Wagnis der Fiktion

4. Juli 2007

In den letzten Tagen habe ich auf unangenehmste Weise Bekanntschaft mit den Grenzen meiner geistigen Vermögen machen müssen und wäre ehrlich gesagt gern mit dem Fahrrad auf den Grund des Rheins gefahren.

Ich-will-nicht-mehr war sehr mächtig, auch als Satz, eigentlich ein belustigender, ein netter Satz. Ich sprach und rief und dachte den Satz tagelang und versuchte mich milde anzusehen, daß etwas Milde begleite meine bekloppte Raserei.

Bereit es ernstzunehmen und durchzudenken, was das denn hieße, wirklich Aufhören, natürlich nicht aber tot sein und auch nicht die gespielte bürgerliche Kapitulation, die Kapitulation der Adeligen erst, echt süß, und das alles absagen von Leuten, die in Wahrheit doch praktisch alles mitmachen, andere, die verpeilt und verpennt tun und die größten Checker sind, Kapitulation von Leuten, die überhaupt nie gekämpft haben, außer in die eigene Tasche rein, bei denen es keinen Einsatz gibt, die immer einzig sich selber meinen, nichts können außer andere in Schach halten, bestens versorgt sind dabei usw. usw., — das ist natürlich ein lustiges Wagnis! sich damit noch vom letzten Bißchen zu entheben!
Aber auch da müßte ich genauer nachdenken und besser hinschreiben. Oder auch sagen: was soll┤s! Ich häng nicht dran. Laß fahren. Fuck it all.

Bester Beitrag bis jetzt jedenfalls zur neuen Platte und Komplex Scheitern als Kultur Lowtzow-Interview gestern in der taz. Und natürlich habe ich vergessen zu sagen: diese Platte ist ja wahnsinnig gut, bzw. 3 oder 4 Lieder. Ich habe hier sträflich entgegen meiner sonstigen Praxis mich ablenken lassen von Artikeln, Managementgeschrei usw. und das eigentliche Produkt erst sehr viel später in Ruhe ,

das war falsch

aber nachvollziehbar
textlich ist es wirklich schwierig. So oft wie manche Zeilen so stimmen, reinhauen sind andere einfachst abgeschrieben, bzw. gar nicht wahr bzw. sogar richtig daneben, zumindest leer, wenn man es sich genau besieht

An Handke kam ich wahrscheinlich durch den kleinen Einspieler auf 3SAT beim Bachmannpreis, da hat er so nett gelacht und nette Armbewegungen gemacht als junger Mann und als älterer Mann gesagt, — ja, was? das hat mir anscheinend so gut gefallen, daß ich es sofort vergessen habe! Es hat sich einfach in mich reingesenkt und war weg. Aber ich glaube so was wie: er denke immer, seine Person hätte sich komplett verändert seit damals (Mitte 60er), aber wenn er was lese aus der Zeit, denke er, das ist alles immer noch haargenau so. Und ob das traurig wäre oder das Gegenteil von traurig, fragte der Interviewer? das weiß ich aber schon überhaupt gar nicht mehr. Dann traf ich auf das Handke Interview in der Zeit von letztem Jahr, Februar. — Ah so, da kommt das Licht her. Lichtadern einziehen.

“(…) Wenn man dann in Sicherheit ist, die Schwelle überschritten hat zur Wärme, wird es ein Vergnügen gewesen sein, um im Futurum exaktum zu sprechen. Jedes Mal wenn man sich aus einer brenzligen Situation befreit, wenn man denkt, es geht nicht weiter, wenn man total minimalisiert ist als Mensch und dann über die Schwelle kommt, merkt man plötzlich, was Leben ist. Diese Übergänge sind das Fruchtbarste überhaupt. Das schöne Problem der Schwelle beschäftigt mich seit über 30 Jahren, und es hilft mir immer noch weiter. Es schubst mich weiter. Schon für mich als Schüler war das Lernen ein Vergnügen, das Betrachten, Schauen, Übergehen in das Gesehene. Nein, es ist nicht Vergnügen, es ist Freude. Manchmal ist es das Einswerden mit den Formen. Man empfindet nicht mehr, dass man der Gefangene der Historie ist. Man sieht die andere Geschichte, die mich seit je beschäftigt hat.”

