To u r i s t   -   H o c h t o u r i s t   -   J u n i o r

 

 

Wat willte witten

Vom Michael Krebber

 

 

Melone war einmal Thema, auch abgewandte Frau, das geriet zwar sehr schön, doch auch gefallsüchtig und berechnend, für den Au­ßenstehenden gar nicht einmal, der dachte sicher schon, das sei das Höchste vom Höchsten, aber man will weg von Wirkung, die ein­zig aus diesem verlogenen Grunde heraus er­schaffen wurde, hin zu ei­ner derar­tigen Stimmung von Flecken und Strichchen, in der man spa­zieren gehen kann. Auch ohne zu wissen, wohin ei­gentlich.

So daß es möglicherweise auch sehr traurig und unangenehm ausgehen könnte.

Man kann sich schon für eine gewisse kurze Zeit be­schummeln, aber was sachlich nicht ge­löst wurde, kommt doch irgendwann wie­der.

 

Der Beharrliker schafft sich Räume, in denen er sich verrennen kann. Er gräbt sich mit al­ler Macht eine Höhle in einen Stoff, der eventuell allein in seinen Augen existiert und nur für ihn der gründlichen Be­handlung bedarf, darauf aber kann er doch keine Rücksicht neh­men.

So muß er sich manchmal die Ohren verleimen vor den Gedanken der anderen und in trü­ge­rischer Abgeschiedenheit weiterschür­fen. Wenn er die Höhle verläßt, hat er sich ver­mutlich grade mal einen hal­ben Satz abgezwungen, mit dem er dann händeringend da­steht.

Zuweilen bleiben es tatsächlich nur drei kleine Strichelchen, die haben aber ein Gesicht und flehen um Erhörung! Mehr war dann nicht drin, hört man, doch ein halber Satz und ei­ne gelun­gene Miene, die eine genaue Prüfung überleben, wollen erstmal erfunden werden.

Auf fast verlorenen, altertümlichen Po­sten der Verstiegenheit und Eigengesetzgebung den Bom­benhagel abzuwarten, scheint ihm eine besondere Attraktion zu sein. Wie lange er das noch aus­hält? Da ist er ja mal selber gespannt drauf

Und werden in der Welt der Stimmungen von Flecken und Gestalten kleinere Achtungser­folge erzielt, ist die Beloh­nung dementspre­chend, da wird nicht gerade ge­geizt.

 

Er ist zuweilen ein sich selbst senkender Stern am Himmel, wel­cher allerdings über ein Gebärdenspiel verfügt, wo man nur staunen kann, wo noch bewundernswerte Blicke ge­ern­tet wer­den. Und wenn es gut läuft, erlebt man den tiefen Rausch der überna­türlich gestei­gerten Aufmerksamkeit hauteng. Jeder, der noch einen Spürsinn be­sitzt, ist herz­lich ein­geladen, ein­zusteigen, und diesen unendlich auszuweiten, bzw. erst einmal zu erlangen.

Dies weitergeben zu können kann man gar nicht hoch genug loben, es ist unwahrschein­lich. Man bräuchte allein dafür einen Rah­men, da ginge gar nicht al­les drauf. Es ist aber kein Geheimnis darin enthalten.

 

Ja, Maler, lasse deine Schmierfaust sinken, siehe, deine Bilder sind plausibel. 

 

Bisweilen läuft jener nur aus dem einzigen Grund in die Wirt­schaft, sich die längst fäl­lige Ohrfeige abzuholen. Nun, das ist sehr langweilig zu wissen und besagt gar nichts. Man verwechsle es auch nicht mit der Selbsterniedrigung - diese besondere Fähigkeit wird wie­der an­ders ausge­drückt. Da begegnet man unter Umständen einer rabiaten Aufrich­tigkeit, die sich und Ihresgleichen quält; die ungleichen Brüder hohe Schule und Ama­teurliga strec­ken sich die Hand ent­gegen und vernei­gen sich vor einander.

