Kölner Lichter 2007

17. Juli 2007

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Es war ein ganzes Jahr vergangen und die Vorbereitungen für das Großfeuerwerk “Kölner Lichter” liefen im Rheinpark auf Hochtouren. Sippschaften mit Handkarren bepackt mit allem, was man braucht, Fressalien, Bier, die Frauen trinken gerne Sekt. Überall stieg Rauch auf, Fleisch wurde gebraten. Unterhalb der Mauer nah am Wasser 2, die wahrscheinlich so oft es geht im Freien leben, Ganzkörpertätowierte fast nackt, dünne kiffende Landleguane mit bester Laune angesichts des Wetters und des Unterhaltungsprogramms. Die Normalbevölkerung stellte mich bis vor kurzem noch vor kein besonderes Problem, aber das hatte sich irgendwie geändert. Das war reinste deutsche Kölner Gegenwart, eigentlich an sich ungefährlich, bis jetzt. Ich konnte nichtmal entscheiden, ob wie vor 20 Jahren oder wie vielleicht in 20 Jahren. Es war jedenfalls jetzt, ja?
Ich nehme es an, ich weiß es nicht.

Die Cover-Band Living Planet spielte z.B. “Simply the Best”, “Jump” usw. ganz schlimm gesungen von Rockröhren und die Horden 20jähriger sangen begeistert mit. Hab ich so noch nicht erlebt und nicht begriffen, was da bedient wird. Das war ja nichtmal deren Kindermusik, da waren sie ja noch gar nicht hier oder wie. Was fanden sie darin?

Ich fuhr weiter rechtsrheinisch hoch nach Leverkusen, so schnell ich konnte. Mehrmals sprang die Kette ab. Das Feuerwerkschiff fuhr vorbei und Rollstuhlfahrer, die jedes Jahr zu den Kölner Lichtern kommen. Eigentlich sonst mit dem Wohnmobil unter der Bastei parken, aber dieses Jahr einen Pflegehund hatten, bei dem sie nicht wußten, wie er auf den Lärm reagiert, deswegen wollten sie nicht so nah ran. Die erklärten mir ganz genau den Ablauf der Veranstaltung, Vorfeuerwerke in anderen Gegenden, Vollsperrung des Rheins, Sponsoren usw. Ich hatte angehalten, um das Feuerwerkschiff zu fotografieren, während der Pflegehund, ein beiger Pudelmischling, auf mich zukam und anfing mich intensiv am Bein zu lecken. Das war kein sehr schönes Gefühl, im Gegenteil, ich log aber und sagte, der Hund sei süß.
So kam man ins Gespräch.

Ich habe nicht gewußt, wie schön Leverkusen ist. Sehr gepflegt war hier die Zeit stehengeblieben, gefühltes 1985. Grufties im Stadtbild die vor der Gemeindebücherei rumhängen, 70er Architektur, wie gesagt, gar nicht abgewrackt, sondern absolut in Schuß gehalten wahrscheinlich alles von der Firma Bayer selbst. Chemiepark, Ruhe, sogar ein “Bayer-Kaufhaus” und eine Ordnung, die ich noch verstehe. Eine Ordnung, die ich regelrecht verehre.
Ich möchte da hinziehen und mich da konservieren, einbalsamieren lassen mit diesen hervorragenden Chemikalien. Damit wäre wahrscheinlich allen geholfen.

1930 werden die Gemeinden Bürrig, Rheindorf, Schlebusch, Steinbüchel und Wiesdorf vereinigt und daraus die Stadt Leverkusen geformt. Namensgeber: Carl Leverkus, dessen Alizarin-Rot-Fabrik (1891) und die Ultramarin-Fabrik (1917) von der Firma Bayer aufgekauft worden waren.

Und wer ist einer der 110 Urenkel von Carl Leverkus? — Das wußte ich bis jetzt eben auch noch nicht.

Auf der anderen Rhein-Seite Ford-Werke, bis hinter Feldkassel verfahren, falsche Richtung. 60, 70 km Fahrrad, gut fertig. Von den Kölner Lichtern hab ich dann nichts gesehen, nur tüchtig knallen gehört. Reicht ja auch.