“Es gibt nichts Schöneres, als, wie Hesse gesagt hat, das Wagnis der Fiktion einzugehen. Wenn das Schiff der Fiktion parallel zur Realität fährt ů das ist für mich ein universelles Erlebnis.” Ja. Stimmt genau. Für mich auch. Bombig.

Wenn man nach “Wagnis der Fiktion” sucht, erhält man 8 Treffer, von denen sich 5 oder so auf Broodthaers beziehen. Da hab ich mich wirklich gefreut, über diesen Anker. –

Das mit der Fiktion schien ja eine ganz abgefahrene Kiste zu sein, dachte Mitzi, noch ganz benommen und zittrig. So wirklich begriffen hatte sie es immer noch nicht, “Stoff” schien es doch überall genug zu geben, nein?

Sie schämte sich, und nicht zu knapp, daß sie so dumm gewesen war, ging zurück an ihre Arbeit und wollte jetzt nur noch viel dümmer werden.

5.7.07

Jetzt zum Schaufler in den Fuck Your World / New Amerika Raum, Lichtstraße 50. Vielleicht weiß der was Besseres.

Matthias macht einen sehr sehr guten Eindruck.

*

- Sie wurden als Michaela Danovska geboren. Heute heißen Sie Oda Jaune. Warum?

- Warum wohl?

Sehenden Auges

25. Juni 2007

max-mueller.jpg m-m-text.jpg _handke.jpg
Museum, Rourschen und Rheinpartie. Die rheinische Glasmalerei um 1500, bißchen später, sieht aus wie Comic und nicht wie 500 Jahre alt, sehr viele uralte Leute, die da im Schnütgen sonntags gepflegt herumschleichen und hinterher absolut begeistert in zittriger Schrift in das Gästebuch schreiben, wie wunderbar traumhaft sie das finden, voller Dankbarkeit werden die schönsten Worte bemüht und gefunden. Das rührt mich an, anderseits kann ich mich kaum halten und muß richtig gemein lachen und denken: oh Mann, ich faß es nicht! Ein toller Effekt. Alle sind zufrieden!
Später im Ludwig, mittlerweile ganz schön schmuddelig und die Beleuchtung verstärkt den Effekt, vieles sieht furchtbar oll aus, außerdem man wird neuerdings sofort angeschrien, wenn man nah rangeht an die Bilder. Da hab ich zurückgeschrien: Warum!? Was mach ich denn!? — Ich soll da nicht so draufhauchen, auf den Max Ernst.

M hat mir nach Gefühl die für mich maßgeblichen Seiten aus der Spex rausgenäht und in der Altstadt übergeben. Max Müller, klar, immer, unbedingt. Bei den anderen Sachen, Blixa Bargeld, Tocotronic usw., weiß ich noch nicht. Muß erst prüfen. Und nach Lage entscheiden, bzw. nur Lage, nur Schwebe, nie entscheiden.

Dann versucht im hohen Gras bei hohem Wasserstand den Diedrich- Gegenstand und Gegenwart- Text zu lesen, aber immer abgelenkt, doch bald mehr, z.B. zum Komplex ZUGRIFF und EINSPEISUNG.

Ich freue mich jedenfalls auf die hoffentlich bald erscheinende - übrigens von mir finanzierte - erste Ausgabe der Zeitschrift GEGENSTAND.

Sonst alles halbwegs gut, hoffentlich? — Ja, verdammt!

Wenn ich noch einmal Dandy lese oder Dandysme

bin ich glaub ich für alle Zeiten kerngesund

*

Wie klein genau und blöd genau ist eigentlich die kleine Blödi-Welt, möglichst genau?

Es geht jetzt grad mal, zwischendurch, nicht darum, ob irgendein Streit schön ist oder nicht, sondern grad mal kurz grundsätzlich. Ja? Ganz grundsätzlich.