Ewiger Schüler, aufsässiger Beißer, gerechter Legionär, trot­ziger Holzkopf, dünnhäutige Frau, und anständigster, feinster Herr Format von Ehre. Diese Schuhe zieht sich der Krebber übereinander an und geht damit hausie­ren, getrieben von der Aus­sicht auf Erreichung des Klassenziels Handschrift, was ihm doch längst gelungen ist, wie jeder gern bestätigt.

 

Ich gebe nun auszugsweise einen Bericht von einer Spezialkonfe­renz, die im Februar 1992 unter dem Titel

 

"Darstellungsüberforderung/Darstellungsübermüdung"

 

an namhafter Stelle stattgefunden hat, um das bisher Gesagte seelisch zu vertiefen. Dort verblieben die Teilnehmer folgen­dermaßen:

 

Der ganze Tisch besteht aus vielen alt­weißen, qua­dratischen Kacheln.

Da gibt es sowas und sowas, neben­einander, - endlich unver­eint! mit entsprechen­der Berech­tigung, mit unterschiedlicher Ord­nung.

Der ganze Tisch werde von Ka­tegorie A (Polke) siegessicher be­herrscht. Nun kann man es aber sicher nicht nur so ma­chen: das reicht nicht heran und das nicht, man verdürbe sich doch sicher nicht nur sehr viel Vergnügen dadurch? So schnell kann man doch nicht fertig sein, aber manchmal ja doch! und nicht nur aus Faul­heit, sondern wirklich, aus vollstem Herzen.

 

Die Kellnerin kommt und stößt her­vor: Das haben Sie aber sehr schlau angestellt! mit vom Haß zer­setzten Gesicht blickt sie zornig in das Auge.

Man stört sich nicht daran, sondern geht mit lüster­ner Miene weiter auf den Fingern die Kacheln, die Orte ent­lang. So benetzt man vorsichtig in Ge­danken den ganzen Erdball.

Hier ist der Anschluß an ... ganz arme Men­schen, an einen Kinder­verleih, Schau­spielschule, ich stehe hier am Behin­dertentelefon - ich mußte doch mitmachen!, auf der Kir­mes hat nicht zu su­chen: Kunst ist schön, macht aber viel Ar­beit, son­dern: Sack mit Eier. Da war es wieder: Du hast recht! Und wenn ein Blödmann kommt und sagt, Reper­toire, Reper­toire? na und ? angenommen es wäre seine einzige Fä­higkeit, zwei Sätze zu erwi­dern auf Dein: Es ist alles ge­sagt, es spricht für sich selbst, das Handwerkliche, die Wahr­nehmung, die Geste, stündest Du dann nicht da, ist dann nicht er der König und Du der Doofe, der sich noch entschuldigt mit Vor­übung, mit guten Geschich­ten und von mir Abgeschrie­benem  - nö - ich halte ja viel von mir?

Das betrifft jetzt Verteidigung und dünne Luft. Muß man sich ver­teidigen? Es sieht schwer danach aus, wenn man sich umsieht auf den tägli­chen Gängen. Aber es gibt auch was, wo mancher nicht mit­kommt und es auch nicht braucht.

 

Denn auf dem Schild steht doch j.w.d. im Angebot:

Heute: Die volle Kanne!

Gott schütze dieses Haus Schulz!

Himmel auf Erden? Kann ich ihn geben? - Ja hoffentlich!

 

Der Trapez­künstler schwafelt drei Sätze raus und sagt: Ja, das war der Salto! - Was!? Das war doch gar nichts! (Doch!) - und nix mit oh Manno.

Da sagt man, das  g e h t  doch gar nicht!  Da werden Schrauben ge­schlagen, die sich gar nicht schlagen lassen, nach normalem Ermes­sen.

 

Sauen ka­men gezogen. Sauen von fortgeschrittenem geistigem Ver­fall.

Es war ein langweili­ger Abend. Das Beste kam aber noch!

 

 

 

 

 

(geschrieben anlaesslich Michael Krebbers Ausstellung bei Bruno Brunnet, Nice Fine Arts, Berlin 1993)