Nächste Termine

12. Juli 2008

11. Juli 2009

17. Juli 2010

live in Berlin 1980

Blood Pressure, Destoria, Cerebral Aneurysm, Catheder Depletion, Humoral Response, Zyklon B Zombie, Speed. Lyrics von 1975, sagen sie. Kommt gut bei der Hitze in geschlossenen Räumen mit wenig Sauerstoff, nicht zu leise und einem, der einen leicht von hinten würgt und ab und zu mit der Schaufel ordentlich einen verplättet. Au! danke Herrin.

Steuerung

12. Juli 2007

Jedes Bewußtsein kann nur das aufnehmen, was sich aufgrund der je eigenen Begabungs- und Sozialisationsvoraussetzungen an den vorhandenen Bewußtseinsstrom anschließen läßt, lehrte Luhmann als Pädagoge. Was ergibt sich daraus für die eigene Datenerhebung in Systemen zudem, in denen man sich nicht auskennt? Das konnte nur das Schlimmste bedeuten, bzw.: gar nichts.

Der geübte Darwinist findet immer eine Erklärung. Manchmal ist sie einfach, manchmal kompliziert. Ich stehe und betrachte lange und lange, angetackert auf kleinstem Raum wie der letzte Idiot, bis es genug ist.

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Licht an

Matumba war grade da zum Wäsche waschen. Ich lieg im Bett, er sitzt auf dem Stuhl. Während sich Matumbas Kleidung in der Maschine dreht, erzählen wir uns am liebsten wie doof und gut alles ist. Wenn man sich seit über 20 Jahren kennt weiß man ungefähr, was der andere gern hat. Sie hätten also jetzt eine Menge neuer Controller und Praktikanten in der Firma, studierte Leute immerhin, einer langweiliger und dümmer als der andere. Die müßte man leider immer in die Kantine mitnehmen, wo sie die Gespräche an sich rissen. (Matumba ist nicht sehr fordernd und spricht selber kaum.) Ich frage, was die so sagen. - Ja, oh Mann, der eine erzählte heute, sein Schwager oder Mitbewohner hätte ihm empfohlen, doch mal zu “Colon-Kult” zu gehen. Pause. Und da wäre er halt mal zu Colon-Kult gegangen (Matumba wußte nicht, was das ist) und da hätte er die eine Frau wiedergesehen, die da im Dings bedient. Der andere Controller fragte: “Die eine, die nette?” - “Ja.” - Pause. “Und? was hat sie gesagt?” - “Ich hab’ sie nur von weitem vorbeigehen sehen.” Pause. “Ich weiß aber auch gar nicht genau, ob die das war.”

Das wären die Gespräche in der Kantine, das müsse man sich mal vorstellen, schrie Matumba. Diese Schweinehunde! was die für eine Scheiße erzählen. Sie wären an irgendwelchen langweiligen Orten gewesen empfohlen von irgendwelchen Schwägern oder Mitbewohnern wo sie irgendeinen vielleicht von hinten gesehen hätten. So ginge das das ganze Essen über. - Ich hab natürlich sehr gelacht in meinem warmen Bett und werde die Szene gern in meinem neuen Film verwenden, wenn Matumba nichts dagegen hat.

Mach grad Aushangfotos von allen Filmen die unbedingt noch gedreht werden müssen. Filme für oder gegen Kinder und Jugendliche hauptsächlich.

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z.B.

Von den Controllern dagegen hatte ich nachts geträumt und war gegen halb 5 voller Angst erwacht. Sie hatten im Traum schmerzhafte Handlungen an mir vorgenommen.


Beim Wurst einkochen verhaftet worden

8. Juli 2007

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Ich habe einen sehr entfernten Verwandten auf dem Lande, der hat gegen die Branntweinverordnung verstoßen. Die Polizei fand bei ihm in der Scheune über 200 Liter Schnaps, Alkoholgehalt zwischen 50 und 70 Prozent, gebrannt aus Fallobst mit selbstgebauter Apparatur. Ich wußte gar nicht, daß so ein Gesetz noch in Kraft ist. Man nimmt an, daß Nachbarn ihn verraten haben.