*

Ja

*

heute.jpg

kein Tod, kein Wahnsinn

das war schlimm heute

keine Gewalt

Das AEON

23. Juni 2007

╬▒╬╣¤Ä╬Ż

Entschaffung

23. Juni 2007

muß nochmal nachlesen wie das ging

Körper: ich weiß überhaupt nicht, was das ist

Kopf, Fuß, Eingeweide, ja? etwas Menschenhaar drangeklebt

(Gute Einladungskarte von Tim Berresheim Violett (Haar))

Im Folksgarten ein Feuer auf dem See, angefacht mit einem riesigen Schweißbrenner, aus der Orangerie klang wieder I will survive, hört man in Köln sehr sehr oft. Ein kräftiger Mann kam mir entgegen, der tat so als hätte er eine (Maschinen)Pistole und schoß damit feste in die Erde rein, bei jedem Schritt drückte er ab mit einem ganz steifen Arm und machte ein lautes Geräusch dazu, sehr gekonnt, es schien ihm sehr ernst damit. Er schaute auf als ich näher kam, sah mir kurz in das Auge und schoß dann weiter. Ich tat so, als sei es ganz normal.

Ich legte mich kopfunter an den Hang ins nasse Gras, über mir die Fledermäusler, in allen Größen, und dachte: ich bin kein Literat. Nie gewesen.

Die Crise? - Ein Traum

23. Juni 2007

“Den Dingen gegenüberstehen befreit den Geist. Den Menschen gegenüberstehen ist entwürdigend, wo man doch von ihnen abhängig ist — und sei┬┤s, daß diese Abhängigkeit die Form der Unterwerfung, sei┬┤s, daß sie die Form des Befehlens hat. (…). Warum diese Menschen zwischen der Natur und mir?”

Was ist Dichtung

22. Juni 2007

Nicht, wie das Spiel, vereinige die Poesie die Menschen, sagt’ ich; sie vereinigte sie nemlich, wenn sie ächt ist und ächt wirkt, mit all dem mannigfachen Laid und Glük und Streben und Hoffen und Fürchten, mit all ihren Meinungen und Fehlern, all ihren Tugenden und Ideen, mit allem Großen und Kleinen, das unter ihnen ist, immer mehr zu einem lebendigen tausendfach gegliederten innigen Ganzen, denn eben diß soll die Poesie selber seyn, und wie die Ursache, so die Wirkung.

Hölderlin, Brief an den Bruder 1.1.1799. STA 6.1 S.306.

Empfehlungen

14. Juni 2007

Ausstellung am Freitag, Elektro, Hamburg

Musik mit Micki und mir Samstag, Elektra, Köln

moraltt.jpg

Elektro1.jpg mickidisco-5.jpg

interkarneval.jpg

16.6. in der Zeitung hatte gestanden, wie öde und bemüht oder so das Zusammentreffen mit Schmidt und Feuerstein zu Feuersteins 70. Geburtstag ist, und das hat aber überhaupt gar nicht gestimmt. Ich hatte Matumba Rum zum fernsehen mitgebracht und wir hatten bald allerbeste Laune ob dieser Rheinfahrt.
Hinterher Bullshit-Detektor II, Discharge, D. o. A. von TG usw. Bei weeping kippte der eben noch aufgestachelte Matumba plötzlich seitlich weg und glitt vom Sofa langsam auf den Steinboden.

Oje, Herr Matumba, Herr Matumba, aufwachen!

Anscheinend hörte er mich schon nicht mehr. An ihm herumzurütteln verbat sich, auch wollte ich ihm natürlich kein Wasser ins Gesicht spritzen.
Er schien zurückgeglitten in eine Welt, zu der mir der Zugang großräumig versperrt war. Ich betrachtete ihn eine Weile verzweifelt, voller Liebe, trug ihn ins Bett und ging nach Hause.

