gelangen, so würde ich weit ab von allem und jedem irgendwo in Ruhe und Frieden den Rest meines Lebens verbringen und zwar mit meiner Lebensgefährtin. Den „Pfad des Bösen“ habe ich seit langen verlassen, das kommt für mich absolut nicht mehr in Frage. Wann der letzte Abschnitt meiner Zukunft nun beginnen könnte, das steht noch in den Sternen. Ich würde mir wünschen, im Jahr 2022 oder 2024 frei kommen zu können. Ich bin jetzt auch in einer Wohngruppe untergebracht. Das ist hoffentlich ein erster Schritt in ein freies Leben.

    RND

    ________________________
    12.6.22

    empfehle die neue Gladbeck Doku auf Netflix.

    wie anders die Menschen 1988 noch aussahen und waren, erschütternd.
    (auch erschüttert von der Naivität, die mir ganz gut gefällt. Diese Kölner in der Breite Straße, Café Cremer.)

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