Ansonsten ist nicht viel los, das tut mir auch leid, ich begreife nicht mal das Fernsehen, tief verunsichert von der brutalen Mischung, die sie einem darbieten. Als hätte ich 10 Jahre kein Fernsehen gekuckt komme ich mir vor wie eine Greisin, die mit sich selbst spricht: Wer ist das denn? Ist das nicht der Stefan Mross? der ist aber groß geworden, macht der jetzt die Samstagabenduntrhaltung bei der ARD, kann nicht sein, oder? oder der Silbereisen und du erkennst ihn nicht, oder ist es Bruce Kapusta der Teufelstrompeter? Aber was redet der da?

Werbung wird auch nicht verstanden, es wird an Dinge appelliert, die ich nicht zu haben scheine, Schichten, aber vielleicht bei den Jüngeren sind diese Begehrlichkeiten vorhanden, vermutet man, denn warum solltense das sonst machen? Nicht zu beantworten. Out. Explosion der Städte, in 20 Jahren leben hier 9 Milliarden auf der Müllkippe, habe vor allem Angst, vor allen Neuerungen. Are you hot? - No. - Nein, bitte. Ich möchte nichts mehr, danke. Dann schaltet man weiter, da kommt auf einmal unvermutet Hubert Fichte und macht mir schwere Gedanken in seinem Fellmantel, nebenher fetzen sich fast jede Stunde 100 Leute weg und 100 Hundertjährige, die zum 100. Geburtstag des Adlon fein verköstigt werden, sagen, da würden sie sich aber immer gern dran erinnern! in Zukunft! und man fängt leise zu weinen an in sentimentaler Umnachtung.

Muß ich denn in Shrek 3? Ich war ja nichtmal in Shrek 1 oder 2. Ich möchte diesen Anschluß weder halten noch verlieren, noch was dagegensetzen. Nenne mir einer bitte einen untraurigen Aspekt hierinnen. Anderen gehts halt um was anderes, in welcher Farbe das I-Phone bestellt werden soll. (gibt glaub ich nur schwarze, kosten 500 oder 600 Dollar, für jeden maximal 20) Da gehts halt drum, kapiers doch mal.

Man macht so weiter bei dem, was man für die eigene Arbeit hält (Trug! Wahn! Haß! Verblödung! Verblendung! Verelendung!) und zwischendurch wird man immer mal wieder grundsätzlich und fragt: was ist das eigentlich für ein Scheiß? der da ständig gemacht wird von einem und im Nichts unbezahlt versackt? wie müßte das eigentlich gemacht werden, angesichts von allem (was man so grade noch im Gesichtsfeld halten kann)?
so mach ichs doch eh und das lallt man dann noch 100 Mal und dann ist man alt und leer und braucht nicht mehr rumlallen, bzw. natürlich: nur noch lallt. Und zwar sehr bald.

Ich war schon mal mutiger, das saß schon mal besser. Selbstbezichtigung bitte nur, wenn der Sachgehalt von Interesse ist. - Na klar!
Dann sagen die (lieben) Kollegen: Komm, das ist normal, das geht uns doch genauso. Die Freude, die Wahrheit kommt nur in der Arbeit, in der tatsächlich getätigten Durcharbeitung — das ist alles richtig — und wir wollen nur hoffen, daß wir noch lange lange hart arbeiten können und ab und zu ein kloans Göld kriegen auch einmal dafür. — Geld? Wieso? Es macht doch Spaß.

Persönlich scheitern geht vielleicht noch, als Fall aber

scheiterte ich nicht gern.

Persönlich übrigens auch nicht.

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Existentielle Physiologie

“Gut und Böse. Wirklichkeit. Gut ist, was Menschen und Dingen ein Mehr an Wirklichkeit gibt, böse, was es ihnen nimmt.” (Cahiers I, 149) och ja, ach ja, gut und böse alles Quatsch

9.7. Wer sich zu wichtig nimmt, verkommt, hatte ich erst gelesen, statt “nicht”, beim Raddatz.

Der 101jährige Gadamer:
“Ich würde natürlich immer glauben, - das ist ja meine Pointe innerhalb der Entwicklung des Faches der Philosophie -, daß ich sage, - Ihr habt immer vom Sein und Heidegger usw. gesprochen -, während ich verlange: das Gespräch ist das Wesentliche. Wir haben immer zu JEMANDEM zu sprechen. Niemand spricht, der nicht zu JEMANDEM spricht. Dies kann ich aus meiner Erfahrung sagen, es ist wichtig, daß der andere sich ins Gespräch verwickelt fühlt.
Ich besuchte Heidegger wenige Tage vor seinem Tod. Nach dem Essen gingen wir in sein Zimmer. Er sagte: “Also Sie sagen, Sprache ist nur im Gespräch?” “Ja,” erwiderte ich. “Ja, ja.” meinte er. Damit war unser Gespräch beendet.”