Freies Geleit (von ganz ganz oben)

11. Juni 2007

In the future when all┤s well hat alles seine Zeit und seinen Ort. Bereits jetzt und hier beim chillen in Bethnal Green werde ich sehr ruhig im Angesicht der Weisheit des Chlorophylls. Wie es sich von heiligem Lichte nährt. Weiter mit Simone Weil, (ziemlich gelacht über die Kindheits-und Jugendbeschreibung in der rororo Bildmonographie von 1970, weil so altertümlich und so lustig durchsetzt mit härtesten Zitaten und Beschreibung ihres Verhaltens und Äußerlichkeiten und sowas wie: sie sei ja strenger als der Gott selbst und eigentlich nicht zum aushalten gewesen, von ihren unzumutbaren Klamotten ganz zu schweigen usw. — spitze).

Filippo sprach aber gestern leider nicht weiter über streng geistige Fragen oder wenigstens feingeistige Fragen eleganter Verbrämung, sondern unbedingt über Leute, z.B. Sebi und seine jetzige Tätigkeit in Berlin, — jaja, ich weiß. — Was soll man da sagen. Ich überlegte, wie das Fanzine von Olga und Sebi geheißen hatte, Spoon, Smooth? Swoon? aus St. Goar bzw. St. Goarshausen? und wie elend lang das her ist. Das stimmt natürlich, aber was hilft┤s? Wird ja wohl kaum besser werden, geht halt nur in eine Richtung.
Wir haben uns im Studium für osteuropäische Geschichte kennengelernt, im Seminar zur russischen Revolution von 1905/07, sehr interessanter Stoff. Richtig harte Arbeit war das, Klausur, Hausarbeit, Vortrag und ich hatte insgesamt nur eine 3 plus gekriegt, obwohl wochenlang in das vermuffte Institut gelaufen und auch zu Hause geübt und uns gegenseitig abgefragt, das war gut. Muß 1988 gewesen sein.

“Der Schwache seinerseits ahmt die leblose Sache nach, weil jedes Zeichen des Lebens so gefährlich geworden war.” (Cahiers I, 71)

mb.jpg

12.06.07.jpg

Schwerkraft und Gnade

10. Juni 2007

Abraham Harms am Bett, es ist vielleicht was wert aber bald schlief ich drüber ein. Das weiße Bett der fremden Dichterin, der vollbehangene Ahorn, die vielen Bücher und Periodika, über deren Inhalt ich nicht das Geringste weiß. die aufdringlichen Vögel mir unbekannten Ursprungs, die offenbar in der Mauer selbst wohnen tun, stoßen den ganzen Tag Warnrufe aus. Nachgedacht über Dinge, die jetzt nicht anstehen.
Ansonsten sehr ruhich, sehr gut, hell. Die Aushangfotos sind gekommen.
Film: Von nichts gewußt.
Bzw.: war doch nur Spaß.

Sie sollten mehr von Ihren traurigen Erfahrungen in die Bilder einfließen lassen, dann würden sie vielleicht noch intensiver. — (Au ja) — Did Eva Hesse ever go to the Concentration-Camp? — Well, she definitly should. Would have made her work even more intense. Hätt ich fast gesagt.

Es ist wirklich alles gut so. In Hackney in der in der Well-Street, Mr. Martinis Breakfast. Nahezu jeder der reinkommt ein vollkommener Mensch, Wunderwerke der Natur, bigstyler by nature statt Popanze der Kunstwelt.
Im Ernst könnte ich hier ewig sitzen, alles spricht mir zu, “jedes Geräusch wird vernommen durch das große Schweigen des göttlichen Einvernehmens.”

[in Wahrheit steht da bräutlich statt göttlich. War mir in dem Moment zu hart.]

Entleibungswünsche im Kunstsommer

9. Juni 2007

Hallo

hier ein paar Bilder. Habe keine Zeit, muß gleich weiter. Dahin wo alles schön ist. Hochbetroffen hilflose Kleindarstellertätigkeiten nicht ausführen. Sondern auf dem Balkon bleiben und Wasser trinken, wenn da hoffentlich ein Balkon ist, was ich hoffe. ich hab nur keine Lust auf diesen Dreck

wegbegleiter.jpg126.jpgd+m.jpgview.jpgthe-splints.jpguntitled.jpg

Du bist dran.

Wieso, ich war doch da. Bis 5!