Das ganze Interview ist leider etwas öde, die Fotos aber gut und Gadamers Lehre an sich völlig unspektakulär, aber eben auch gut, uneitel, bescheiden, dabei genau. Der wollte wirklich was wissen und nicht unbedingt wirken. Er war eigentlich eine liebe Frau, konnte ausgezeichnet backen und fabelhaft zuhören. Wir hatten immer viel Freude.

Epoché

Wagnis der Fiktion

4. Juli 2007
In den letzten Tagen habe ich auf unangenehmste Weise Bekanntschaft mit den Grenzen meiner geistigen Vermögen machen müssen und wäre ehrlich gesagt gern mit dem Fahrrad auf den Grund des Rheins gefahren.

Ich-will-nicht-mehr war sehr mächtig, auch als Satz, eigentlich ein belustigender, ein netter Satz. Ich sprach und rief und dachte den Satz tagelang und versuchte mich milde anzusehen, daß etwas Milde begleite meine bekloppte Raserei.

Bereit es ernstzunehmen und durchzudenken, was das denn hieße, wirklich Aufhören, natürlich nicht aber tot sein und auch nicht die gespielte bürgerliche Kapitulation, die Kapitulation der Adeligen erst, echt süß, und das alles absagen von Leuten, die in Wahrheit doch praktisch alles mitmachen, andere, die verpeilt und verpennt tun und die größten Checker sind, Kapitulation von Leuten, die überhaupt nie gekämpft haben, außer in die eigene Tasche rein, bei denen es keinen Einsatz gibt, die immer einzig sich selber meinen, nichts können außer andere in Schach halten, bestens versorgt sind dabei usw. usw., — das ist natürlich ein lustiges Wagnis! sich damit noch vom letzten Bißchen zu entheben!
Aber auch da müßte ich genauer nachdenken und besser hinschreiben. Oder auch sagen: was soll´s! Ich häng nicht dran. Laß fahren. Fuck it all.

Bester Beitrag bis jetzt jedenfalls zur neuen Platte und Komplex Scheitern als Kultur Lowtzow-Interview gestern in der taz. Und natürlich habe ich vergessen zu sagen: diese Platte ist ja wahnsinnig gut, bzw. 3 oder 4 Lieder. Ich habe hier sträflich entgegen meiner sonstigen Praxis mich ablenken lassen von Artikeln, Managementgeschrei usw. und das eigentliche Produkt erst sehr viel später in Ruhe ,

das war falsch

aber nachvollziehbar
textlich ist es wirklich schwierig. So oft wie manche Zeilen so stimmen, reinhauen sind andere einfachst abgeschrieben, bzw. gar nicht wahr bzw. sogar richtig daneben, zumindest leer, wenn man es sich genau besieht

An Handke kam ich wahrscheinlich durch den kleinen Einspieler auf 3SAT beim Bachmannpreis, da hat er so nett gelacht und nette Armbewegungen gemacht als junger Mann und als älterer Mann gesagt, — ja, was? das hat mir anscheinend so gut gefallen, daß ich es sofort vergessen habe! Es hat sich einfach in mich reingesenkt und war weg. Aber ich glaube so was wie: er denke immer, seine Person hätte sich komplett verändert seit damals (Mitte 60er), aber wenn er was lese aus der Zeit, denke er, das ist alles immer noch haargenau so. Und ob das traurig wäre oder das Gegenteil von traurig, fragte der Interviewer? das weiß ich aber schon überhaupt gar nicht mehr. Dann traf ich auf das Handke Interview in der Zeit von letztem Jahr, Februar. — Ah so, da kommt das Licht her. Lichtadern einziehen.

“(…) Wenn man dann in Sicherheit ist, die Schwelle überschritten hat zur Wärme, wird es ein Vergnügen gewesen sein, um im Futurum exaktum zu sprechen. Jedes Mal wenn man sich aus einer brenzligen Situation befreit, wenn man denkt, es geht nicht weiter, wenn man total minimalisiert ist als Mensch und dann über die Schwelle kommt, merkt man plötzlich, was Leben ist. Diese Übergänge sind das Fruchtbarste überhaupt. Das schöne Problem der Schwelle beschäftigt mich seit über 30 Jahren, und es hilft mir immer noch weiter. Es schubst mich weiter. Schon für mich als Schüler war das Lernen ein Vergnügen, das Betrachten, Schauen, Übergehen in das Gesehene. Nein, es ist nicht Vergnügen, es ist Freude. Manchmal ist es das Einswerden mit den Formen. Man empfindet nicht mehr, dass man der Gefangene der Historie ist. Man sieht die andere Geschichte, die mich seit je beschäftigt hat.”

“Es gibt nichts Schöneres, als, wie Hesse gesagt hat, das Wagnis der Fiktion einzugehen. Wenn das Schiff der Fiktion parallel zur Realität fährt — das ist für mich ein universelles Erlebnis.” Ja. Stimmt genau. Für mich auch. Bombig.

Wenn man nach “Wagnis der Fiktion” sucht, erhält man 8 Treffer, von denen sich 5 oder so auf Broodthaers beziehen. Da hab ich mich wirklich gefreut, über diesen Anker. –

Das mit der Fiktion schien ja eine ganz abgefahrene Kiste zu sein, dachte Mitzi, noch ganz benommen und zittrig. So wirklich begriffen hatte sie es immer noch nicht, “Stoff” schien es doch überall genug zu geben, nein?

Sie schämte sich, und nicht zu knapp, daß sie so dumm gewesen war, ging zurück an ihre Arbeit und wollte jetzt nur noch viel dümmer werden.

5.7.07

Jetzt zum Schaufler in den Fuck Your World / New Amerika Raum, Lichtstraße 50. Vielleicht weiß der was Besseres.

Matthias macht einen sehr sehr guten Eindruck.

*

- Sie wurden als Michaela Danovska geboren. Heute heißen Sie Oda Jaune. Warum?

- Warum wohl?

Sehenden Auges

25. Juni 2007

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Museum, Rourschen und Rheinpartie. Die rheinische Glasmalerei um 1500, bißchen später, sieht aus wie Comic und nicht wie 500 Jahre alt, sehr viele uralte Leute, die da im Schnütgen sonntags gepflegt herumschleichen und hinterher absolut begeistert in zittriger Schrift in das Gästebuch schreiben, wie wunderbar traumhaft sie das finden, voller Dankbarkeit werden die schönsten Worte bemüht und gefunden. Das rührt mich an, anderseits kann ich mich kaum halten und muß richtig gemein lachen und denken: oh Mann, ich faß es nicht! Ein toller Effekt. Alle sind zufrieden!
Später im Ludwig, mittlerweile ganz schön schmuddelig und die Beleuchtung verstärkt den Effekt, vieles sieht furchtbar oll aus, außerdem man wird neuerdings sofort angeschrien, wenn man nah rangeht an die Bilder. Da hab ich zurückgeschrien: Warum!? Was mach ich denn!? — Ich soll da nicht so draufhauchen, auf den Max Ernst.

M hat mir nach Gefühl die für mich maßgeblichen Seiten aus der Spex rausgenäht und in der Altstadt übergeben. Max Müller, klar, immer, unbedingt. Bei den anderen Sachen, Blixa Bargeld, Tocotronic usw., weiß ich noch nicht. Muß erst prüfen. Und nach Lage entscheiden, bzw. nur Lage, nur Schwebe, nie entscheiden.

Dann versucht im hohen Gras bei hohem Wasserstand den Diedrich- Gegenstand und Gegenwart- Text zu lesen, aber immer abgelenkt, doch bald mehr, z.B. zum Komplex ZUGRIFF und EINSPEISUNG.

Ich freue mich jedenfalls auf die hoffentlich bald erscheinende - übrigens von mir finanzierte - erste Ausgabe der Zeitschrift GEGENSTAND.

Sonst alles halbwegs gut, hoffentlich? — Ja, verdammt!

Wenn ich noch einmal Dandy lese oder Dandysme

bin ich glaub ich für alle Zeiten kerngesund

*

Wie klein genau und blöd genau ist eigentlich die kleine Blödi-Welt, möglichst genau?

Es geht jetzt grad mal, zwischendurch, nicht darum, ob irgendein Streit schön ist oder nicht, sondern grad mal kurz grundsätzlich. Ja? Ganz grundsätzlich.

*

Ja

*

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kein Tod, kein Wahnsinn

das war schlimm heute

keine Gewalt

Das AEON

23. Juni 2007

αιών

Entschaffung

23. Juni 2007

muß nochmal nachlesen wie das ging

Körper: ich weiß überhaupt nicht, was das ist

Kopf, Fuß, Eingeweide, ja? etwas Menschenhaar drangeklebt

(Gute Einladungskarte von Tim Berresheim Violett (Haar))

Im Folksgarten ein Feuer auf dem See, angefacht mit einem riesigen Schweißbrenner, aus der Orangerie klang wieder I will survive, hört man in Köln sehr sehr oft. Ein kräftiger Mann kam mir entgegen, der tat so als hätte er eine (Maschinen)Pistole und schoß damit feste in die Erde rein, bei jedem Schritt drückte er ab mit einem ganz steifen Arm und machte ein lautes Geräusch dazu, sehr gekonnt, es schien ihm sehr ernst damit. Er schaute auf als ich näher kam, sah mir kurz in das Auge und schoß dann weiter. Ich tat so, als sei es ganz normal.

Ich legte mich kopfunter an den Hang ins nasse Gras, über mir die Fledermäusler, in allen Größen, und dachte: ich bin kein Literat. Nie gewesen.

Die Crise? - Ein Traum

23. Juni 2007

“Den Dingen gegenüberstehen befreit den Geist. Den Menschen gegenüberstehen ist entwürdigend, wo man doch von ihnen abhängig ist — und sei´s, daß diese Abhängigkeit die Form der Unterwerfung, sei´s, daß sie die Form des Befehlens hat. (…). Warum diese Menschen zwischen der Natur und mir?”

Was ist Dichtung

22. Juni 2007

Nicht, wie das Spiel, vereinige die Poesie die Menschen, sagt’ ich; sie vereinigte sie nemlich, wenn sie ächt ist und ächt wirkt, mit all dem mannigfachen Laid und Glük und Streben und Hoffen und Fürchten, mit all ihren Meinungen und Fehlern, all ihren Tugenden und Ideen, mit allem Großen und Kleinen, das unter ihnen ist, immer mehr zu einem lebendigen tausendfach gegliederten innigen Ganzen, denn eben diß soll die Poesie selber seyn, und wie die Ursache, so die Wirkung.

Hölderlin, Brief an den Bruder 1.1.1799. STA 6.1 S.306.

Empfehlungen

14. Juni 2007

Ausstellung am Freitag, Elektro, Hamburg

Musik mit Micki und mir Samstag, Elektra, Köln

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16.6. in der Zeitung hatte gestanden, wie öde und bemüht oder so das Zusammentreffen mit Schmidt und Feuerstein zu Feuersteins 70. Geburtstag ist, und das hat aber überhaupt gar nicht gestimmt. Ich hatte Matumba Rum zum fernsehen mitgebracht und wir hatten bald allerbeste Laune ob dieser Rheinfahrt.
Hinterher Bullshit-Detektor II, Discharge, D. o. A. von TG usw. Bei weeping kippte der eben noch aufgestachelte Matumba plötzlich seitlich weg und glitt vom Sofa langsam auf den Steinboden.

Oje, Herr Matumba, Herr Matumba, aufwachen!

Anscheinend hörte er mich schon nicht mehr. An ihm herumzurütteln verbat sich, auch wollte ich ihm natürlich kein Wasser ins Gesicht spritzen.
Er schien zurückgeglitten in eine Welt, zu der mir der Zugang großräumig versperrt war. Ich betrachtete ihn eine Weile verzweifelt, voller Liebe, trug ihn ins Bett und ging nach Hause.